bedauerten sie den Löwenwirth Brenzel im Zuchthause , und sagten : » Er war doch bei allen seinen Fehlern ein braver Mann ; er hielt auf alte Gerechtigkeiten und Herkommen ; unter ihm wäre so etwas nie geschehen . Der Oswald ist ein Franzos , ein Jakobiner , ein Neuerer , ein Bonapartler und dergleichen . « 24. Und abermals die Schulden müssen getilgt werden . Schon im folgenden Frühjahr war Jubel und Freude in der vormaligen Wüste des Gemeinlandes . Denn wo sonst einsame Kühe am kurzen schlechten oder sauern Grase rupften und zupften , blühete nun ein wahrer Garten . Da sah man nun Bohnen , Hopfen und Hanf , Erbsen und Flachs , Kohl und Erdäpfel , Klee und Getreide in bunter Mannigfaltigkeit . Jeder konnte leicht berechnen , daß er mit der Aernte nicht nur den kleinen Zins abtragen , sondern Ueberschuß haben würde . Selbst die reichen Bauern , sobald sie einmal zum rechten Verstand kamen , was oft sehr schwer bei ihnen hielt , erkannten ihren Vortheil dabei . Denn nicht nur hatten sie Gewinn am Futter für ihre Kühe im Stall , an Milch und Dünger , sondern auch an baarem Geld . Denn hätte Jeder , wenn es nach ihrem Kopf gegangen wäre , zum Schuldenzins der Gemeinde aus seinem eigenen Sack gesteuert , so hätten sie verhältnißmäßig das Meiste dazu haben zahlen müssen , während jetzt , ein Jeder von seinem Pachtland , gleich viel Zins entrichtete . Der Oswald aber war noch nicht zufrieden , und nicht vergebens so oft in den Wäldern Tage lang umhergestrichen . Er hatte sogar in einer benachbarten Stadt den Oberförster besucht , der in seinem Fach ein grundgeschickter Herr war , und hatte denselben links und rechts in den Goldenthaler Gemeindswaldungen herumgeführt und um Rath gefragt . Der Oswald brütete wieder über etwas , aber Keiner wußte recht worüber ? Die reichen Bauern sagten : » Wir wissen ' s wohl , es soll wieder über unser Fell hergehen ! « Diesmal aber hatten sie sich doch geirrt . Jedermann war sehr neugierig , als die gesammte Bürgerschaft von Goldenthal wieder versammelt wurde , um von den Vorgesetzten wichtige Anträge zu hören . Oswald trat wieder hervor und sprach mit lauter Stimme : » Ihr Männer , liebe Mitbürger ! Ein Mann ohne Schuld hat Jedermanns Huld . Unser Dorf hat aber noch Schulden . Wir verzinsen dieselben vom Pachtlande . Besser wäre es , wir behielten den Zins vom Pachtlande Jeder in seinem eigenen Sack , wenigstens zehn Jahre lang oder länger . Damit wäre uns allen geholfen . « Die Leute lachten und sprachen unter sich : » Der Vorschlag ist nicht unbillig . « Oswald fuhr fort zu reden : » Ich und die ehrsamen Beisitzer wollen es übernehmen , dafür gut zu stehen , daß die Gemeindeschuld ganz oder doch größtenteils abgetragen werden soll , ohne eure Unkosten , sobald ihr einwilliget , drei Beschlüsse zu genehmigen und zu befolgen . « » Aha ! « schrien die reichen Bauern : » Jetzt kommt der hinkende Bote nach ! « Oswald sprach : » Höret mich an und denket wohl nach , ob ich wahr rede oder nicht . Wir haben in Goldenthal ungefähr hundert Haushaltungen . « » Das ist wahr ! « riefen die Bauern . » Jede Haushaltung , « sagte Oswald , » bekommt jährlich drei Klafter Holz nebst Reiswellen aus dem Gemeindswald . « Die Bauern sagten : » Das ist wieder wahr . « » Und , « fuhr Oswald fort , » so viel braucht jede Haushaltung ; manche mehr , manche aber auch weniger , die aus der Garküche speist . Aber alle könnten sich mit Wenigerem behelfen , wenn sie nicht Jahr aus Jahr ein zum Brodbacken , Obstdörren und zu den Wäschen gar viel Holz nöthig hätten . Bedenket , wenn in einer einzigen Woche zehn , zwanzig Familien Wäsche halten oder Brod backen , wie viel Holz in so vielen Häuseln auf einmal verbrannt wird ! « Die Bauern murrten und sprachen : » Das ist ganz richtig ; aber wir können nicht ohne Brod leben und in unreiner Wäsche gehen . « Oswald sagte : » Es gibt viele Gemeinden im Lande , die weit reicher sind , denn wir , und doch weit mehr hausen und besser sparen , als wir . Aber eben darum sind sie reicher . Es gibt Gemeinden , sie haben nicht so viel Waldung , als wir , und haben doch Holz genug und können davon sogar verkaufen . Aber wie machen sie es ? Da haben mehrere Häuser zusammen nur einen einzigen Back- und Dörrofen . Da trägt jeder in der Woche seinen Teig und sein Obst hin , wenn die Reihe an ihn kommt . Und weil der Ofen nie kalt wird , braucht Jeder nur wenig Holz zur Feuerung hineinzuthun , um ihm die gehörige Hitze zu geben . Das nennt man hausen und sparen ! - Warum können wir das nicht ? Warum thaten wir das nicht schon längst ? Antwort : Weil wir zum Guten entweder zu träg oder zu unverständig waren . Und bedenkt noch dazu , wie leicht wir durch das Backen und Dörren in den Wohnhäusern ein ganzes Dorf in Feuersgefahr setzen . Bedenket , wie viel Holz wir nur dadurch sparen könnten , wenn wir kleinere , bequemere Stubenöfen hätten , die weniger Holz fressen , statt der ungeheuern Steinmassen , die wir haben müssen , weil sie auch zum Backen und Dörren dienen sollen . Holz brennen heißt Geld verbrennen ! « Bei diesen Worten kratzte sich die ganze ehrsame Gemeinde von Goldenthal verdrießlich hinter den Ohren . Doch der erste Vorsteher ließ sich nicht stören , und sprach weiter : » Schauet rechts und links . Andere Gemeinden haben längst schon Gemeindswaschhäuser , deren sich alle Haushaltungen nach der Reihe bedienen , und wozu sie sich einschreiben lassen . Da ist