Ob Herr von Dohleneck ihn gezogen hätte , wir wissen es nicht ; aber es war ja sein Wachtmeister , der , in Respekt erstarrend , vor ihm schulterte und aus den Lippen des vorgestreckten Kopfes die Worte flüsterte : » Halten zu Gnaden , Herr Obristwachtmeister , sie sind die Puten von Excellenz Feldmarschall Möllendorf ! « Zweiundachtzigstes Kapitel . Die Scheidestunde schlug . Als die Baronin durch die Hecke geschlüpft - sie hoffte , unbemerkt von den Verfolgern , - befand sie sich in einem schmalen Gange , der eigentlich nicht zum Spazierengehen , sondern zwischen der beschnittenen Baumhecke und einem alten Plankenzaune , mit Unkraut bewachsen und für den Kehricht des Gartens bestimmt war . Ihre Absicht war auch wohl gewesen , wenn das wilde Heer vorüber , in die Allee zu ihrem Freunde zurückzukehren . Davon wurde sie zu ihrem Schreck durch einen andern Mann , den sie nicht als ihren Freund betrachtete , abgehalten . Nein , sie fürchtete oder verabscheute den alten Herrn von Bovillard , und glaubte dazu hinlänglichen Grund zu haben , denn hatte nicht der Legationsrath in einer vertrauten Stunde ihr - wir sagen nicht Alles , aber doch Vieles vertraut , was sie nie erfahren durfte , wenn man nicht ohnedem wüsste , daß das Amtssiegel der Verschwiegenheit über die geheimen Staatsangelegenheiten in der Hinterstube des Geheimraths Bovillard nur zu oft erbrochen war . Und diesen selben Bovillard , der mit ihr und dem Rittmeister ein so grausames Spiel gespielt , dem sie in in ihrer Entrüstung geschworen , nie mehr ins Gesicht zu sehen , traf sie an dem einsamen Orte , er kam grad ' auf sie zu , und hob grade den Kopf , den er gesenkt trug , ehe sie ausweichen konnte . Zu anderer Zeit kochte es in ihr , ihm Sottisen oder die Wahrheit zu sagen , was sollte sie ihm jetzt sagen , wenn er mit seinem medisanten Witze sie raillirte ! Ach , aber der Geheimrath war ein Anderer , in kurzer Zeit schien er um Jahre älter geworden . Wohin war der elastische Schritt , die Jugendlichkeit , die er im Umgange affectirte ? Er ging bedächtig und gesenkten Hauptes . Er litt an fixen Ideen , sagte man . War es sein Stammbaum , dessen Wurzeln bis zur Schöpfung der Welt zurückwuchsen , was seinen Blick auf der Erde wurzeln ließ ? Man hielt es nur für eine momentane Phantasie des aufgeklärten Lebemannes ; er benutzte sie , um seinem Depit gegen die Verbindung seines Sohnes mit der Demoiselle Alltag einen scheinbaren Grund unterzulegen . Er litt , wer sollte es glauben , an einer andern Idee , die er zwar nicht deutlich aussprach , aber aus seinen hervorgestoßenen Reden erschien es , daß er an gewissen Tagen sich für vergiftet hielt , von wem anders , als der Lupinus ! Auf vernünftige Vorstellungen gab der vernünftige Mann zu , daß dies unmöglich sei , da er jede gesellige Berührung mit ihr vermieden hatte ; aber er nahm doch in jenen Tagen viele und starke Laxanzen . Er , der erklärte Gegner der Romantik und alles Mysticismus , las in Büchern , die man nicht auf seinem Tisch erwarten sollen , und an Aerzte , die sich jener Richtung näherten , stellte er die verblümte Frage , was sie von dem bösen Blick hielten , an den die südlichen Nationen glauben , und ob nicht eine physische Möglichkeit sei daß er der Gesundheit Anderer schaden könne ? Der Geheimrath Bovillard war bereits als malade imaginaire sprüchwörtlich . Sein Gönner , der Minister mit der aufrechten Haltung , hatte ihm seine Universalkur , Karlsbad , wiederholentlich empfohlen , der Geheimrath den Rath aber von der Hand gewiesen - für jetzt . Er fürchte , es werde ihm als Furcht ausgelegt , wenn er sich aus Preußen entferne , er sei ein Patriot , darum müsse er es zeigen . Darum zeigte er sich an öffentlichen Orten ; wenn auch nicht grade an dem , wo die Baronin ihm begegnete . » Ach , meine gnädige Frau , « sagte er , nachdem von seiner Seite weder eine freudige noch eine andere Ueberraschung stattgefunden , er brachte vielmehr die Worte mit einer Art innerem Gähnen heraus , indem er neben ihr herging . » Ach , meine gnädige Frau , die Moralisten sagen , Alles in der Welt ist eitel ; aber es ist nur die Wirkung aus der Ferne . Ich sehe in der Welt nicht ab , warum das eitel sein soll , was ich genieße , und es schmeckt mir . Eitel , das heißt , es verdirbt und vergeht , wird es nur durch die Einflüsse von außerhalb . Könnte Jeder seinem Penchant nachgehen , dann gäbe es keine Eitelkeit und keine Sünde , nur vergnügte Menschen . Sie lieben im Frühling die Veilchen , ich die Maibutter , wie schön duften sie am Morgen , wie aromatisch und frisch schmeckt sie zum Frühstück ! Da muß ein Weltkörper viele Millionen Meilen von uns entfernt , so einwirken , das das Veilchen am Abende welk ist , auch die Philosophie hilft dagegen nicht . Der böse Magnet , Dämon , was es sei in der Ferne , unsere Pfeile erreichen ihn nicht , und , was noch schlimmer , wir wissen gar nicht , wo unser Feind sitzt . So ist der Klügste nicht sicher , woher ' s ihn einmal überkommt , ob er auf dem Eis einbrechen , oder im Tanzsaal ein Bein brechen soll . Was ist der Krieg ? Die Soldaten bilden sich ein , sie trügen ihn , und sie bluteten für uns . Aber , contrair , sie haben das Vergnügen , und der Civilist hat die Leiden ; er muß zahlen und zahlen , Handel und Gewerbe stocken und wir müssen Spott , Uebermuth und Einquartierung ertragen , bis wir aus der Haut fahren . Ich will mich nicht um die