Anfang wie früher , nur viel wilder und lauter . So ging es wohl eine Stunde ; als aber der Prediger auf der Kanzel eben Amen gesagt hatte , da gab es einen Knall , der die Kirche und alle Häuser im Dorf erschütterte , und als die Leute nach Hause stürzten , fanden sie die Stallbodentür weit auf die Straße geschleudert , Rotmützeken aber an einem Kreuzbalken erhängt . Sie begruben ihn in einer Ecke des Kirchhofs . Er hatte aber nicht Ruh im Grabe . Immer in der Sonntagsnacht nach Weihnachten erschien er auf dem Kirchhof und die Hirten , die damals ( wo im Sommer das Bruch unter Wasser stand ) oft noch um die Weihnachtszeit ihr Vieh auf die Weide trieben , sahen ihn dann , wie er auf dem bretternen Kirchhofszaun saß und mit dem Kopf schüttelte . Er war dürr wie ein Skelett , aber er trug immer noch die rote Mütze . Daran hatten sie auch erkannt , daß es kein andrer sein konnte als » Rotmützeken « . 8 Zum Oberbruch , auch das hohe Bruch genannt , gehörten schon damals folgende Ortschaften : Gusow , Kienitz , Platkow , Quappendorf , Quilitz ( jetzt Neu-Hardenberg ) , Rathstock , Sachsendorf , Tucheband . Manschnow , Gorgast , Golzow , Zechin , Werbig , Letschin , Genschmar , Langsow , Hathenow , Sietzing , Wuschewier , Friedland , Metzdorf , Cunersdorf , Bliesdorf , Ortwig , Neuendorf , Hackenow , Werder , Wollup ( berühmt durch Koppe , der es dreißig Jahre lang bewirtschaftete ) . Diese Ortschaften sind seitdem an Reichtum und Bedeutung gewachsen , aber ihre Zahl hat sich , ein paar Ausnahmen abgerechnet , im Gegensatz zum Niederbruche nicht erweitert . 9 Wie die Bewohner , so sind auch die Dörfer selbst in ihrer Erscheinung verschieden , doch ist es fraglich , ob sich diese Verschiedenartigkeit auf etwas Nationales zurückführen läßt . Vielleicht sind die Gründe nur lokaler Natur . Das Vorhandensein oder das Fehlen eines Wassers , anderer Zufälligkeiten zu geschweigen , mag solche Unterschiede geschaffen haben . Neu-Barnim ( Pfälzer-Dorf ) ist langgestreckt , und eine Baumanlage , die sich mitten durch die breite Dorfstraße zieht , teilt diese in drei Längsteile , in zwei Fahrwege , rechts und links , und ein Baumgang zwischen denselben . Neu-Trebbin ist ähnlich , wenn ich nicht irre . Neu-Lewin aber ( das mit Polen besetzte Dorf ) präsentiert sich malerischer . Die Dorfstraße entlang läuft ein Fließ , das auf seiner ganzen Länge von schräg oder auch terrassenförmig ansteigenden Gärten eingefaßt ist . Zwischen den Häusern und diesen Gärten zieht sich rechts und links der Fahrweg . Die Häuser selbst haben vielfach Lauben und Veranden , und der Fußwanderer , der hier an einem Sommerabend des Weges kommt und vor den Häusern das Singen hört , während die dunklen , schöngewachsenen Mädchen mit den klappernden Eimern zum Brunnen gehen , vergißt auf Augenblicke wohl , daß er das verspottete Sumpf- und Sandland der Mark Brandenburg durchreist . 10 Dieser Berg heißt der » Schloßgartenberg « und ist nicht mit dem » Schloßberg « zu verwechseln , der , halben Weges zwischen Freienwalde und Falkenberg gelegen , die Ruinen der alten Uchtenhagen-Burg auf seiner Kuppe trägt . 11 Zu einem solchen » erschließen « war auch in Freienwalde , wie überall im Lande , noch vollauf Gelegenheit gegeben . Denn der Sinn für die » schöne Landschaft « ist wie die Landschaftsmalerei von sehr modernem Datum . Namentlich in der Mark . Die eigentliche märkische Bevölkerung hat noch jetzt diesen Sinn beinah gar nicht , wovon sich jeder überzeugen kann , der an hübschgelegenen Orten einer Vergnügungspartie märkischer Stadt- und Dorfbewohner beiwohnt . Sie sind ganz bei ihrem Vergnügen , aber gar nicht bei der » Landschaft « , der sie in der Regel den Rücken zukehren . Der Berliner » Sommerwohner « ist nicht deshalb so bescheiden in seinen Ansprüchen , weil ihm die märkische Natur nichts bietet , sondern weil es ihm schließlich gar nicht darauf ankommt , ob die Sache so oder so ist . 12 Ist dieser Bericht zuverlässig , und es liegt kein Grund vor , dies zu bezweifeln , so wirft der hier erzählte Vorgang ein interessantes und mancherlei erklärendes Licht auf die beinahe gleichzeitigen Vorkommnisse in Berlin . 1706 stürzte am Schloß der von Schlüter erbaute Münzturm ein und von da ab begann die siegreiche Kabale seiner Gegner . Das Verfahren gegen Schlüter ist immer als hart und ungerecht verurteilt worden . Bringt man nun aber andererseits in Anschlag , daß fast unmittelbar darauf , im Sommer 1707 , das » Münzturm-Malheur « sich in Freienwalde wiederholte , so erscheint das harte Verfahren gegen Schlüter um vieles verzeihlicher . Die Kabale bleibt verwerflich , aber der König urteilte nach dem Augenschein . ( Neue Arbeiten Professor Adlers haben aus den damaligen Berliner Bauakten ohnehin dargetan , daß Schlüter , bei all seiner Größe und Genialität , doch keineswegs schuldlos war und daß er in allem , was konstruktive Kenntnis angeht , hinter seinem , ihm sonst in keiner Weise ebenbürtigen Rivalen Eosander von Goethe zurückblieb . ) 13 Das Schloß Neuenhagen jenseits der Oder ist verhältnismäßig wohl erhalten bis auf den heutigen Tag . Es wird noch bewohnt und bietet , wie wir nicht zweifeln , einen besseren Aufenthalt als mancher moderne Bau . Die alten Uchtenhagen-Räume dienen den verschiedensten ökonomischen Zwecken : das Burgverlies ist ein Wirtschaftskeller , die große Halle eine Waschküche geworden . Ein anderes Zimmer ( man verzeihe diesen Exkurs ) , drin ein schwedischer Oberst in der Nach-Uchtenhagenschen Zeit den Amtmann von Neuenhagen über Strohfeuer rösten ließ , um die verborgenen Schätze zu erkunden , diente , dieser Reminiszenzen unerachtet , noch vor kurzem als Schlafzimmer . Ich hätte mir ein anderes gewählt . Was aber besser als alles andere erhalten ist und mehr als alles andere interessiert , das ist ein gewölbter Raum : jetzt Amtsstube ,