fahrende Habe dareinzuschaffen . Auf einem Teetischchen von Zinn konnte alles Kalte und das Heiße getrunken werden , da es beides so kühlte . Er erstaunte über den Überfluß , worin er künftig schwimmen sollte . Denn es war noch eine Paphose da ( er wußte gar nicht , was es war ) - ein Bücherschrank mit Glastüren , deren Rahmen und Schlösser ihm , weil die Gläser fehlten , ganz unbegreiflich waren , und worein er oben die Bücher schickte , unten die Notariats-Händel - ein blau angestrichener Tisch mit Schubfach , worauf ausgeschnittene bunte Bilder , Jagd- , Blumen- und andere Stücke , zerstreuet aufgepappet waren , und auf welchem er dichten konnte , wenn ers nicht lieber auf einem Arbeitstischchen mit Rehfüßen und einem Einsatz von lackiertem Blech tun wollte - endlich ein Kammerdiener oder eine Servante , die er als Sekretär an den Schreibtisch drehte , um auf ihre Scheiben Papier , eine feine Feder zur Poesie , eine grobe zum Jus zu legen . Das sind vielleicht die wichtigern Pertinenzstücke seiner Stube , wobei man Lappalien , leere Markenkästchen , ein Nähpult , einen schwarzen basaltenen Kaligula , der aus Brustmangel nicht mehr stehen konnte , ein Wandschränklein u.s.w. nicht anschlagen wollte . Nachdem er noch einmal seine Stiftshütte und deren Ordnung vergnügt überschauet und sich zum Fenster hinausgelegt und unten die weißen Kiesgänge und dunkeln vollaubigen Bäume besehen hatte : machte er sich auf den Weg zum Vater und freuete sich auf den Treppen , daß er in einem so kostbaren Hause ein elendes Wohn-Nest besitze . Auf der Treppe wurde er von einem hellblauen Kuvert an die Hofagentin festgehalten . Es roch wie ein Garten , so daß er bald auf der Duftwolke mitten in die niedlichsten Schreibzimmer der schönsten Königinnen und Herzoginnen und Landgräfinnen hineinschwamm ; indes hielt ers für Pflicht , durch das Ladengewölbe zu gehen und das Kuvert redlich mit den Worten abzugeben : hier sei etwas an Madame . Hinter seinem Rücken lachte sämtliche Handels-Pagerie ungewöhnlich . Er traf seinen Vater in historischer Arbeit und Freude an . Dieser stellte ihn als Universalerben sämtlichen Gästen vor . Er schämte sich , als eine Merkwürdigkeit dieser Art lange dem Beschauen bloßzustehen , und beschleunigte die Erscheinung vor dem Stadtrat . Verschämt und bange trat er in die Ratsstube , wo er gegen seine Natur als ein hoher Saitensteg dastehen sollte , auf welchen andere Menschen wie Saiten gespannt waren ; er schlug die Augen vor den Akzessit-Erben nieder , die gekommen waren , ihren Brotdieb abzuwägen . Bloß der stolze Neupeter fehlte samt dem Kirchenrat Glanz , der ein viel zu berühmter Prediger auf dem Kanzel- und dem Schreibpulte war , um zur Schau eines ungedruckten Menschen nur drei Schritte zu tun , von dem er die größte Begierde forderte , vielmehr Glanzen aufzusuchen . Der regierende Bürgermeister und Exekutor Kuhnold wurde mit einem Blick der heimliche Freund des Jünglings , der mit so errötendem Schmerz sich allein , vor den Augen stehender gefräßiger Zuschauer , an die gedeckte Glückstafel setzte . Lukas aber besichtigte jeden sehr scharf . Das Testament wurde verlesen . Nach dem Ende der 3ten Klausel zeigte Kuhnold auf den Frühprediger Flachs , als den redlichen Finder und Gewinner des Kabelschen Hauses ; und Walt warf schnell die Augen auf ihn , und sie standen voll Glückwünsche und Gönnen . Als er in der 4ten Klausel sich anreden hörte vom toten Wohltäter : so wäre er den Tränen , deren er sich in der Ratsstube schämte , zu nahe gekommen , wenn er nicht über Lob und Tadel wechselnd hätte erröten müssen . Der Lorbeerkranz und die Zärtlichkeit , womit Kabel ihm jenen aufsetzte , begeisterte ihn mit einer ganz andern , heißern Liebe als das Füllhorn , das er über seine Zukunft ausschüttete . - Die darauf folgenden Stellen , welche für den Vorteil der sieben Erben allerlei aussprachen , versetzten dem Schultheiß den Atem , indem sie dem Sohne einen freiern gaben . Nur bei der 14ten Klausel , die seiner unbefleckten Schwanenbrust den Schandfleck einer weiblichen Verführung zutrauete oder verbot , wurde sein Gesicht eine rote Flamme ; wie konnte , dachte er , ein sterbender Menschenfreund so oft so unzart schreiben ? Nach der Ablesung des Testaments begehrte Knoll nach der 11ten Klausel » Harnisch muß « einen Eid von ihm , nichts auf das Testament zu entlehnen . Kuhnold sagte , er sei nur » an Eides Statt « es zu geloben schuldig . » Ich kann ja zweierlei tun ; denn es ist ja einerlei , Eid und an Eides Statt und jedes bloße Wort « , sagte Walt ; aber der biedere Kuhnold ließ es nicht zu . Es wurde protokolliert , daß Walt den Notarius zum ersten Erbamt auswähle - Der Vater erbat sich Testaments-Kopie , um davon eine für den Sohn zu nehmen , welche dieser täglich als sein Altes und Neues Testament lesen und befolgen sollte - Der Buchhändler Paßvogel besah und studierte den Gesamt-Erben nicht ohne Vergnügen und verbarg ihm seine Sehnsucht nach den Gedichten nicht , deren das Testament , sagt ' er , flüchtig erwähne - Der Polizei-Inspektor Harprecht nahm ihn bei der Hand und sagte : » Wir müssen uns öfters suchen , Sie werden kein Erb-Feind von mir sein , und ich bin ein Erbfreund ; man gewöhnt sich zusammen und kann sich dann so wenig entbehren wie einen alten Pfahl vor seinem Fenster , den man , wie Le Vayer sagt , nie ohne Empfindung ausreißen sieht . Wir wollen einander dann wechselseitig mit Worten verkleinern ; denn die Liebe spricht gern mit Verkleinerungswörtern . « Walt sah ihm arglos ins Auge , aber Harprecht hielt es lange aus . Ohne Umstände schied Lukas vom gerührten Sohne , um die Kabelschen Erbstücke , den Garten und das Wäldchen vor dem Tore und das verlorne Haus in der Hundsgasse , so lange zu besehen , bis der Ratsschreiber den Letzten Willen