der Thüre des Vorgemachs das Herz seiner Begleiterin durch einen glühenden Händedruck zu versengen , aber indem rief des Prälaten befehlende Stimme : » Fiorilla ! « und mit einem leise geflüsterten Lebewohl : » Addio carino ! « flog , sie in das Speisegemach zurück . » Welch einen Burschen hat mir der Bruder da gesendet ! « sprach der Prälat mit gefalteten Händen : » Der schwatzt wie ein Franzose , zudringlich , keck und vorlaut ; und säuft und ist grob wie ein ächter Deutscher . « Fiorilla verlor kein Wörtlein , sie schmunzelte aber für sich ; versäumte nicht unter dem Aufräumen , am Spiegel sich vorüberzudrehen , und strafte in Gedanken ihren hochwürdigen Freund Lügen . » Und der Fastnachtsnarr will Priester werden , « fuhr der Prälat fort . » Er will nicht , aber er soll und muß ; « schaltete Fiorilla ein . » Ganz recht ; er soll ! « versetzte Monsignore : » Aber Gott behüte uns in Gnaden . Das wird ein Kirchenlicht abgeben , von dem einst du Heiland sagen wird : Besser wär ' s , es wäre niemals angezündet worden . « » Gleich tausend Andern ! « kicherte Fiorilla vor sich hin , und fütterte den Sittich mit Honigbrod . Sechstes Kapitel . O Johannes Huß ! Armer Dominus ! Seufzest Ach und Weh , Armer Domine ! Wärst Du doch daheim geblieben ! Dein Geleit war falsch geschrieben ; Ob ' s der Kaiser selbst verspricht , Hält man ' s doch dem Ketzer nicht . Volkslied jener Zeit . Die Kirchenversammlung zu Costnitz , die größte die jemals statt gefunden , zeigte sich bereits in ihrem Anbeginn glänzend und prachtvoll , obgleich das Oberhaupt des Reichs , Kaiser Sigismund noch in Aachen verweilte , wo seine Krönung vor sich gegangen war . Der Antheil , welchen ganz Europa an diesem lang vorbereiteten Concilium nahm , war unbeschreiblich und um so natürlicher , als Jedermann von der Nothwendigkeit einer ausgleichenden schiedsrichterlichen Versammlung innig überzeugt war . Die lateinische Kirche , von tiefen Spaltungen zerrissen , zählte , statt Eines Statthalters Christi , ihrer Dreie , die einander , von feindlichen Parteien erwählt , erbittert gegenüber standen , und durch ihr Beispiel , wie durch ihren Bann , alle Eide und Pflichten locker machten , Christen gegen Christen aufreizten , und dem Sittenverfall der Priester müßig zusahen , theils weil sie zu schwach waren zu widerstreben , theils weil sie die Verirrten durch sträfliche Nachsicht für ihre Zwecke zu gewinnen hofften , theils endlich , weil sie nicht besser waren , denn ihre Untergebenen . Dieses schon in die Länge dauernde Ärgerniß , dieses empörende Schauspiel , das drei Afterpäpste der Welt gaben , mußte geendet werden , aber weder Johann XXIII . , der arglistigste unter ihnen , noch der stolze Benedict XIII. , der in Arragonien auf den Schutz des Königs trotzte , noch der weit lenksamere , aber zum Werkzeug seiner Umgebungen herabgewürdigte Gregor XII. waren zum gütlichen Vergleich , zu Entsagung und aufrichtiger Mitwirkung an dem Geschäft der Kirchenverbesserung zu bewegen . Am lautesten eiferte das deutsche Volk gegen den chaotischen Unfug und Mißbrauch , der die Kirche zum Schauplatz hirnloser Gebräuche und zur Ablaßbude machte ; aber diese laute Mißbilligung vermochte es nicht , den Kaiser aus seiner Apathie zu wecken . Den dringenden Vorspiegelungen der Franzosen war es vorbehalten , seine Theilnahmslosigkeit in den brennendsten Eifer zu verwandeln . Verschiedene große Begebenheiten , die gewöhnlichen Vorläufer von wichtigern , spornten endlich seine Thätigkeit : Hussens Umtriebe und kühne Eingriffe in Böhmen , der Osmanen heranfluthendes Nomadenreich , aus dessen Zelten die wankenden Trümmer des Griechenreichs kaum noch hervorsahen . - Mit den unerhörtesten Anstrengungen , mit persönlichen Aufopferungen , die einem Kaiser deutscher Nation wohl so eigentlich nicht ziemten , aber in den Ansichten Sigismunds ihre Wurzel fanden , brachte derselbe endlich mit Zustimmung Johannes XXIII . , die ersehnte Kirchenversammlung zu Stande , und vereinte zu Costnitz die englische , italiänische , französische und deutsche Nation zu allgemeiner Berathung . Der Papst Johannes , auf die Gültigkeit seiner Wahl sich stützend , erschien selbst auf dem Concilium . Ausgezeichnete Fürsten mit ihrem zahlreichen Gefolge schloßen sich an die ungeheure Zahl von Geistlichen aller Würden , von Doktoren und Meistern der freien Künste , der Volksmenge nicht zu gedenken , die Schaulust und Gewinnsucht herbeiführte . Mit gespannter Aufmerksamkeit wartete man auf den Kaiser , der die großen Sitzungen in Person eröffnen sollte , und da sich seine Ankunft von Woche zu Woche verzögerte , so suchte die Neugierde ihre Nahrung an andern Gegenständen . Ein Mann war es besonders , der die Augen des Volks auf sich zog , bekleidete ihn auch weder Tiare noch Hermelin , wohnte er gleich in keinem Palaste . Dieser Mann war niemand anders , als der furchtlose Böhme , Johannes Huß , der Prediger , einer neuen Lehre , welcher dem Kaiserlichen Worte und dem des Papstes vertrauend , sondern Scheu sich zu Costnitz eingefunden hätte , seinen Glauben vor den Gottesgelahrten aller Nationen zu vertheidigen . Die frommgläubigen Costnitzer hatten ihn zwar mit gemischten Empfindungen aufgenommen , da ihm der Ruf eines Ketzers voraus ging , aber der Zauber des Kaiserlichen Geleitbriefs hatte ihn bisher vor jedem Unbild geschützt , und seine schlichte Tugend ihm am Ende die Herzen der Redlichen gewonnen . Wenn er sein Haus verließ , grüßten ihn die Bürger freundlich , die Kinder hingen sich an seine Hand , und horchten aufmerksam auf seine milde Rede , wurde sie gleich in ungelenkem Deutsch gegeben . Diese Anhänglichkeit , die sich so unumwunden zu äußern begann , wirkte widrig auf die Feinde des böhmischen Predigers , und vermochte sie , die fortdauernde Abwesenheit des Kaisers zu benützen , und ihrer Rachsucht den Zügel zu nehmen , damit sie den ersten entscheidenden Schritt thue . Die Vorbereitungen zu demselben konnten nicht so heimlich gemacht werden , daß nicht die