, gleichsam im Selbstgespräche , hinzugefügt : Und doch war seiner Mutter Blut dem seines Vaters nicht an Reinheit gleich . Als Renatus sie darauf fragend angesehen , hatte sie sich in ihren Mittheilungen plötzlich unterbrochen und nur flüchtig die Bemerkung hingeworfen , daß es sich dabei um ein sehr romantisches Ereigniß handle , von welchem man nicht eben spreche , obschon es dem alten Fürsten eigentlich zur höchsten Ehre angerechnet werden müsse , wie der König dies denn auch durch sein Verhalten gegen den Vater und den Sohn gethan habe . Und es war danach der Einbildungskraft des jungen Freiherrn vorläufig noch überlassen geblieben , unter welcher Gestalt er sich die romantischen Erlebnisse des alten Fürsten vorstellen mochte und konnte . Nach einigen Tagen aber kam die Herzogin , als sich am Abende ihre gewohnten Gäste bereits entfernt hatten , unter dem Vorgeben , daß sie Renatus recht bald und recht schnell unter ihren Umgangsgenossen bekannt zu machen wünsche , abermals auf den Fürsten und seinen Sohn zurück , und bei diesem Anlasse erfuhr Renatus , was die Herzogin ihm am ersten Morgen nur anzudeuten für gut befunden hatte . Der alte Fürst von Chimay , so erzählte die Herzogin , war in seiner Jugend ohne alle Frage der schönste Mann , der vollendetste Cavalier des Hofes , und wir lebten damals noch in einer Zeit , in welcher man es einem Manne weit mehr als jetzt zum Verdienste anzurechnen verstand , wenn er der Welt in sich selbst ein vollkommenes Bild edelmännischer oder fürstlicher Würdigkeit darzubieten wußte . Er hatte in früher Jugend bedeutende Reisen gemacht , überall war ihm der ehrenvollste Empfang zu Theil geworden , der Ruf seines Geistes und seiner Liebenswürdigkeit stand über jeden Zweifel fest , die Gunst der Frauen kam ihm bereitwillig entgegen ; aber der Fürst war nicht nur schön wie ein Adonis , er war auch spröde wie ein solcher , und das Gerücht , das ihn unbesieglich nannte , steigerte nur das Verlangen der Frauen , ihn zu überwinden und zu fesseln . Die Herzogin lehnte sich , in ihrer Erzählung innehaltend , in ihren Polsterstuhl zurück . Es ist die alte Eva-Natur , sagte sie lächelnd , alles , was ihnen versagt ist , was sich ihnen entzieht , das reizt die Frauen . Machen Sie sich daraus Ihren Schluß , mein junger Freund ; und sich langsam mit einem der kleinen dunkelrothen Fächer , deren Renatus sich noch aus seiner Kindheit zu erinnern meinte , Kühlung zuwehend , fuhr sie nach einer kurzen Pause also in ihrer Erzählung fort : Ich lebte damals fern vom Hofe , an meines verehrten Gatten Seite , in unserem Schlosse . Wir sahen den Fürsten , der uns sehr befreundet war , immer nur für einzelne Wochen und in Zwischenräumen bei uns , da die Gesellschaft des Hofes ihn uns streitig machte . Es war oftmals von seiner Verheirathung die Rede gewesen , öfter noch von Herzensverhältnissen , in die er verstrickt sein sollte ; aber alle diese Gerüchte erwiesen sich stets als unbegründet , und man gewöhnte sich bereits daran , den Fürsten als einen Weiberfeind zu betrachten , als sich ganz unerwartet und zum höchsten Erstaunen aller Welt die Nachricht verbreitete , der Fürst habe sich mit einem jungen , im Kloster erzogenen , einer geringen und armen Adelsfamilie angehörenden Mädchen verehelicht , das ihm einen Sohn geboren habe , und sei , da die junge Mutter von einem unheilbaren Brustleiden ergriffen worden , zu ihrer Erhaltung mit Frau und Sohn in ' s Ausland , in den Süden , ich meine , nach Sicilien , gegangen . Die Kunde setzte den Hof , die Stadt , den ganzen Adel des Landes in Bewegung . Niemand wollte es glauben , Niemand hatte dem Fürsten eine so phantastische Leidenschaft zugetraut , Niemand es für möglich gehalten , daß eben der Fürst von Chimay es vergessen könne , was er sich selber schuldig sei . Man fragte sich : Wer ist die Zauberin , die den bisher Unbesiegten nicht nur zu besiegen , sondern sich selber abwendig zu machen verstanden hat ? Man forschte nach ihrem Namen , man war begierig , sie zu sehen , man glaubte an jedem Tage , irgend eine Lösung dieses Räthsels zu erhalten , die wo möglich noch geheimnißvoller und auffallender als das Ereigniß selber sein sollte ; indeß man erfuhr nichts , gar nichts über den Gegenstand dieser unbegreiflichen Leidenschaft . Der Fürst kehrte denn auch nicht , wie man es doch erwartet hatte , mit der schönen Jahreszeit nach Frankreich und an den Hof zurück ; er legte vielmehr das Amt eines Kammerherrn , das er bekleidet hatte , nieder , und alles , was man ermitteln konnte , war , daß die Trauung in der kleinen Kirche des Klosters vollzogen worden war , in welchem die Braut bis dahin gelebt hatte , und daß sie an ihrem Hochzeitstage eben so schön als krank ausgesehen habe . Ich befand mich im Auslande , auf einer Badereise , als dieser Roman die Gesellschaft in Aufruhr setzte , und alle Briefe , welche ich erhielt , sprachen mir nur von unserem Freunde . Indeß er selber gab mir keine Kunde von sich , und nachdem man des Verwunderns von allen Seiten müde geworden war , fingen die Einen den Prinzen zu vergessen , die Andern auf ihn zu verzichten an . Man sagte sich , daß er wiederkehren und seine alte Stelle unter uns einnehmen werde , wenn er seiner romanhaften Grille genug gethan habe oder wenn die fabelhafte Prinzessin gestorben sein würde . Aber als handele es sich wirklich um ein Märchen , so geschahen auch hier jetzt Wunder , und zwar gerade diejenigen , welche man am wenigsten erwartet hatte . Die Herzogin unterbrach sich abermals , und Renatus , den die Thatsachen dieser Erzählung eben so anzogen , als ihn die meisterhafte Weise fesselte , in welcher die Greisin sie berichtete , bemerkte