es , wenn der erste Sonnenstrahl dies Gemach erhellt . « Sie antwortete nicht . » Nimm diesen Ring , Mädchen , « sagte er , indem er einen einfachen Granatreif von seinem Finger zog und an den ihren steckte , » er ist ein Geschenk meiner Schwester und mir lieb . Ich möchte , daß , wenn ich fern von Dir bin , Du Dich meiner erinnern mögest , wie ich es thun werde . « Er fühlte , wie sie die Hand emporhob und den Ring an ihre Lippen drückte , und zog sie an seine Brust . Lange vorher , ehe das erste Morgengrauen durch die Jalousieen des Gemaches schimmerte , lag er in tiefem festen Schlaf . Als der Ruf des Kiradschia ihn später aus wilden aber süßen Träumen weckte , streckte sein Arm sich vergeblich nach der Gefährtin der wonnigen Nacht aus - sein Lager - das Gemach waren leer . Er sprang empor - sollte denn Alles ein Traum gewesen sein ? Unmöglich - er war in Madara - dort auf den Kissen noch der Eindruck des Hauptes der seltsamen Geliebten , - er kannte jetzt die Rechte der Republik , er wußte , daß eine Frau bei ihm gewesen . Die Mahnung des Kiradschia hieß ihn sich beeilen . Er rief nach Nursah , seinem Diener , aber erst auf wiederholten Ruf erschien dieser , und es war , als scheute sich der sonst so zutrauliche , auf jeden Wink merkende Knabe vor seinem Herrn . Bald saßen sie auf ; Capitain Depuis mit seinem Diener kam von dem Hause her , in dem er die Nacht zugebracht . Sein Aussehen war erschlafft , matt und zeugte von den Schwelgereien der Nacht ; sein Faunenblick traf den deutschen Arzt und jagte diesem das Blut in das Männerangesicht . Aber man hatte wenig Zeit zur Verständigung - der Kiradschia drängte zur Abreise , denn sie mußten am nächsten Tage Schumla zu erreichen suchen , und aus den Hütten und Häusern des seltsamen Dorfes strömten bereits wieder die heiteren Bewohnerinnen zusammen und umgaben mit jubelndem Morgengruß die Reisenden . Vergeblich schaute der Arzt nach irgend einem Erkennungszeichen seines nächtlichen Besuches sich in der Menge um , überall schöne , heitere , neckende Gesichter , aber nirgends ein seiner Frage begegnender Ausdruck , nirgends ein Bild , das zu dem seiner aufgeregten Phantasie paßte . Zu fragen scheute er sich , denn er fürchtete den Spott des Offiziers und des Kiradschia ' s , und so mußte er denn mit ungestillter Neugier sich ihnen zur Abreise anschließen . Ein ähnlicher Zug wie der , welcher sie empfangen , geleitete sie bis zum Ausgang des Thales , wo das Gebiet des seltsamen Weiberstaates endete und die Reisenden schieden hier , nachdem sie die Begleitung nach ihren Mitteln reichlich beschenkt hatten . Die Frauen schossen wiederum ihre Pistolen und Flinten in die Luft und jagten davon . » Nun , Doctor , « sagte lustig der Capitain , als sie einen Augenblick auf der Höhe des Bergpasses hielten und zurückschauten auf das ferne Thal , » was denken Sie von unserm Abenteuer und wie haben Ihnen die Gebräuche der höchst ehren- und achtungswerthen Republik gefallen ? Der Teufel soll mich holen , wenn ich nicht , aller Censur zum Trotz , eine verlockende Beschreibung in den Moniteur einrücken lasse . Ich bin überzeugt , die Sitte findet in Frankreich Nachahmung . « » Gut für Ihre orientalischen Hilfstruppen , Capitain , daß es nur ein Madara in der Türkei giebt . Sie könnte sonst ihr Capua finden , nach Ihrer eigenen Miene zu urtheilen . « » Pah - es sind wahre Teufelsweiber , eine pariser Grisette ist eine Vestalin dagegen . Aber sorgen Sie nicht , Doctor , unsere Soldaten werden aus den wohlverbarrikadirten Harems unserer werthen Bundesgenossen Madara ' s genug zu machen verstehen , trotz aller Tagesbefehle des Marschalls . Tausend Donnerwetter , ich denke mir ein Regiment unserer Jäger oder der Zuaven in unser eben verlassenes Nachtquartier einmarschiren . He , Monsieur Kiradschia , alter Sünder - wie ist ' s Euch ergangen in dieser Nacht ? « » Hast Du Etwas erfahren in Betreff des Auftrags Deines Freundes , des Janitscharen-Baschi ' s ? « fügte der Arzt hinzu . » Wenig genug , Signoris , « sagte der Führer , » und dennoch hat uns das Gerücht nicht getäuscht . Das alte Weib von dem wir hörten , daß es in Madara gestorben , muß in der That das verrätherische Weib Melek Ibrahim ' s , meines Freundes , gewesen sein . Sie war seit länger als zwanzig Jahren in Madara und muß mich oft dort gesehen haben , wenn ich sie auch nicht wieder erkannte ; denn der Oda-Baschi hielt streng auf das Geheimniß seines Haremliks und ich habe sein Weib nur in dichtem Schleier geschaut . « » Woher schließest Du dies Alles ? « » Höre weiter , Signor . Das Weib hatte einen bösen Ruf , selbst in Madara , und war zänkisch und boshaft . Die jungen Frauen fürchteten sie wie den Teufel . Sie war schwer erkrankt und mochte ihr Ende fühlen , obschon sie zwanzig Jahre weniger zählt , als der Jenethtschjeri , ihr Gatte . Ich weiß nicht , ob sie je erfahren hat , daß er gerettet wurde aus dem Gemetzel zu Constantinopel , aber ich vermuthe es jetzt , daß sie Kunde bekommen von unseren späteren Nachforschungen und deshalb sich nach Madara geflüchtet hat . Als der Tod ihr auf der Zunge saß , hat sie einen Schreiber aus der Nachbarschaft kommen und ihn einen Brief schreiben lassen . Diesen und ein Paket hat sie den Aeltesten des Dorfes übergeben , die sie mir aushändigen sollten , wenn ich wieder nach Madara käme . Also ist es geschehen . « » Zum Donner ! die Sache wird ja ordentlich romantisch . Und was enthält der Brief , Freund Kiradschia ? « »