in gefälligen Wahnsinn versinken wir - und - hören - auf - zu - sein ! « Ringsum alles still . Auch im Hofe . Die Lichter erloschen ... Am spätesten erlosch das Licht an den Fenstern , wo Lucinde wohnte . 9. » Nein , es ist ein S - köndöl ! Nicht möl eine Löterne ist eingeschlögen ! « Diese am folgenden Morgen von Herrn Jean Baptist Maria Schnuphase in der Nück ' schen » Schreibstube « gesprochenen Worte ließen eine zwiefache Deutung zu - je nachdem ... Entweder konnten sie sagen : Alle Truppen waren auf den Beinen , um eine einfache harmlose Schlägerei zwischen dem katholischen und evangelischen Handwerkerverein zu verhindern ! Oder : Man hat auf einige , die nicht weichen wollten , doch nur blind gefeuert und keiner wagte auch nur den geringsten Widerstand ! Wie sehr aber statt des ungleichen Kampfes der Faust der Geist des » Treppenwitzes « im Vortheil war , ersah Schnuphase aus den wenigen Worten , die Nück nur mit ihm wechseln konnte . Nück ersuchte ihn , heute und morgen zu jeder Stunde einen Wagen und zwei tüchtige Pferde , die etwas aushalten konnten , in Bereitschaft zu halten , um eine noch nicht näher bezeichnete Person , am Tage oder bei Nacht und Nebel , aufzunehmen und sie an einen gleichfalls erst näher zu bestimmenden Ort zu überführen ... Diese bedeutungsvollen , Herrn Jean Maria in » Extöse « versetzenden Worte - er frühstückte bei solcher Stimmung schon um zehn Uhr auf dem » Höhnenkömp « - waren heute das ganze Zwiegespräch zwischen den Gesinnungsgenossen . Selbst den leisen Einwand , den Herr Maria machte , morgen Abend reise Domherr von Asselyn nach Witoborn und es zieme sich eine » Demönströtion « , bei der er nicht fehlen dürfte - schnitt Nück ab . Denn schon ging und kam es wieder um ihn her und rauschte und flüsterte und lachte und seufzte ... Wieder waren römische Breven angekommen , die den Verwesern des Kirchenstuhls sagten : Wir haben euch zwar gestattet , die heiligen Handlungen zu vollziehen , haben aber auch gehört , daß ihr eure Administration in einer Weise führt , die für euern ruhmwürdigen gefangenen Oberhirten im höchsten Grade beleidigend ist ! Schon waren die Cabinete der Fürsten gespalten . Eine geheime Deputation der Fanatischen wurde vorbereitet an den damaligen Lenker der europäischen Geschicke an der Donau . Ein geheimer Congreß hatte auf dem Stift Neuburg bei Heidelberg die Abgeordneten aller Kirchenhäupter des vaterländischen Südens zu gemeinschaftlicher Berathung vereinigt . Der Norden bereitete sich zu einer Versammlung in der Nähe Witoborns vor . Die Väter der Gesellschaft Jesu kamen näher und näher , in mancherlei Trachten und Gestalten . Andere wieder begaben sich von hier zu ihnen , Kinder sogar , junge Leute , die Michahelles hatte erziehen lassen für die Weiterbildung in Lüttich ... So war auch Tönneschen Hilgers neulich , der Schifferknabe von der Insel Lindenwerth , zu den Jesuiten expedirt worden ... Nück hatte so viel zu thun , daß er nur in dringenden Geschäften zu sprechen war , eine Dame , wie er sagen ließ , ausgenommen , die Gesellschafterin seiner Schwiegermutter , Fräulein Lucinde . Eine hohe weibliche Gestalt sah man dann in den ersten Frühstunden in die Rumpelgasse eintreten . Sie war blau verschleiert , in einem schottisch carrirten Mantel ; ein Pelzmuff bedeckte die Hände ... Gegen Morgen hatte das Wetter plötzlich umgeschlagen und war kalt geworden . Einer der kleinen Kanäle der Stadt war sogar mit einer dünnen Eisdecke überzogen . Eine dichte Menschenmenge stand , um ein Wunder zu sehen . Auf dieser Eisdecke hatte sich eine Figur gebildet , die man allenfalls - für ein Kreuz nehmen konnte . Durch diesen Anlaß zu neuer Aufregung hindurch , betrat Lucinde das enge Stadtviertel , wo der Frost unter den Tritten der Fußgänger schon wieder aufgeweicht war und es wie immer werkeltägig aussah , obgleich die Juden Sabbat hielten ... Lucinde kannte durch Treudchen alles , was Löb Seligmann über Veilchen Igelsheimer erzählt hatte ... Freilich die Bildungsquelle , die ihr bei diesem Mädchen nach des entzückten Löb Versicherung hätte fließen dürfen , hatte Treudchen nicht benutzt ; sie hatte eine hochgebildete Freundin näher , vorzugsweise aber auch Nonnen und einen Geistlichen , die sich mit Vorliebe und langsamer Schulung ihrer Seele annahmen ... Aber Lucinde hatte darum doch alles erfahren , was Veilchen betraf . Sie wußte die Liebe derselben zu jenem Leo Perl , der Lucinden selbst von der Hasen-Jette als ein weiland Michel Angelo ' scher Moses dargestellt worden war ; sie kannte den Antheil , den an dem Uebertritt desselben der Dechant und , wie sie aus den gegebenen Andeutungen nicht bezweifeln konnte , sogar der Kronsyndikus hatte ; sie kannte ihre jetzige Thätigkeit in dem antiquarischen und carnevalistischen Geschäft ihres Verwandten , eines zweiten Bruders der Hasen-Jette , ihre Kenntniß von alten Münzen ; sie wußte , daß sie es war , die jene Ahasverusscherze trieb mit römischen Kaisernasen , die in Gänsemägen den Rost der Jahrhunderte ansetzten . Endlich wußte sie , daß Klingsohr durch die Zutraulichkeit Veilchen ' s gewagt hatte , hier sein Ordenskleid abzulegen ... Der Verräther des Mönchs war der von Angst und dem künstlichen Schein der Unbefangenheit nächtlich umgetriebene Jodocus Hammaker gewesen . Von Serlo ' s Kindern und ihrer Mutter hatte sie nur einmal einen Brief , die Bitte um Geld erhalten , dann nichts wieder von ihnen vernommen , weder Empfangsanzeige , noch , » wie sich von selbst verstand « , Dank ... Alle diese Eindrücke sammelnd und in sich zurecht legend , von der Erinnerung an den gestrigen Abend umschlungen wie mit glühend ehernen Armen , aufathmend nach Hülfe über die schon im Dom bei der Messe vernommene Kunde , daß Bonaventura morgen Abend reise , nach Witoborn reise , wohin die mögliche Rückkehr auch Klingsohr ' s ihre Pein vermehrte , voll Entschlossenheit , bis zum morgenden Tag es über ihr