sprach einige Worte , aus denen ich merkte , daß sie mich für einen andern nehmen mußte . Ich antwortete so , daß sie nicht sogleich aus dem Irrtum gerissen ward . Als ich hoffen durfte , daß die Unterhaltung sie genugsam interessierte , gab ich ihr zu verstehen , daß ich ihr unbekannt sei . Sie war aufgebracht , ging zurück , sprach aber doch immer weiter durch die offen gebliebene Türe ; es währte nicht gar lange , so hatte ich sie wieder durch Bitten und Schmeicheleien auf den Balkon gezogen . Sie wollte meinen Namen wissen , ich sagte ihn ihr , sie schien einiges Zutrauen zu gewinnen als sie ihn hörte . Sie hatte schon viel zu meinem Vorteil gehört , sagte sie , und schon lange gewünscht mich pesönlich zu kennen . Was konnte sie mir Erfreulicheres sagen ? Auch war unsre Bekanntschaft mit diesen wenigen Worten so gut als befestigt . Meine Rolle war etwas schwierig , ich mußte durchaus sie schon gesehen , gekannt , geliebt haben , sonst wäre mein Eindringen ganz unverzeihlich gewesen , auch sprach sie ganz so , als ob mir alle ihre Verhältnisse bekannt sein müßten , da ich doch nicht das mindeste , nicht einmal ihren Namen wußte , und sie zum erstenmal sah . Gewandtheit und Dreistigkeit halfen mir glücklich durch . Nach einigen kleinen Debatten erhielt ich Erlaubnis , sie den folgenden Abend an demselben Ort wiederzusehen . Ich mußte nun zurück , ich fand meine Gefährten am bestimmten Ort wieder , und schiffte mich mit ihnen ein . Auf meine Erkundigung erfuhr ich von ihnen , wer meine schöne Unbekannte sei . Die Nachrichten waren gut und erfreulich . Aus einem großen Hause , vom Kloster an einen Mann vermählt , der alt genug war ihr Großvater zu sein ; sie lebte größtenteils auf dem Lande , wo ihr Gemahl sie dann und wann besuchte . Sie liebte ihn nicht , war keine Feindin der muntern Gesellschaft , ... kurz ich fand keine Ursache zu verzweifeln . Die folgende Nacht fand ich mich wieder vor dem allerliebsten Balkon ein . Dasselbe Licht , derselbe Glanz . Ich stand nicht lange , als sie heraustrat , sie sprach freundlich mit mir , ich bat um Erlaubnis zu ihr hinaufzukommen , sie verweigerte es nur schwach , ich ward dringender , sie nachgebender ; mit einem Sprung war ich auf dem Balkon zu ihren Füßen . Das Geständnis ihrer Liebe entzückte mich . Nun saß ich ihr gegenüber , auf demselben Teppich , von demselben Kronleuchter beleuchtet . Sie saß wieder auf demselben Sofa , schälte Orangen , die sie mit mir teilte , ich war wie berauscht , meine Sinne waren gefangen . Einige Stunden waren schnell verscherzt , nun verlangte sie , ich sollte wieder fort ; dieser leichte Anstrich von Sprödigkeit , mich nicht länger bei sich zu behalten , konnte mir nicht sehr imponieren , ich bestand darauf nicht fortzugehen , und es ward mir erlaubt zu bleiben . Doch mußte ich wieder hinaus auf den Balkon , um dort zu warten , bis sie mich wieder rufen würde , und ihre Frauen erst fortzuschicken . Die Lichter wurden ausgelöscht , ich mußte lange draußen stehen , es fing an zu regnen , ich ward verdrießlich , Langeweile war mir von jeher unter jeden Umständen unleidlich . Endlich kam eine Gestalt , die mich bei der Hand nahm , nicht die bekannte , es war eine vertraute alte Kammerfrau , sie führte mich durch einige finstre Zimmer , jeder Umstand fiel mir unangenehm auf . Endlich öffnete sie eine Tür und ging zurück . Die Gebieterin kam mir entgegen , sie war im nachlässigen Nachtgewande , sehr schön , das Zimmer äußerst prächtig , der Schein einer Lampe erleuchtete es nur dämmernd , alles war köstlich , unvergleichlich , aber es war nicht jenes Zimmer , jene Erleuchtung , jene Spiegel , jener schöne Teppich ; mich umgab nicht der süße Blumenduft , es war nicht dieselbe Grazie , die umherschwebte . Ich sehnte mich nach dem Schimmer , nach der Luft jenes kleinen Tempels , der mich zuerst so freundlich begrüßt , und meine Phantasie gefangengenommen hatte . Das ganze reizende Bild war mir entrückt , meine Wünsche mir fremd geworden . Ich setzte mich neben die schöne gütige Dame , und sprach einiges mit ihr , wahrscheinlich waren es höchst gleichgültige abgeschmackte Phrasen , die die Dame sehr betreten machten , und ebenso gleichgültig beantwortet wurden . Es gab einen Augenblick der sonderbarsten verlegensten Stille , ich fühlte das Unschickliche , wollte durchaus wieder in meine vorige Stimmung kommen , die Anstrengung gelang mir schlecht , ich ward völlig verdrießlich , und ... schlief endlich ein ! Als ich erwachte , schien der Tag hell ins Zimmer hinein ; ich fand mich allein , noch auf demselben Sofa : es währte einige Minuten eh ' ich mich entsinnen konnte , wie ich in dieses Zimmer gekommen , und was mit mir vorgegangen war ? Aber mit welcher Beschämung fiel mir nun mein ganzes Abenteuer und mein unerklärlich albernes Benehmen ein . Die Türen waren alle offen , kein Mensch kam mir in den Weg , ich schlich mich unbemerkt aus dem Hause , und eilte aus der Gegend , so schnell als möglich . Ich war überzeugt , daß meine Geschichte so höchst lächerlich , als sie wirklich war , und gewiß mit den unvorteilhaftesten Zusätzen , in Venedig herumkommen würde , und traute mich gar nicht , mich die erste Zeit wieder dort sehen zu lassen . Ich verließ also Venedig auf einige Monate , und zog aufs Land . Das war die Zeit , von der ich Ihnen erzählt , die ich unter Hirten auf dem Lande gelebt habe . « - » Dies ist gegen die Abrede , Florentin « , sagte Juliane , » diese Geschichte gehörte noch zu Ihren Konfessionen ! « Eilftes Kapitel Die