- Fürchten Sie , fiel Luise ein , daß Fernando ? - hierüber bin ich eben so wenig als irgend jemand im Irrthum , erwiederte sie etwas heftig , allein , Emilie wird unsicher in sich selbst , und das könnte ihrem Gefühl grade eine Richtung geben , die mir nicht willkommen wäre . Wenn ich sie bis jetzt mit scheinbarer Sorglosigkeit sich selbst überließ , so geschahe das auf die Ueberzeugung hin , daß ich sie in jedem Augenblick verstehe , und bei der Gewalt , die ich über sie habe , einlenken kann wenn ich will . Emilie ist sehr unbefangen hingebend , aber auch eben so fügsam in die Nothwendigkeit äußrer Verhältnisse . Sie schließt sich an , und wendet sich ab , wenn es die Umstände gebieten , ohne sonderlichen Kummer zu empfinden . Mein Gott , unterbrach sie Luise , fürchten Sie denn nicht , daß , bey diesem steten Herumschweifen , ihr eigentliches Gefühl zu Grunde geht ? Ihr eigentliches Gefühl ? erwiederte die Baronin ; verwechseln Sie doch damit ein flüchtiges Wohlwollen nicht . Die jungen Leute halten gemeinhin Eins für das Andre , und wenn man denn recht viel Aufhebens damit macht , so künsteln sie sich eine Leidenschaft zusammen , die sie und Andre erschreckt . Ueber die große Ruhe , ja Nichtachtung , mit der ich jede Bewegung in Emiliens Herzen kommen und schwinden sah , ist es bei ihr niemals recht zur Sprache gelangt , und ich denke , sie soll die Tiefe und den Umfang ihres eigentlichen Gefühles , wie Sie sagen , unter ernstren Beziehungen kennen lernen . Hier ist sie indeß in einer mißlichen Lage . Wenn Fernando ein künstliches Feuerwerk vor ihr aufsteigen läßt , so ruft Stein mit seinen bilderreichen mystischen Worten Irrlichter aus der Tiefe , die sie vollends verwirren . Er hat gestern lange mit mir über sie geredet . Ich habe eine herzliche Achtung vor ihm , allein für Emilien paßt er nicht . Seine Welt ist nicht die ihrige , und eben , daß sie sich für einen Augenblick in jene könnte hinüberziehn lassen , machte unsre Abreise nothwendig . Von hier aus trennen wir uns alle . Stein geht mit Herrn Werner nach Berlin , Carl zu seinem Fürsten , und der Maler bleibt bei Fernando zurück . Luise sagte noch einige höfliche Worte , um sie länger zurückzuhalten . Lassen wir das , erwiederte jene , unsre Gegenwart hat Ihnen nicht wohl gethan ; allein besser , wir reden davon nicht weiter ! ich hätte vielleicht überall besser gethan , zu schweigen . Doch war es bei Ihnen ganz anders als bei Emilien . Die leidenschaftliche Heftigkeit Ihres Gemüthes war früher durch den steten Kampf aufgeregt , zu dem Sie eine verfehlte Wahl verdammt . - Bis dahin hatte es Luise noch nie gewagt , klar zu denken , daß sie besser hätte wählen können . Wie eine schwere , drückende , Kette schlang sich plötzlich das Band , das sie an Julius fesselte , um ihr Herz . Tausend frevelhafte Wünsche flogen kreuzend an ihr vorüber ; das Unmögliche zeigte sich aus der Ferne erreichbar ; es trat immer näher und näher auf sie zu . Verzeihen Sie , sagte die Baronin , wenn diese Worte Sie verletzen . Sie sind nicht glücklich , liebes Kind ; aber eben darum müssen Sie auf sich achten und Ihr Gefühl vor der Welt verbergen . Ein Wort , Luise , um Gotteswillen , ein Wort , flüsterte Fernando , der sich an sie herangedrängt hatte , ich kann den Druck nicht länger ertragen , der bittre Schmerz liegt auf Ihren gesenkten Augen , auch Julius - was ist vorgegangen ? Gleich , lieber Fernando , erwiederte sie , in der tödtlichsten Angst , daß die Baronin alles hören werde , - so bald wir allein sind . Wann werden wir das sein , fragte er unmuthig , es umringt Sie ja immer die halbe Dienerschaft ; wann denn , Luise ; wann meinen Sie ? Bald , bald ; diesen Abend , sagte sie , sich schnell wieder zu ihrer aufmerksamen Gefährtin wendend . Nun denn ! rief er , bis dahin ! Die Baronin hatte sich zu Emilien gekehrt , und Carl trat in ihre Stelle an Luisens Seite . Liebe Gräfin , sagte er , ich habe Sie noch um Vergebung zu bitten , wegen des Lärmens von heute Morgen . O ich weiß , unterbrach sie ihm , ich weiß alles . Sie wissen ? fragte er , Sie ? Nein , Sie wissen nicht , Sie sollen auch nicht wissen , bewahre Gott , das fehlte noch ! Nein , setzte er hinzu , es war nur von dem kleinen Schreck die Rede . Ich hatte nicht auf die Kammerfrau gemerkt , die im Vorzimmer das Frühstück besorgte , sie hat denn auch mehr davon gemacht , als dran war . Julius kam sehr ungerufen dazu ! Na , es ist vorbei , alles ist gut , Sie sind es doch auch ? Gewiß , mein guter Carl , erwiederte Luise . Er hatte sie bei der Hand gefaßt , und ging einige Schritte mit ihr voraus . Nun , und Julius , fuhr er fort , hat auch weiter keinen Unwillen gegen den Italiener ? Gegen Fernando ? fragte Luise , die es wie eine Ahndung anflog , daß Werner etwas in Beziehung auf ihn und sie könne gesagt haben . Um ' s Himmelswillen , ist er denn auch in dem Streit vermischt ? Nun , so halb , erwiederte Carl . Ich bitte Sie , sagte Luise dringend , was ist vorgefallen ? Nichts , nichts , antwortete er , was Sie jetzt noch ängstigen darf . O ich weiß es dennoch ! rief sie ganz trostlos . Fernando - Herr Werner hat von mir und ihm - sie barg das Gesicht in den Tuch und weinte . Wenn Sie es denn