der mich durchs Fenster herein angrinste , und als ich die Gardine vorzog , schien gar der Engelkopf des Mädchens hereinzublicken ; mitunter zogen auch die Lamentationen durch meinen wirren Kopf , und ich verwünschte endlich ein Abenteuer , das mich eine schlaflose Nacht kostete . Sehr frühe am andern Morgen traten Lord Parter und einer seiner Freunde bei mir ein . Sie wollten mir begegnet sein , als ich meine rätselhafte Schöne zu Haus brachte , und schalten mich neckend , daß ich sie gestern gänzlich verleugnet habe . Als ich ihnen mein Abenteuer , dem größern Teil nach , erzählte , wurden sie noch ungestümer und behaupteten , mich deutlich schon mehreremal mit derselben Dame gesehen zu haben . Immer klarer ward mir , daß irgendein Dämon sich in meine Gestalt gehüllt habe , da ja auch das Mädchen mich so genau zu kennen schien , und ich war nicht minder begierig , das liebe Mädchen , als das leibhafte Konterfei meiner Gestalt zu Gesicht zu bekommen . Die beiden Engländer mußten mir Stillschweigen geloben , indem ich mich vor dem Spott meiner Bekannten fürchtete , zugleich versprachen sie auch , mir suchen zu helfen . Nach langem Umherirren , wobei wir tausend Lügen ersinnen mußten , um die erwachende Neugierde unserer Freunde zu täuschen , fanden wir endlich in dem entlegensten Winkel der Stadt jene Merkzeichen , die Madonna und den Brunnen . Ich sah das Haus der Holden , ich sah die Bank an der Türe , auf welcher ich hätte selig werden sollen , aber hier ging auch unser Weg zu Ende . Als Fremde hätten wir zu viel gewagt , so weit entfernt von den uns bekannten Straßen , unter einer Menschenklasse , die besonders den Engländern so gram ist , uns in ein fremdes Haus einzudrängen . Wir zogen mehreremal durch die Straße , immer war die Türe verschlossen , immer die Fenster neidisch verhängt . Wir verteilten uns , bewachten tagelang die Promenaden , weder meine Schöne noch mein Ebenbild ließen sich sehen . Geschäfte riefen mich in dieser Zeit nach Neapel . So angenehm mir sonst diese Reise gewesen wäre , so war sie mir in meiner gegenwärtigen Spannung höchst fatal . Unaufhörlich verfolgte mich das Bild des Mädchens , im Traum wie im Wachen hörte ich die liebliche Stimme flüstern . Hatten mich die Gesänge in der Kapelle so weich gestimmt , hatte das flüchtige Bild der Schönen vermocht , was der Geist und die Schönheit so mancher andern nicht über mich vermochte ? Unruhig reiste ich ab . Die Reise , so viele abwechselnde Gegenstände , die ernsten Geschäfte , der Reiz der Gesellschaft , nichts gab mir meine Ruhe wieder . Es war die Zeit des Karnevals , als ich nach Rom zurückkehrte . Durfte ich hoffen , im Gewühle der Menge den Gegenstand meiner Sehnsucht herauszufinden ? Meine englischen Freunde waren abgereist , ich hatte niemand mehr dem ich mich vertrauen mochte . Ohne Hoffnung hatte ich mehrere Tage verstreichen lassen , ich war nicht zu bewegen , mich unter die Freuden des Karnevals zu mischen . Wie erstaunte ich aber , als mich am Morgen des vierten Tages der Karnevalswoche der Gesandte fragte , wie ich mich gestern amüsiert habe . Ich sagte ihm , ich sei nicht im Korso gewesen . Er erstaunte , behauptete , mich von seinem Wagen aus mit einer Dame am Arm gesehen und begrüßt zu haben . Er schwieg etwas beleidigt , als ich es wieder verneinte . Aber plötzlich kam mir der Gedanke , wie wenn es die Gesuchten wären ? - Man war in allen Zirkeln sehr gespannt auf diesen Abend . Ein prachtvoller Maskenzug , worin Damen aus den edelsten römischen Häusern eine Rolle übernommen hatten , sollte das Karneval verherrlichen . Ich gab dem Drängen meiner Bekannten nach und ging mit in den Korso . Erwarten Sie von mir keine Beschreibung dieses Schauspiels . Zu jeder andern Zeit würde ich ihm alle meine Aufmerksamkeit geschenkt haben , nicht nur weil es mir als Volksbelustigung sehr interessant gewesen wäre , sondern weil sich der Charakter der Römer gerade hier am meisten aufdeckt . Aber wenn ich sage , daß von dem ganzen Abend , von allen Herrlichkeiten des Korso nur noch ein Schatten in meiner Erinnerung geblieben und nur ein heller Stern aus dieser Nacht auftaucht , so werden Sie vergeben , wenn ich über das interessante Schauspiel Ihre Neugierde nicht zur Genüge befriedige . Die lange , enge Straße war schon gefüllt , als wir durch die Porta del popolo hereintraten ; unabsehbar wogten die Wellen der Menge durcheinander ; und das Auge gleitete unbefriedigt darüber hinweg , weil es unter der Mischung der grellsten Farben keinen Punkt fand , der es festhielt . Die Erwartung war gespannt . Überall hörte man von dem Maskenzug reden , der sich nun bald nahen müsse . Ein rauschendes Beifallrufen drang jetzt von dem Obelisken auf der Piazza herüber und verkündete die Auffahrt der Masken . Alle Blicke richteten sich dorthin . Von den Balkons und Gerüsten herab wehten ihnen Tücher und winkten schöne Hände entgegen , indem die Equipagen sich in die Seiten drängten , um den Wagen des Zuges Platz zu machen . Er nahte . Gewiß ein herrlicher Anblick . Die Götter der alten Roma schienen wieder in die alten Mauern eingezogen zu sein , um ihren Triumph zu feiern . Liebliche , majestätische Gruppen ! Welch herrliche Umrisse in den Gestalten des Apoll und Mars , wie lieblich Venus und Juno , und man konnte es nicht für Unbescheidenheit halten , sondern mußte gerade hierin den schönsten Triumph finden , wenn das Volk mit Ungestüm den Göttinnen zurief , die Masken abzunehmen . Unendlich wurde aber der Beifall , als die Gräfin Parvi , die edlen Formen des Gesichtes unverhüllt , als Psyche sich nahte ! Wahrlich , dieser liebliche Ernst , diese sanfte Größe hätten einen Zeuxis und Praxiteles begeistern können . Der Abend