ein unversöhnlicher Feind meines Vaters , seinen Haß auch auf mich Unschuldigen übertrug , ja , daß mein Leben nicht sicher in seiner Nähe war , und mein , um mich besorgter Vater , deshalb auf meine Entfernung so eifrig , so ohne Aufschub drang . Ja ich muß ihr das alles sagen , und wie konnte ich nur so lange schweigen ? - welche Verblendung ist es , die den Menschen oft verführt , gegen einen falschen Stolz , kleinliche Bedenklichkeit oder ein übereilt gegebenes Wort , sein Liebstes , sein Heiligstes aufs Spiel zu setzen ? Zweiter Theil Erster Brief Amanda an Julien Seit langer Zeit , Julie , ist dies der erste Augenblick , wo ich Dir wieder schreiben kann . Zu welchem Wechsel von Gefühlen ist mein Leben bestimmt ! - ich wandle wie in einem dichten , düstern Hain , wo nur zuweilen die wankenden Zweige sich öffnen , und mir die Aussicht auf ein fernes glänzendes Thal zeigen . Aber schnell schließen sie sich wieder , und ungewiß , ob mich der Weg in eine Einöde , oder in jene lichte Gegend führt , gehe ich im Dunkel weiter , wie das Schicksal es mir gebietet . Ich schrieb Dir , daß Albrets Krankheit gefährlich gewesen sei , und sie ist es noch . Sein Gemüth scheint in gewissen Augenblicken , vielleicht zum erstenmal , von Vertrauen gegen ein fremdes Wesen durchdrungen , und eine wunderbare Weichheit nimmt dann die Stelle seiner gewohnten Fühllosigkeit ein . In solchen Momenten hat er mir Vieles aus seinem frühern Leben vertraut . Da war es , wo mir von ihm entdeckt ward , daß Wilhelm sein Kind sei ; daß er einst eine heftige Leidenschaft für dessen Mutter gefühlt , sie aber bald darauf wieder ganz verlassen habe . - Sie sei , fuhr er fort , wahrscheinlich aus Gram darüber , gestorben ; er habe das Kind hier erziehen lassen , und der Wunsch es zu sehen , wäre unter andern Gründen , mit eine Veranlassung gewesen , warum er an diesen Ort gereist sei . » Sorgfältig , setzte er hinzu , war ich bisher bemüht , Dir aus diesem Verhältniß ein Geheimniß zu machen , denn , Amanda , ob gleich ich in Dir das vorzüglichste Weib verehre , das ich je habe kennen lernen - aber , sei so edel Du willst ; frag Dich selbst , ob Du nach dieser Entdeckung nicht ein Recht über mich zu haben glaubst ? und wer kann mir bürgen , daß Du diese Gewalt nie misbrauchen wirst ? - o ! die Gewalt über uns , ist für ein Weib das schönste Ziel , nach dem sie ringt , und dem Vergnügen , dann nach Laune und Willkühr verfahren zu können , opfert sie mit Freuden jede andere Rücksicht auf ! « Wie seltsam ich bei diesen Scenen bewegt war , kann ich Dir nicht beschreiben . Es war mir genugthuend , diesem verödeten HerzenEtwas sein zu können , es durch mich mit leisen Banden des Vertrauens , des Wohlwollens wieder an das Leben gebunden zu sehen . Aber dann war mir dieser Mann wieder so fremd ; seine lange Verschlossenheit , sein Argwohn , seine kalten Berechnungen stießen mein Gefühl zurück , und machten mir seine Nähe schauderhaft . Ja , Julie , diese Verschiedenheit unsrer Ansichten , unsrer Empfindungen , liegt wie ein tiefer Abgrund , den wir nicht überschreiten können , zwischen uns beiden ; vergebens sende ich die Blüthen der Innigkeit , der Mitempfindung , mit weichem Herzen zu ihm hinüber ; kaum Eine derselben erreicht ihn ; die meisten flattern in die Tiefe , und ich fühle nur die dunkle Leere , die uns trennt . - Und doch muß ich so innig das Herz bedauern , das seine schönsten Gefühle zu verbergen strebt , weil es fürchtet , in die Gewalt eines Andern zu gerathen , das unabläßig , ferne , dunkle Zwecke verfolgt , die ihn doch nie glücklicher machen , und sein Auge für das nahe , helle Leben um ihn her verschließen ; doch bleibt mir der Wunsch immer lebendig , ihn durch Wahrheit und Gefühl mit dem Leben wieder auszusöhnen , und das verschlossene Gemüth den Empfindungen der Menschlichkeit wieder zu eröffnen . Und so bin ich denn jetzt ganz allein gelassen , mit diesen wechselnden Gefühlen ? Du bist fern , und ich kann und will Deine Gegenwart nicht fodern . Nanette ist zu ihren Verwandten gereist , und wer weiß wann sie zurückkehrt . Barton hat schleunig diesen Ort verlassen , wahrscheinlich um mit Eduards Vater , ich weiß nicht wo ? zusammen zu treffen . Und Eduard - ach ! wie entfremdet ist mir dieser Name geworden ! wie anders , wie so ganz anders sind die Bilder , die jetzt mein Gemüth erfüllen ! - Schon sind beinahe drei Monate verflossen , ohne daß ich die geringste Nachricht von ihm erhalten hätte , und Alles was mir so nah , was so ganz Mein zu sein schien , droht wie ein wesenloser Traum zu verschwinden . - O ! warum mußte der Liebe kindlicher Glaube , das heitre Vertrauen , so leicht dem beleidigten Stolz , dem unverständlichen Schein , weichen ? - Warum vertraute er mir nicht ? - Schreibe mir bald , ich bedarf es . Alles ist mir fern und dunkel , und ich stehe allein in dem fremd gewordenen Gebiete des Lebens . Albret ist nicht mehr ! - Der stille Genius des Todes hat nun dies Herz beruhig ' t , und alles Widersprechende in sanftem Frieden aufgelöst . - Wie ein aufgerolltes Gemälde liegt das farbige Spiel seiner irdischen Freuden und Leiden vor meinem Blick , und auf der Rückseite steht mit schwarzen Zügen das Grab . - Ich weiß es , Julie , daß er selten wahrhaft gegen mich war , daß ihm mein ganzes Dasein bloß für ein Opfer seiner Absichten galt , daß