Hülfsarbeiter dieses Prozesses , zugetraut hat , ich hätte mir eigenmächtige Eingriffe in den Gang desselben erlauben wollen ... So ist es , Herr Referendar ... Man gibt mir vielleicht Schuld , ich hätte im Interesse des Staates , dem ich diene , gegen die Stadt Etwas unternehmen wollen ... Sie treffen das Richtige ! Aber Sie haben in den Papieren gelesen ? Geblättert ... Entdeckten Sie meinen Namen ? Wildungen ? Er ist seit dreihundert Jahren oft genug in diesem Prozesse genannt worden . Fanden Sie nicht Urkunden , die Ihnen auf den ersten Anblick zeigten , daß ich ein sehr begründetes , persönliches Recht für meine Familie an diesen Akten gefunden habe ? Daß ich ... nicht wüßte ... stammelte unentschlossen Schlurck . Nun , Herr Justizrath , ich hoffe Ihnen noch in Zukunft beweisen zu können , daß ich die entschiedenste Absicht hatte , nichts von meinen Entdeckungen zu unterschlagen , sondern sie zu einer ganz neuen Diversion der großen Streitfrage zwischen dem Fiskus und der Stadt-Kämmerei , zwischen dem Fürsten und den Bürgern , öffentlich zu benutzen ! Sie überraschen mich ... Ihr Mistrauen , das Mistrauen Ihrer Clienten hat Sie zu weit geführt . Sie haben geglaubt , noch mehr Eroberungen aus dem Archiv von Angerode bei mir anzutreffen - Allerdings ... Ich fehlte darin , daß ich wußte , Sie haben meinen Schrein gefunden und nicht gestern schon bei Ihnen vorsprach - Es erweckte Verdacht ... Nun wohlan ! So bitt ' ich jetzt um zwei Dinge . Erstens - Nehmen Sie doch Platz ! Regen Sie sich doch nicht so auf , mein Verehrtester ! Erstens : Die Diener der hier so sonderbar eiligen Hermandad haben sich ein Bild , ein mir und andern Personen sehr theures Bild angeeignet ... Das zum Angeroder Archiv gehörte ? Die Dummköpfe müssen Das geglaubt haben ... Oder Ihre Instruction war zu allgemein . Was ist das für ein Bild ? Ein Bild , das einer Person gehört , die Ihnen selbst sehr theuer sein sollte , dem Prinzen Egon von Hohenberg . Wie kommen Sie ... Ich brachte es von Hohenberg ... Ei ! ei ! Ein Bild ! Geheimrath von Harder wird das vermissen . Sie wissen doch , daß ihm die Verlassenschaft der Fürstin Amanda nach der Residenz zu führen aufgetragen war . Doch thut Das nichts . Die Familienportraits , wenn es eins derselben war , bin ich beauftragt , dem Prinzen zurückzustellen . Der Oberkommissär Pax , bei dem ich eben war , behauptet auch in der That , in dem Bilde eine Reclamation des Geheimraths von Harder entdeckt zu haben und schickte es Diesem zur Recognition ... Es ist der kürzeste Weg , es in meine Hand und dann in die des leider erkrankten Prinzen Egon von Hohenberg zu bringen . Aber Sie wissen nicht , daß sich an dieses Bild Geheimnisse knüpfen , die das Interesse der ganzen Hohenbergischen Familie betreffen . Sie sind der natürliche Anwalt dieser Interessen ... Sie überraschen mich ... Wenn eine unberufene Hand ... Geheimnisse ? Ein Bild ? Fürchten Sie doch nichts ! Alles ! Alles ! Auf dies Bild hat im Auftrage der seligen Fürstin Amanda nur Ein Mensch auf Erden die gerechtesten Ansprüche , der ehemalige Erzieher des Prinzen Egon , der frühere Pfarrer Rudhard ... Pfarrer Rudhard ? Ich kenne ihn . Ich weiß , daß er hier ist , mit der Fürstin Wäsämskoi ! Aber ich staune ... Der ? Welche Ansprüche ? Was ist damit ? O Gott ! Jede Minute der Verzögerung , jeder Augenblick , wo dies theure Bild in den Händen einer Pauline von Harder ist , kann die Quelle ewigen Leidens für den Prinzen Egon werden ... Ich zittere . Bester Freund , wie dank ' ich Ihnen ! Da soll eiligst - Aber geben Sie mir Aufklärung ! Rudhard soll sie Ihnen geben . Schicken Sie sogleich zu Herrn von Harder , fordern Sie alle Familienbilder zurück ! Sie wissen nicht , welcher unsägliche Aufwand von Schalkheit , List und Charakter angewandt wurde , um dahin zu gelangen , wo wir jetzt uns befinden , an der Gefahr , eingestehen zu müssen , daß Alles vergebens war ! So schick ' ich sogleich zum Geheimenrath ! Warten Sie einen Augenblick ! Schlurck schellte . Es kam ein Diener seines Bureaus . Er schrieb , während oben die drei Lauscher sich bedeutsam und hoffnungsvoll anlächelten , einige Zeilen an den Geheimenrath , siegelte sie , nachdem er sie Dankmarn hatte lesen lassen . Dieser war , eben so von der verlorenen Nacht , wie von den gewaltigen Eindrücken des Morgens , erschöpft und saß fast abgespannt im Sessel ... Schlurck wurde immer freundlicher und zuthunlicher . Seine Geistesgegenwart verließ ihn keinen Augenblick . Als der Diener sich entfernt hatte und Melanie durch die eingetretene Stille und die Erwähnung des Bildes , an dem sie so ernstlich betheiligt war , sich auf eine gemüthlichere und wärmere Wendung des Gespräches gefaßt machte , begann Schlurck : Und nun : Ihr gefälliges Zweitens ? Sie sprachen doch von - Zweitens , sagte Dankmar , ich wünschte nun zu wissen , wo ich den nur mir gehörenden , in der Wohnung meiner Eltern gefundenen Schrein mit dem Kreuze und seinem wichtigen Inhalte wiederfinde ? Wo ist er ? Ich muß ihn haben ... Der Justizrath machte hier eine große Pause . Deutlich hörte man , daß er auf die Dose klopfte und sich zu einem vertraulicheren Gespräche rüstete . Bello war still . Melanie , die Mutter und Bartusch hielten den Athem zurück . Lieber Herr Wildungen , sagte Schlurck , erholen Sie sich . Sie haben die Nacht durchwacht . Sie sind erschüttert von den Erlebnissen des Morgens . Ich gestehe , daß ich ungern dem Drängen meiner Clienten nachgab . Sie glauben nicht , wie reizbar über diese Angelegenheit die ganze Commune ist und wie leidenschaftlich sich einige der eifrigsten und hitzigsten Verfechter ihrer Interessen über die