für die Nothwendigkeit unsichtbarer Verbindung durch alle Welten . Er verlor sich in die weiten Sternenräume , bezog ihren Lauf auf des Menschen Dasein und Bestimmung , und verwirrte sowohl Gegenstand als Ausgangspunkt des Streites , durch das Viele und Seltsame , was er durcheinander warf . Ohne so weit auszuholen , sagte Adalbert einlenkend , würden mehrere Erfahrungssätze schon hinlänglich für das Ferngefühl beweisen , und da dieses , einmal angenommen , auf Schritte , oder Meilen ausgedehnt , seiner Idee nach immer dasselbe bleibt , so kann ich aus meinem eigenen Leben einen furchtbaren Beitrag zu vielen andern hierüber gesammelten Beobachtungen liefern . Er schwieg einen Augenblick , und schien die raschen Worte zu bereuen , alles war indeß gespannt , und man drang lebhaft in ihn , fortzufahren . Ich hatte , begonn er endlich , in den schönen Jünglingstagen , wo das Herz so neu und die Hoffnung so frisch und muthig ist eine holde Freundin gefunden , die ihr junges , liebliches Leben , in der zärtlichen Anhänglichkeit zu mir , jeden Tag reizender entwickelte . Familienbande hatten sie mir , wie Dich meine Marie , nahe gebracht . Des Jünglings Seele will durch eine freundlichere Hand geweckt sein , als die gewohnten Tagesverhältnisse ihm zuführen . Sie berührt zugleich sein ganzes Dasein , und öffnet alle verschlossenen Behälter des überschäumenden Jugendlebens . Ich liebte in dem zarten Kinde die Welt , meine Bestimmung , die Ehre , Gott , eine tiefe unergründliche Unendlichkeit . Unsere Verbindung entwickelte sich mit unsern Ansichten und Vorstellungen von dem Leben . Die Politik der Eltern meiner Geliebten führte indeß eine andere Sprache als unsere Herzen , das arme Kind ward für das Kloster bestimmt . Ich wüthete , drohete , versuchte das Unerhörteste , die Jugend erschöpft sich nie in Hoffnungen , aber sie weicht mit gesunder Kraft schnell dem Unabwendbaren . Ist das Entscheidende einmal geschehn , so kehrt der Muth in sich selbst zurück , und erträgt ein Uebel , das er vorher mit Riesengewalt von sich zu stoßen bemüht war . Meine junge Freundin hatte ein ergeben , fügsam Gemüth , sie konnte sich dem Willen der Eltern nicht widersetzen . Aber ihr zartes Herz brach unter den Ketten , die auf ihr lasteten . Man hatte sie unbarmherzig von der Welt und ihrer freundlichen Bestimmung geschieden . Ein Jahr lebte sie das trübe , enge Klosterleben , in zweckloser Vorbereitung , denn sie starb , noch ehe sie den Schleier nahm . Die Veranlassung ihres Todes blieb mir lange verborgen . Nach mehreren Jahren erfuhr ich das Nähere hierüber aus einem Briefe der Aebtissin jenes Klosters . Es ist vergebens , schrieb mir diese , man versucht es nie ungestraft , Gott zu täuschen , hier hat ein unmündig Kind des Herrn Sache geführt . Am Tage der Einkleidung - Adalbert ward durch Antoniens Annäherung unterbrochen , sie war aufgestanden und stellte sich hinter seinen Stuhl , er wandte sich seitwärts gegen sie , und richtete seine Worte zu ihr hin . Am Tage der Einkleidung , fuhr er fort , war die Novize bereits im Begriff , den Eid abzulegen , als ein wunderbares Kind betäubt zur Erde sinkt , und in einem Zustande , den ich Schlaf nennen muß , laut in die Versammlung ruft , und der Freundin heißt , das Bild wegwerfen , das sie an goldner Kette im Busen trägt , es drücke ihr das Herz entzwei ! - Der Marquis faßte Antoniens Hand , die kalt und zitternd in der seinen lag . - Adalbert hielt einen Augenblick inne , ihre Bewegung auf rückkehrendes Uebelsein deutend , denn sagte er weiter : Es war mein Bild , mein unglückselig Bild , was auf dem armen , gequälten Herzen verborgen lag , niemand wußte darum , auch das Kind hatte es nie gesehen . Die Unglückliche bebte bei den fürchterlichen Worten , und , sich zur Aebtissin neigend , reißt sie selbst in unvorsichtiger Bewegung das stumme Zeugniß ihrer verrätherischen Liebe an das Licht . Aller Augen richten sich darauf , dumpfes Murren rollt zu ihr heran , und , als habe sie Gottes Gericht getroffen , so stürzt sie leblos nieder und kehrt niemals zur Vernunft zurück . Antonie schlug hier beide Hände zusammen und mit aufwärtsgerichteten Blicken ging sie schweigend zur Thür hinaus . Der Marquis und der Arzt folgten ihr nach , allein sie hatte sich in dem entferntesten Zimmer eingeschlossen , und antwortete keinem von beiden auf ihr wiederholtes Andringen , eingelassen zu werden , denn sie lag betend am Boden und gelobte es sich , Gottes Fingerzeig von nun an streng zu folgen . In ihr war kein Zweifel mehr . Es lag klar und unwidersprechlich vor ihr ; sie war Adalberts Schutzgeist . Schon damals hatte sie ihn vor der ewigen Verdammniß gerettet , einen Meineid veranlaßt zu haben , das Herz mußte brechen , das er dem Himmel entrissen hatte , ehe es sich neuem Frevel hingab . Später hauchte sie den Tod von seiner Stirn , und gestern zerbrachen die unglückseligen Vermählungsringe in ihrer Hand , als warnend untrügliches Zeichen . Niemand hatte das beachtet , sie wußte es jetzt , ihr war es Pflicht , ein Band zu trennen , gegen welches Gott gesprochen hatte . Der Marquis belehrte , rückkehrend , die Anwesenden von dem Antheil , welchen Antonie an jenem Ereigniß hatte . Adalbert erschrak heftig . So nahe stand ihm das Werkzeug ewiger Rache ! Sein Verhältniß zu dem seltsamen Wesen schien ein anderes geworden , und wie eine Geweihete mußte er sie betrachten , als sie ruhig , ja heiter , zur Gesellschaft wiederkehrte . Auf Marien hatte Adalberts Erzählung ebenfalls einen peinlichen Eindruck gemacht . Die frühe Jugendliebe erschien ihr so reizend ! Adalbert noch so innig , so leidenschaftlich , in ihr fortlebend ! Sie erinnerte sich des schönen , früh gefallenen Opfers gar wohl . Der Tag war ihr immer unvergeßlich geblieben .