paar große Augen an den Mann machte , der einer Unbekannten so sonderbare Fragen vorlegte , und ihr dennoch , seines schlechten Aufzugs ungeachtet , Ehrfurcht und Zutrauen einzuflößen schien . - » Aha ! Nun versteh ich ; du bist Eigenthümerin einer großen Fabrik , worin eine Menge geschickter Arbeiter Geld für dich verdienen ? « - Ich ? ich besitze nichts dergleichen . - » Wovon kannst du denn einen solchen Aufwand machen ? « - Die Freigebigkeit meiner guten Freunde , erwiederte sie erröthend , und hielt inne - » Gute Freunde ? Das gesteh ' ich ! Da hast du allerdings ein großes Besitzthum . Ein Rudel Freunde ist freilich ein ganz andrer Reichthum als eine Heerde Rinder , Schafe und Ziegen ! Aber wie fängst du es an , schöne Theodota , daß du so gute Freunde bekommst ? Läßt du es auf den Zufall ankommen , ob sich so ein Freund , wie eine Fliege , von ungefähr an dich setzt , oder gebrauchst du etwas Kunst dazu ? « - Ich verstehe dich nicht ; wie käme ich zu einer solchen Kunst ? » Wenigstens so leicht als eine Spinne . Du weißt doch wie sie es machen , um sich ihren Unterhalt zu verschaffen ? Sie weben eine Art feiner Netze ; die Mücken verfangen sich darin , und dienen ihnen zur Speise . « - Ich soll also auch so ein Netz weben , meinst du ? - » Warum nicht ? Du wirst dir doch nicht einbilden , daß ein so köstliches Wildbret , als gute Freunde sind , dir so ohne alle List und Mühe , mir nichts dir nichts , in die Küche laufen werde ? Siehst du nicht , wie mancherlei Anstalten die Jäger machen , um nur einen schlechten Hasen zu erhaschen ? Weil der Hase immer bei Nacht auf die Weide geht , schaffen sie sich Hunde an , die bei Nacht jagen ; und weil er ihnen bei Tage entlaufen würde , halten sie Spürhunde , die , wenn er von der Atzung in sein Lager zurückgeht , seiner Fährte folgen und ihn dort zu fangen wissen . Weil er so schnellfüßig ist , daß er ihnen im Freien gar bald aus den Augen kommt , haben sie Windspiele bei der Hand , die ihn im Laufen fangen ; und da er ihnen auch so vielleicht noch entrinnen könnte , stellen sie überall , wohin er seinen Lauf nehmen könnte , Jagdnetze auf , worein er sich verwickeln muß . « - Das alles mag zur Hasenjagd sehr dienlich seyn , sagte Theodota mit einem kleinen spöttischen Naserümpfen ; nur sehe ich nicht , welches von diesen Mitteln mir dienen könnte um Freunde zu erjagen . - » Was meinst du , Theodota , wenn du dir statt eines Spürhundes jemand anschaffen könntest , der die Gabe hätte dir die reichen Dilettanten auszuriechen und in deine Netze zu jagen ? « - In meine Netze ? Was für Netze hätte ich denn ? - » Das fragst du , schöne Theodota ? Eines wenigstens gewiß , das auf alle Fälle schon weit reicht , und von der Natur selbst gar zierlich gestrickt wurde ; und wie kannst du vergessen , daß du in diesem schönen Leibe eine Seele hast , die dich lehren könnte , wie du die Augen brauchen mußt um die Männer durch deine Blicke zu bezaubern ; was du reden mußt um sie aufgeräumt und fröhlich zu machen ; wie du den , der dich ernstlich liebt , durch die Anmuth deines Betragens fest halten , und den Lüstling , der nur in deinen Reizen schwelgen will , abschrecken und entfernen sollst . Und hast du nicht auch ein Gemüth , das dich an deinem Freunde Antheil nehmen macht ? Das dich antreibt die zärtlichste Sorgfalt an ihn zu verschwenden wenn er krank ist ; ihm die lebhafteste Theilnehmung zu zeigen wenn er irgend etwas Rühmliches gethan hat , und mit ganzer Seele an ihm zu hangen , wenn er dir Beweise gibt , daß auch er es recht herzlich mit dir meine ? Ich zweifle nicht , du kannst mehr als nur liebkosen , du kannst auch lieben ; und du machst dir ein Geschäft daraus , die Gewalt , die du über die Gemüther deiner Freunde hast , dazu anzuwenden , sie zu den edelsten und besten Menschen zu machen . « - Ich versichre dich ( sagte Theodota , indem sie den Mund mehr als nöthig war aufthat , um uns zwei Reihen der schönsten Perlenzähne zu weisen ) , von dem allen ist mir nie etwas in den Sinn gekommen . - » Das ist mir leid für dich ; denn es ist nichts weniger als gleichgültig , ob man den Menschen gehörig und seiner Natur gemäß behandelt , oder nicht . Mit Gewalt wirst du wahrlich keinen Freund weder bekommen noch behalten ; das ist ein Wild , das sich nicht anders fangen und an die Krippe gewöhnen läßt , als daß man ihm wohl begegnet und Vergnügen macht . Das erste also , worauf du zu sehen hast , ist , daß du von deinen Liebhabern nichts verlangest als was sie dir leicht und mit dem wenigsten Aufwand gewähren können ; das zweite , daß du ihnen in eben dieser Art keine Gefälligkeit schuldig bleibest . Dieß ist ein unfehlbares Mittel zu machen , daß sie dich immer lieber gewinnen , dich desto länger lieben und desto freigebiger gegen dich sind . Du weißt , warum es ihnen eigentlich bei dir zu thun ist ; und es ist wohl nicht deine Meinung die Tyrannin mit ihnen zu spielen . Das , wovor du dich hüten mußt , ist also bloß , vor lauter Gefälligkeit , dem Guten nicht zu viel zu thun . Du siehest daß die leckerhaftesten Gerichte dem , der keine Lust zum Essen hat , nicht schmecken wollen , und dem Satten