neu beseelt in mir . Gottlob ! es ist so geblieben . Ich bin auf meinem Platz . Von da aus sieht es sich klarer , bestimmter auf die Gegenstände hin , welche unsere Welt bilden . Ich glaube , des Oheims Auge hat auch erst einen Blick für mich gewonnen . Er betrachtet mich nicht mehr so prüfend . Wenn er mich ansieht , lese ich Vertrauen und wohlwollende Güte in seiner Miene . Es giebt nichts Einfacheres , aber auch nichts Friedlicheres , als unser Leben . Und wissen Sie wohl , wer zumeist den stillen Geist hineingetragen hat ? Jene schöne , liebe Frau , deren erster Anblick auf mich bei weitem nicht den beschwichtigenden Eindruck machte , den sie jetzt nach jeder Zusammenkunft in mir zurückläßt . Von dieser Leichtigkeit des Umganges , dieser Seele und Wärme in jedem Worte , können Sie sich keinen Begriff machen . Oft überrascht mich ihre Art und Weise so , daß ich sie staunend ansehe , ohne zu wissen , wie ich das Unwillkührliche dieses fessellosen Innern mit der steten Berücksichtigung alles dessen , was andere betrifft , vereinen soll . Sie sieht mich dann wieder an , und die Miene , mit der sie fragt : » Was ist Ihnen , Liebe ? « hat solchen Zauber kindlicher Neugier , daß jeder Gedanke an Absicht oder Künstelei davor verschwindet . Seit mich des Oheims Kränklichkeit im Schlosse fesselt , ist sie täglich , wenigstens auf ein paar Stunden hier . Sie kommt und geht wie ein anmuthiges Feenkind , das durch allerlei Zaubereien die alltägliche Gegenwart umher verwandelt . Immer hat sie etwas zu erzählen . Wie unbedeutend das auch sein mag , sie weiß es so eigenthümlich vorzutragen , daß es nie ohne Interesse bleibt . Der Kranke vergißt Schmerz und Unbequemlichkeit , wenn er sie nur sieht . Vorzüglich unterhält es ihn , wenn er Hugo mit ihr in Streit verwickeln kann . Das geschieht , so oft von der Gesellschaft in Ulmenstein die Rede ist , zu deren Gunsten Elise mancherlei anführt , was jener mit Witz und Laune widerspricht . Sie endet häufig damit , ihn über sein nichtiges , abweisendes Benehmen gegen Fremde , die er weder kennt noch kennen lernen will , auszuschelten , und ihm Stolz oder Trägheit vorzuwerfen . Der Comthur stimmt hierin mit ein . Er reizt und neckt den Neffen . Dieser giebt sich willig her , lacht , widerspricht ohne sich zu rechtfertigen , erzählt dann schnell ein paar Jagdabentheuer , schiebt irgend ein fremdes , anziehendes Bild hinein , wodurch er die Theilnahme seiner Gegner anders lenkt und ihnen entschlüpft . Elise bemerkt seine List zu spät . Es ärgert sie , doch weiß sie auch dieser Empfindung Grazie zu leihen . Sie ist allerliebst , wenn sie zankt . Ihr Eifer , mit dem es ihr in solchen Augenblicken ganzer Ernst ist , trägt ein eigenes Gepräge von Natur und Wahrheit . Ich glaube , sie erscheint vorzüglich deshalb so unendlich liebenswürdig . Der Oheim nannte gestern ihren Unwillen gefährlich . Er warnte Hugo , ihn zu reizen . Ich weiß nicht , wie es kam , daß gerade in diesem Moment Hugo ' s Blick dem meinigen begegnete . Es lag etwas Gezwungenes in seinem Lächeln . Ich ward unwillkührlich wie mit Blut übergossen . Es war wohl die Erinnerung meiner frühern Schwäche , die mich beschämte , allein Hugo ? Hat er mich schon damals errathen ? Die unbefangene Elise blieb sich gleich . Sie ist zu großartig , um dergleichen heimliche Regungen vorauszusetzen . Bald darauf nahm sie , ohne alle weitere Rücksicht , Hugo ' s Arm , und hieß ihn , sie zur Strafe , daß er sie so lange durch unnütze Worte aufgehalten habe , den Berg hinab zu ihren Wagen führen . » Mein armer , kleiner Georg , « setzte sie , fast erschrocken über die Erinnerung an diesen , hinzu , » wird gewiß schon recht ungeduldig über mein Aussenbleiben geworden sein . « » Wie , « entgegnete ich überrascht , » der Kleine begleitete Sie , und Sie ließen ihn die ganze Zeit draussen in der naßkalten Herbstluft ? « » Ganz so arg , « lächelte sie sorglos , » habe ich es nicht gemacht . Das Kind ist mir mit sammt dem Wagen späterhin gefolgt . Ich bin den Fußpfad durch den Wald gegangen , meine Absicht war blos , nach dem Befinden unsers Kranken zu fragen , und dann den Rückweg mit einer Spatzierfahrt zu verbinden . Ich habe mich einmal wieder hier vergessen , « fügte sie achselzuckend hinzu . » Aber nun auch keine Minute länger ! « Sie grüßte flüchtig . Ehe ich ihr Lebewohl sagen konnte , war sie mit Hugo die Treppe hinunter , zum Schlosse hinaus ? Ich trat ans Fenster . Es dunkelte schon . Mir schien es gewagt , sie und das Kind noch so spät der Gefahr des Umwerfens auszusetzen . Ich sprach das gegen den Oheim aus . Er erwiederte nichts . Als ich vom Fenster zurück trat , und wieder neben ihm niedersaß , fand ich ihn , den Kopf in die Hand gelehnt , vor sich hinsehend . Sein plötzliches Schweigen fiel mir auf , ja es ängstigte mich . Litt er körperlich , oder war etwas geschehen , das ihm mißfiel ? Mein fragender Blick drückte wohl aus , was ich dachte . Er richtete den Kopf in die Höhe , doch ohne sich weiter zu erklären , sagte er zerstreut und durch Anderes beschäftigt : » Ja , ja , Sie haben ganz recht , es ist zu spät ! « - Nachher besann er sich , wir redeten über Mancherlei , doch unsrer Nachbarin gedachte er weiter nicht , es kam mir sogar vor , als vermeide er alles , was auf sie Bezug hatte . Weshalb das ? glaubt er mich unfähig , den Werth