Neuem an ; aber es war nur Charlotte . Der Wachtmeister hatte seine Handschuh angezogen , den Pallasch in die rechte Lage gebracht und sich grad aufgerichtet : » Demoiselle Charlotte , wozu hilft das Greinen ! Sie müssen bedenken , der Soldat ist Soldat . Ist ' s nicht so , so ist ' s so . Sterben müssen wir Alle , und wenn ' s uns noch so gefällt in einem Quartier , einmal ziehen wir raus . Drum sagt unser Obristwachtmeister : Kerle , Ihr müsst denken , daß Andere nach Euch kommen , die wollen auch was finden . Und warum nicht ! Sie sind ja auch Menschen . Und so ist das ganze Leben , sagt er , wir ziehen aus einem Quartier ins andere . Und wem ' s sein letztes war , das weiß Keiner nicht , denn ' s kommt auf einmal , auf den Plutz . Da steht der Tod vor ihm roth und blaß auf der Mauer und kräht ihn an , und eh es ausgekräht « - Charlotte schrie auf . Es krähte ihn ja an . Auf der Hecke stand ein Kalekuter , seine rothen Lappen von der Sonne beschienen , seine Augen funkelnd vor Angst oder Zorn . Und eine Pute flog auch über die Hecke und ihr gar in die Arme . Aber auch die Trainknechte flogen den Gang herauf , schreiend , fluchend , die bösen Trainknechte , mit so zornfunkelnden Augen als der Hahn . Charlotte hatte sich wirklich die Pute nicht aneignen wollen , die sie unwillkürlich an ihr liebebedürftiges Herz gedrückt . Charlotte war selten um eine Antwort verlegen , aber kaum , daß sie über die Lippen war , musste sie es mit eignen Ohren hören , daß der Knecht sie anschrie : » Selbst Pute , sie ! « und mit eignen Augen musste sie es sehen , daß der Wachtmeister , statt ihr beizuspringen , mit nach dem Kalekuter haschte . » Es sind ja Excellenz Möllendorfs eigene Truthühner ! « rief ein Anderer , um sie zu Respekt und Raison zu bringen . Der Puter und die Pute waren längst fort , denn als Charlotte die Arme öffnete , hatte die letztere es vorgezogen , einen Satz in die Luft zu machen , als in die Arme des Knechts zu fliegen . » Bestien ihr , wartet ! « war das letzte Wort , das sie hörte , und leider war ihr die Stimme sehr bekannt . Das wilde Heer war verschwunden , und das war der letzte Abschied von ihrem Wachtmeister . Die Frau Hoflackir , die herbeikam , fand Charlotten in Thränen . Der Herr Hoflackir , der seiner Gemahlin die beiden jüngsten Kinder auf den Armen nachtrug , derweil das Aelteste an seinem Rockschooß ging , fragte , warum die Cousine weine . - » Das frägt er noch ! « sagte die Frau Hoflackir . - » Es frägt sich vieles , « sprach Charlotte mit einem Blick gen Himmel . » Ach , lieber Cousin , die Militärs in Ehren , aber ihnen geht doch das ab , was ein empfindungsvolles Gemüth bedarf , wenn es sich über das Gemeine des irdischen Daseins erheben soll . Die Montur und die Uniform sind etwas sehr Schönes für König und Vaterland , aber mehr Gefühle für Frauenwürde findet man doch beim Civil - selbst bei meinem lieben Geheimrath . « Und daß Puter und Pute , dieselben , noch ein zärtliches Paar aufschrecken , noch einen Abschied stören mussten ! Den Obristwachtmeister Stier von Dohleneck und die Baronin Eitelbach , die in der einfachen Allee am Rande des Gartens promenirten . Es war die süße Verständigung nach so langen , langen Zweifeln . » Und nun grade uns trennen müssen ! « Seltsam ! war es doch hier das Widerspiel der anderen Abschiedsscene . Er schien der Geknickte und strich über die Augenwimpern . Thränen waren es nicht , aber ein Jucken und Drängen an den Augen , als fürchte er sich vor ihnen . » Wissen Sie , mir ist ' s manchmal , als wären wir Alle nur da , um uns zu trennen , « sprach die Baronin und sah in den blauen Himmel . » Und wir lebten nur , damit wir uns darauf vorbereiteten . « Er blickte sie verwundert an . » Die zu einander gehörten , müssten sich ihr Leben lang suchen , und wenn sie sich gefunden haben , wäre es nur , um von einander Abschied zu nehmen . Da geht Mamsell Alltag mit ihrem Vater in den Salon . Das ist doch ein kreuzbraves , schönes und gescheites Mädchen . Was hat die ausstehen und sich versuchen müssen , darüber ist doch nun alle Welt im Klaren , und nun ' s ihr endlich gut geht , und die schlechten Zungen schweigen müssen , und die Königin sich ihrer angenommen hat , und sie Den nun endlich heirathen soll , den sie von ganzem Herzen lieb hat da - da muß er den Tag vor der Hochzeit spornstreichs auf und davon . « - » Nur auf einer dringenden Mission vom Könige . Er wird wiederkommen . « - » Wenn sie ihn nun als Spion hängen ! « Der Obristwachtmeister sah sie noch verwunderter an . Welche Lichter zückten plötzlich durch diese Seele ! » Alles kommt anders , als wir ' s uns gedacht , « fuhr die Baronin fort , » und es ist überall so . Die arme unglückliche schreckliche Geheimräthin ! Ich mag ' s noch immer nicht glauben , daß sie so schlimm ist , aber wenn sie ihn liebte und heirathen wollte , und es darum gethan hat , nun ist sie auch auf immer von ihm getrennt . « - » Von wem ? « - » Vom Legationsrath . A propos , der ist Ihr aufrichtiger Freund , Dohleneck , Sie mögen es nun glauben oder