Allein der eilfertige Wirth ließ ihr nicht Zeit zu antworten , er flog den vornehmen Gast zu bedienen . Rodrich setzte sich indessen zwischen den blühenden Ranken und freuete sich der lustigen Geschäftigkeit , die Groß und Klein in Bewegung setzte . Ueberall sahe man Vorkehrungen zu dem morgenden Tage , während die heutige Feier Geladne und Ungeladne herbeizog und Alle auf irgend eine Weise daran Theil nahmen . Vor einem gegenüber stehenden Hause wiegten sich zwei zierliche Mädchen mit geschmückten glänzenden Strohhütchen , auf einem schmalen Bret , das über einem abgehauenen Baumstamm lag , während sie mit großer Geschicklichkeit Körbe flochten , die sie öfters in die Höhe warfen , und indem Eine die Andre hob , auf einem Stäbchen wieder auffingen . Ein jedesmal trat dann eine keiffende Alte zur Thüre heraus und verhieß ihnen nicht die freundlichste Hülfe ; sie aber wiesen die fast vollendete Arbeit , und trieben das Spiel immer aufs neue , bis plötzlich ein feiner Knabe mitten auf das Bret sprang und ihnen die Körbe wegfing . Auf ihr Geschrei kam die Alte gelaufen , und Rodrich klopfte wirklich das Herz bei ihrem Anblick , denn er sah alles Unheil , was nun entstehen mußte . Der betretne Knabe ließ die Körbe sogleich fahren , und die Mädchen folgten willig in das Haus , wo sie Rodrichs Blicke lange vergebens suchte , bis sie endlich aus einem Dachfensterchen hervorguckten , und den bunten Gasthof verlangend und neugierig betrachteten . Alle ihre Bewegungen drückten die höchste Lebhaftigkeit aus , die keine Unfälle beugen könnte , im Gegentheil schien ihre Zuversicht nur zu wachsen , denn sie zeigten einander ihre Arbeit , und klopften in die kleinen Hände voll froher Erwartungen . Bald kam auch der Knabe geschlichen und flisterte ihnen etwas zu , was Rodrich indessen nicht verstehen konnte . Sie bogen sich aber heraus , und lachten heimlich , indem sie ihm die Körbe hinhielten und ihn unaufhörlich neckten , als höchst unerwartet das Gesicht der Alten zwischen den Cherubsköpfchen hervorsahe ; doch die Körbe waren fertig , und sie küßten die dürren Wangen , bis sie ein Strahl ihrer Freude belebte und Alle bald wieder vor der Thüre erschienen . Rodrich war durch den kleinen Vorgang so gefesselt worden , daß er es nicht bemerkte , wie es nach und nach immer lebendiger um ihn her ward , und Gäste und Reisende um die besetzten Tische Platz nahmen . Die Emsigkeit des Wirthes , sein unaufhörliches Rufen : » Marie , hierher ! Marie , Gläser ! o eilig , eilig , ich wäre schon zehnmal wieder da ! « machte ihn endlich auf die Anwesenden aufmerksam , und schon zog die Mutter des neugebohrnen Kindes seine Blicke auf sich . Ein langer röthlicher Mantel , in welchen sie das Kind eingeschlagen hatte , und der die eine Schulter deckte , während er sich in den reichsten Falten um die Hüften schlang , gab ihrer übrigens ländlichen Kleidung etwas vornehmes und phantastisches , wie der leichte Anflug von Kränklichkeit und Erschöpfung über ihre funkelnden Augen eine zauberische Milde ausgoß . So oft sie das geliebte Kind an die Brust drückte , oder sich über dasselbe hin bog , flog die schönste Röthe über ihr klares durchsichtiges Antlitz , und sie blickte dann freudig auf Marien , die ihr Entzücken theilte , während der unruhige Vater mit einem flüchtigen Kuß und einer ungeschickten Liebkosung an dem zarten Kinde vorüberflog . Rodrich hatte sie lange Zeit mit Bewundrung angestaunt . Alle Madonnen , die er je gezeichnet kamen ihm wieder ins Gedächtniß , und er sah recht , wie diese Weichheit , diese Demuth und Zuversicht mütterlicher Liebe , dies reiche Spiel wechselnder Gefühle in den strahlenden Zügen unerreichbar sey , als er zufällig einen Mann erblickte , dessen Augen von den aufgestützten Händen beschattet , unverwandt auf die Frau gerichtet waren , als wolle er das schöne Bild , rein von allen störenden Umgebungen , auffassen . Wie einen das Bekannteste , bei unerwarteter Erscheinung , oft fremd dünkt , so konnte er sich im ersten Augenblick nicht besinnen , wen er vor sich habe ; doch plötzlich stürzte er voll Freude in die Arme des betroffnen Mahlers , der ihn zweifelhaft ansahe , und halb froh halb betrübt sagte : so schnell bist du der Kunst untreu geworden ? Rodrich war wirklich verlegen , was er antworten sollte , denn er fühlte wohl , daß seine Gründe wenig Eingang bei dem eifrigen Künstler finden würden , als dieser heftig fortfuhr : sieh ' hieher , was kannst du herrlicheres vollbringen , als diesen ewigen Gedanken der Schöpfung , diese Mensch gewordne Liebe , in dem verklärten Bilde , was hier vor meinen trunknen Sinnen schwebt , immer und immer wieder außer dir hinzustellen und die Kunst in ihm zu verewigen ? - Was kannst du noch anders wollen ? und darfst du hoffen , bei dem unruhigen Gewerbe , das du ergreifst , je das Bleibende zu erfassen ? Was ist bleibend , sagte Rodrich , als der Gedanke des Lebens ? und spiegelt sich der nicht in dem steten Wechsel , wie in der ruhigen Wirksamkeit des Menschen ? Mich reißt der Augenblick fort , und ich muß mich dem beweglichen Spiele hingeben oder in der innern Unzufriedenheit vergehen . Und zu was , fragte der Mahler , soll dies zwecklose Spiel führen ? Zwecklos ? wiederholte Rodrich . Nennen Sie so das freieste Ringen und Entfalten der Kräfte , das wie Himmelsklang das Innere durchrauscht und jede trübe Sorge von dem reinen Spiegel einer muthigen Seele weghaucht ? Und was , als dieses Entzücken , wird fortleben , wenn die Zeit auch Ihre blühenden Träume verwischt und die Früchte einer mühevollen Laufbahn verschwinden ? - Sie hatten sich gleich beim ersten Erkennen aus der Laube entfernt . Rodrich sprach mit vieler Heftigkeit , denn es erbitterte ihn , daß seine Freude so ungetheilt blieb , und der Freund nur