Rechtlichkeit brachten und erhielten ihm von vielen ein unbedingtes Vertrauen . So erwarb er sich allerorten Bekannte und Freunde , ja es läßt sich gar wohl merken , daß sein Vermögen so weit in der Welt umher verteilt ist , als seine Bekanntschaft reicht , weshalb denn auch seine Gegenwart in allen vier Teilen der Welt von Zeit zu Zeit nötig ist . « Umständlicher und naiver hatte dies der lustige Junker erzählt und so manche possenhafte Bemerkung eingeschlossen , eben als wenn er sein Märchen recht weitläufig auszuspinnen gedächte . » Wie lange steht er nicht schon mit meinem Vater in Verbindung ! Die meinen , ich sehe nichts , weil ich mich um nichts bekümmere ; aber eben deswegen seh ' ich ' s nur desto besser , weil mich ' s nichts angeht . Vieles Geld hat er bei meinem Vater niedergelegt , der es wieder sicher und vorteilhaft unterbrachte . Erst gestern steckte er dem Alten ein Juwelenkästchen zu ; einfacher , schöner und kostbarer hab ' ich nichts gesehen , obgleich nur mit einem Blick , denn es wird verheimlicht . Wahrscheinlich soll es der Braut zu Vergnügen , Lust und künftiger Sicherheit verehrt werden . Antoni hat sein Zutrauen auf Lucinden gesetzt ! Wenn ich sie aber so zusammen sehe , kann ich sie nicht für ein wohl assortiertes Paar halten . Die Ruschliche wäre besser für ihn , ich glaube auch , sie nimmt ihn lieber als die Älteste ; sie blickt auch wirklich manchmal nach dem alten Knasterbart so munter und teilnehmend hinüber , als wenn sie sich mit ihm in den Wagen setzen und auf und davon fliegen wolle . « Lucidor faßte sich zusammen ; er wußte nicht , was zu erwidern wäre , alles , was er vernahm , hatte seinen innerlichen Beifall . Der Junker fuhr fort : » Überhaupt hat das Mädchen eine verkehrte Neigung zu alten Leuten ; ich glaube , sie hätte Ihren Vater so frisch weg geheiratet wie den Sohn . « Lucidor folgte seinem Gefährten , wo ihn dieser auch über Stock und Stein hinführte ; beide vergaßen die Jagd , die ohnehin nicht ergiebig sein konnte . Sie kehrten auf einem Pachthofe ein , wo , gut aufgenommen , der eine Freund sich mit Essen , Trinken und Schwätzen unterhielt , der andere aber in Gedanken und Überlegungen sich versenkte , wie er die gemachte Entdeckung für sich und seinen Vorteil benutzen möchte . Lucidor hatte nach allen diesen Erzählungen und Eröffnungen so viel Vertrauen zu Antoni gewonnen , daß er gleich beim Eintritt in den Hof nach ihm fragte und in den Garten eilte , wo er zu finden sein sollte . Er durchstrich die sämtlichen Gänge des Parks bei heiterer Abendsonne ; umsonst ! Nirgends keine Seele war zu sehen ; endlich trat er in die Türe des großen Saals , und , wundersam genug , die untergehende Sonne , aus dem Spiegel zurückscheinend , blendete ihn dergestalt , daß er die beiden Personen , die auf dem Kanapee saßen , nicht erkennen , wohl aber unterscheiden konnte , daß einem Frauenzimmer von einer neben ihr sitzenden Mannsperson die Hand sehr feurig geküßt wurde . Wie groß war daher sein Entsetzen , als er bei hergestellter Augenruhe Lucinden und Antoni vor sich sahe . Er hätte versinken mögen , stand aber wie angewurzelt , als ihn Lucinde freundlichst und unbefangen willkommen hieß , zuruckte und ihn bat , zu ihrer rechten Seite zu sitzen : Unbewußt ließ er sich nieder , und wie sie ihn anredete , nach dem heutigen Tage sich erkundigte , Vergebung bat häuslicher Abhaltungen , da konnte er ihre Stimme kaum ertragen . Antoni stand auf und empfahl sich Lucinden ; als sie , sich gleichfalls erhebend , den Zurückgebliebenen zum Spaziergang einlud . Neben ihr hergehend , war er schweigsam und verlegen ; auch sie schien beunruhigt ; und wenn er nur einigermaßen bei sich gewesen wäre , so hätte ihm ein tiefes Atemholen verraten müssen , daß sie herzliche Seufzer zu verbergen habe . Sie beurlaubte sich zuletzt , als sie sich dem Hause näherten , er aber wandte sich , erst langsam , dann heftig , gegen das Freie . Der Park war ihm zu eng , er eilte durchs Feld , nur die Stimme seines Herzens vernehmend , ohne Sinn für die Schönheiten des vollkommensten Abends . Als er sich allein sah und seine Gefühle sich im beruhigenden Tränenerguß Luft machten , rief er aus : » Schon einigemal im Leben , aber nie so grausam hab ' ich den Schmerz empfunden , der mich nun ganz elend macht : wenn das gewünschteste Glück endlich Hand in Hand , Arm in Arm zu uns tritt und zugleich sein Scheiden für ewig ankündet . Ich saß bei ihr , ging neben ihr , das bewegte Kleid berührte mich , und ich hatte sie schon verloren ! Zähle dir das nicht vor , drösele dir ' s nicht auf , schweig und entschließe dich ! « Er hatte sich selbst den Mund verboten , er schwieg und sann , durch Felder , Wiesen und Busch , nicht immer auf den wegsamsten Pfaden hinschreitend . Nur als er spät in sein Zimmer trat , hielt er sich nicht und rief : » Morgen früh bin ich fort , solch einen Tag will ich nicht wieder erleben ! « Und so warf er sich angekleidet aufs Lager . - Glückliche , gesunde Jugend ! Er schlief schon ; die abmüdende Bewegung des Tages hatte ihm die süße Nachtruhe verdient . Aus tröstlichen Morgenträumen jedoch weckte ihn die allerfrühste Sonne ; es war eben der längste Tag , der ihm überlang zu werden drohte . Wenn er die Anmut des beruhigenden Abendgestirns gar nicht empfunden , so fühlte er die aufregende Schönheit des Morgens nur , um zu verzweifeln . Er sah die Welt so herrlich als je , seinen Augen war sie es noch ; sein