glühend mußte dies Mädchen lieben können ! Wie selig mußte der sein , dem sie bereitwillig ihre Arme öffnete , den sie heiß an die Brust drückte ! - Und es lebte Jemand , dem ein weicher , duftiger Nachtwind die Früchte neckend zuwarf , nach denen er sich mühsam emporstreckte . Ja , das fühlte er , und dabei drückte er krampfhaft seine Hände zusammen , knirschte mit den Zähnen und war unsäglich unglücklich . Am Tage ließ es ihm bei seinen Arbeiten keine Ruhe , Nachts schreckte es ihn aus seinen Träumen auf ; ihm ahnte wohl , daß in seinem Hause irgend Jemand ungehindert aus- und einging , aber es war wie ein Gespenst , unsichtbar , nicht zu fassen . Zuweilen glaubte er eine Thüre knarren zu hören , ja ein leises Gelächter zu vernehmen , aber wenn er angstvoll emporlauschte , so war alles wieder still , und einzig und allein machte sich der Wind bemerkbar , der durch den Schornstein heulte . Vergebens hatte er dem Bruder geschmeichelt ; entweder wußte dieser nichts von dem Treiben der Schwester , oder war er schlau genug , nichts zu verrathen . Wenigstens halfen weder Geschenke noch Versprechungen bei ihm . Herr Blaffer hätte das Mädchen fortschicken können , aber dazu fehlte ihm die Kraft : er konnte nicht ohne sie leben . Endlich , nach langem Nachsinnen entschloß er sich , seine Buchhandlung um eine runde Summe zu verkaufen , mit Marie die Stadt zu verlassen und irgendwo an einem stillen Orte mit ihr zu leben . Er hätte sie alsdann geheirathet , wenn sie gewollt ; doch hatte sie schon einige Mal seine Hand ausgeschlagen , und das war es , was ihm den ersten Argwohn gegen sie eingeflößt hatte . Herr Blaffer aber hoffte von der Zukunft , und da ihm mit einem Male in Betreff seiner Buchhandlung gute Anträge gemacht wurden , so nahm er sie an , bedingte baare Zahlung und verlangte von dem neuen Eigenthümer , er solle für sehr geringen Gehalt einen Gehilfen annehmen , den ihm Herr Blaffer empfehlen werde . Auf solche Weise hoffte er sich Augusts zu entledigen . Um die Unterhandlungen zu beschleunigen und den Verkauf abzuschließen , hatte der Prinzipal das Haus verlassen und August befand sich allein auf dem Comptoir . Er saß an seinem Pulte und machte sich das unschuldige Vergnügen , einzelne Buchstaben einer Buchhändler-Zeitung , welche vor ihm lag , gehörig mit Speichel zu durchnässen und dann nach einem starken Druck mit dem Daumen wegzunehmen . Diese klebte er alsdann an einer andern unpassenden Stelle wieder auf und brachte so die sonderbarsten Worte zu Tage - ein Spiel , welches ihm Herr Blaffer oft verwiesen , denn der Prinzipal stutzte jedesmal und ärgerte sich , wenn er eine so präparate Zeitung in die Hand bekam und nun selbst gezwungen war , alle möglichen Confusionen abzulesen . August hatte eben den Satz , der Buchhandel sei ungewöhnlich flau , in einem Aufsatz aus der Feder des Herrn Blaffer dahin abgeändert , daß der Buchhandel ungewöhnlich faul sei , als es an der Thüre klopfte . Er rief sehr laut und deutlich : Herein ! - Die Schüchternheit , mit der er das früher gethan , hatte er sich schon lange abgewöhnt . Es trat ein Mann in das Zimmer , den der Lehrling noch nie gesehen - eine große , stämmige Gestalt mit einem breiten , etwas aufgeschwollenen Gesichte , welches durch freundliches Lächeln gutmüthig aussehen sollte , eigentlich aber schlau und energisch erschien ; dichtes röthliches , empor gestrichenes Haar bedeckte seinen Kopf . Der Eingetretene war einfach aber anständig gekleidet ; er hatte einen dunkeln Ueberrock an , einen runden Hut auf dem Kopfe und einen gewichtigen Stock in der Hand . - » Verzeihen Sie , « sagte er , » wenn ich Sie in Ihren Arbeiten störe , aber ich möchte gern mit dem Gehilfen des Herrn Blaffer einige Worte im Geheimen sprechen . « August schwang sich von dem Comptoirstuhle herab und stellte sich als erster Gehilfe der Handlung vor . » Das ist wohl möglich und Sie sehen allerdings so aus , « meinte der Fremde , » aber da mein Auftrag an eben diesen Gehilfen von besonderer Wichtigkeit ist , so verzeihen Sie mir , daß ich mich vorher überzeuge , ob Sie auch der rechte sind . « » Wenn das beliebt , « entgegnete August einigermaßen gekränkt , » so müssen Sie warten , bis Herr Blaffer nach Hause kommt , damit er Bürgschaft für mich stellt . - Im Uebrigen , « setzte er etwas hochmüthig hinzu , » habe ich Sie ja gar nicht gerufen und ich bin auch nicht zu Ihnen gekommen , sondern Sie zu mir . « » Na , na , « machte lächelnd der Fremde , » wir können uns leicht verständigen . Bitte , seien Sie so gütig und nennen Sie mir den Namen des besten Freundes , den Sie je gehabt . « Der Lehrling schaute den Andern verwundert an , doch erinnerte er sich augenblicklich seines ehemaligen Vorgesetzten und rief mit Lebhaftigkeit : » Ach ! mein einziger und bester Freund ist Herr Beil . Bringen Sie mir Nachricht von ihm ? « » Herr Beil ; - ganz recht ! « erwiderte der Fremde . » Direkte Nachrichten bringe ich gerade nicht . « » Und wo ist Herr Beil ? Ist er in der Stadt ? - Gewiß nicht , denn sonst hätte er mich aufgesucht . « » Daran zweifle ich auch nicht , « sagte der Andere , » und deßhalb ist Ihre Vermuthung die richtige ; Herr Beil ist nicht in der Stadt , aber er läßt Sie durch mich freundlich grüßen . « » Wie mich das freut ! « rief August . » In der That , recht sehr freut es mich . Ach ! mein lieber Herr Beil ! Es geht ihm hoffentlich gut ?