! ein Wort , das man freilich zu manchem Mönche sagen kann und er versteht ' s nicht . Also - in der Brieftasche lag nichts , als ein einziger Streifen Tuch , den er eine ewige Belastung seiner Seele nannte und den er besitzen müsse , wie Magdalena den täglichen Anblick ihres sündigen Antlitzes in einem Spiegel , sagte er , oder in einem Bache oder in dem Wasser , in dem sie sich wusch , oder in den Augen der Menschen , die sie verachtend ansähen . Alles boten wir auf , die Tasche zu finden . Vergebens ! Die Zeit drängte . Der Pater mußte sich entfernen . Er erklärte am folgenden Morgen wiederkommen zu wollen . Inzwischen muß ich länger schlafen , als gewöhnlich , da ich die Nachtruhe versäumt hatte , und am folgenden Morgen ist zufällig der Bruder des Herrn Nathan im Geschäft und muß sogar am Fußboden drinnen die Tasche finden . Die beiden Brüder untersuchen sie und entdecken nichts als einen Streifen Tuch . Herr Nathan hatte die Nacht nicht gewacht , wie ich , wußte nichts von dem Verlust ; und wie die Männer in allen Dingen schwächer sind als wir , denkt er , seinem Bruder könnte er schon ein Geheimniß verrathen und erzählt ihm den Vorfall mit dem Mönch und will ihn dann erst schwören lassen , als er ' s schon verrathen hat . Inzwischen hat der Bruder längst den Gedanken gehabt , daß gerade ein Streifen Tuch einem Mann an seinem Ehrenkleide fehlte , einem gewissen Küfer Stephan Lengenich . Und wie er nun erst gar den Mönch nennen hört , braust er auf , er , der sonst so milde , grundgütige Mann , rennt davon wie ein schnaubendes Thier und ruft : Hilf deinem Nächsten , soviel du kannst ! Der wüthende Mensch hatte seinen Vortheil und eine Befriedigung für seinen Hochmuth und eine Befriedigung für seine Rache . Der Mönch hatte ihm eine Beleidigung zugefügt . Eben aber auch darum kommt er schon wieder zurück , schon wieder in sich gegangen , und bringt den Küfer mit . Aber der kommt gar erst mit Augen wie ein Pardelthier ! Die Tasche hatte ihm der Löb noch nicht gegeben , aber er haschte danach , wie ein Fisch nach dem Wurm ! Jetzt meine Angst um diese wüthenden Menschen ! Der Küfer war einmal angeschuldigt worden , den Vater des Mönchs ermordet zu haben ; Gott im Himmel ! Dieser Streifen Tuch war von dem Kleide des Mannes abgerissen gewesen , der es gethan haben muß . Und wie sie den Namen nannten und ich wieder fragte und noch einmal fragte : Der ! Eben der ! da - da vergingen mir doch die Sinne - Noch jetzt sank Veilchen in ihren Sessel zurück und zitterte ... Aber auch Nathan kam hereingestürmt und rief zornig mit polternden Worten : Sie wollen sich wieder krank machen ! Veilchen schüttelte , seine Sorge ablehnend , den Kopf ... Noch ein Glück , daß ich in Ohnmacht fiel , sagte sie ; die Männer erschraken darüber und legten ihre Wildheit ab ... Nathan rumorte im Zimmer ... Lucinde stand wie vor einem Vorhang , den eine geisterhafte Hand von ihrem eigenen Leben zurückzog ... Die Brieftasche des Abschieds einst in Lüneburg ! ... Stephan Lengenich , dem sie selbst einst scherzend die Worte gesprochen im Düsternbrook : » Niemand flicket auch ein altes Kleid mit einem Lappen vom neuen Tuche - ! « ... Auch das wußte sie von Treudchen , daß eben diese Jüdin durch den Dechanten und den Kronsyndikus um Leo Perl , die Hoffnung ihres Lebens , gekommen war ... Sie sagte : Eher hätten Sie sich ja selbst dem Küfer verbünden müssen ! Denn auch Sie , hör ' ich , gehören zu den Vielen , die den Kronsyndikus von Wittekind-Neuhof vor Gott anklagen dürfen ! Veilchen blickte auf und ihr leidender Blick winkte Nathan zu gehen ... Nathan that es , aber mit dem misgünstigsten Seitenblick auf einen Besuch , der soviel traurige Erinnerungen weckte ... Ich höre , fuhr Lucinde fort , daß Sie die Hoffnung Ihres Lebens , die Liebe des Doctor Leo Perl verloren haben , weil er aus räthselhaften Ursachen Christ wurde ! Christ ? - Priester ! berichtigte Veilchen ... Lucindens Zucken verrieth die gleiche Empfindung . Und warum ward er es ? Warum gab er Sie auf ? fügte sie hinzu ... Veilchen , bereits gesammelter , steckte sich ihre beiden Locken an zwei Haarnadeln zurück , die sie eine Weile im Munde behielt . Schon um deswillen mußte sie schweigen ... Drangen Sie denn nie in dieses seltsame Geheimniß ? Veilchen schüttelte den Kopf ... Auch jede Ahnung fehlt Ihnen ? Seltsam ! Ich habe in der Nähe des Kronsyndikus gelebt ! Ich kenne einen Neffen des Dechanten , den jungen Benno von Asselyn ... Man könnte vielleicht forschen ... War Leo Perl von der Wahrheit des Christenthums überzeugt ? Veilchen zuckte die Achseln und befestigte ihre Locken ... Er hat den Domherrn von Asselyn getauft , fuhr Lucinde fort ... Auch eine hier jetzt lebende Frau von Hülleshoven getraut , hör ' ich ... Einen strengen , exemplarischen Lebenswandel soll er geführt haben ... Ich hört ' es ... sprach jetzt Veilchen ... Nie wieder hatten Sie eine Beziehung zu ihm - ? Seine letzten Bücher waren in Kocher am Fall geblieben . Als man sie ihm ins Seminar nachschicken wollte , ließ er sie an mich übergeben ... Da stehen sie ! Sie sind - das Letzte ... Für Lucinden konnte zunächst in dieser Mittheilung nur die Anerkennung der gewaltigen Kraft liegen , die das Christenthum auf die Ueberzeugung eines geistvollen Mannes hatte , der ihr eine Liebe opfern konnte ... Und diese Beziehung der Freude des Küfers zur Trauer Ihrer eigenen Erinnerungen - was brachte sie zu Wege ? fragte sie ... Zunächst die Besinnung meines Verwandten , des Herrn Löb Seligmann .