Kiradschia war in sein Haus gegangen , - zwei Mädchen im Arm , das Kind eines Pascha ' s und das junge entwichene Weib eines alten Griechen , jubelte der Capitain und brüllte französische Opernarien und lockere Grisettenlieder , - stiller und stiller wurde es auf dem weiten Platz , - auf die ausgebreiteten Teppiche , in ihre Decken und Schleier gehüllt , lagerten die süßen Amazonen von Madara , oder legten ihr Haupt in den Gemächern und den Tschardaks auf weichen Polstern oder dem harten Holze zur Ruhe - stiller und stiller wurde es ringsum - nur einzelne verhüllte Gestalten nahten in der duftigen , warmen , üppigen Mailuft den vier Häuschen , die den Fremden zur Wohnung angewiesen waren . O , Madara , süßes phantastisches Madara , poetische Oase im Schmuz des Orients ! Lange schon hatte der Deutsche sich in sein Gemach zurückgezogen und ausgekleidet auf die weichen Kissen geworfen , die sein Lager bildeten . Er hatte es kaum bemerkt , wie sorgfältig die Jalousieen geschlossen waren , wie tiefes Dunkel rings um ihn herrschte , als er die Lampe ausgelöscht . Er wußte , was folgen würde , er kannte jetzt die Gesetze und Gebräuche der seltsamen Republik und er war kein prüder , engherziger Tugendprahler , der sich den Sitten und Gebräuchen des Landes entzog . Durch seine Adern rollte feurig und kräftig das unverdorbene Blut , die Phantasie malte ihm süße köstliche Bilder des Naturgenusses und vor ihm gaukelten die dunkeln , feurigen , mandelförmigen Augen , die schmachtend in die seinen gesehen , die Reize , die zum ersten Male ihm unverhüllt erschienen waren . Leise Schritte schlürften heran , ein Flüstern vor der Thür ward laut , dann hörte er , wie der Besuch die klappernden Pantoffeln als Zeichen der Anwesenheit vor der Thür stehen ließ und hereinschlüpfte in das mysterienvolle Gemach . Die Thür ward verschlossen , alles dichte Finsterniß , dichtes Geheimniß ringsum . Ein betäubender Rosenduft erfüllte die Luft des Gemachs - ihm war , als hörte er das wogende Athmen eines Busens , den leisen sehnsüchtigen und dennoch ängstlichen Seufzer , der über halbgeöffnete Lippen quoll . Er hatte sich halb aufgerichtet auf dem Lager - seine Pulse wogten fieberisch ! Sein halb erstickter Ruf verkündete seine Erregung , - im nächsten Augenblick warf sich ein voller , weicher , warmer , üppiger Körper an seine Brust , zärtliche Arme umfingen ihn , heißer Odem mischte sich mit dem seinen und glühende trunkene Lippen preßten ihm den Mund . Dazwischen aber klang es wie leises Weinen und ängstliches Schluchzen . Aber der Sturm der Leidenschaft , der erregten Sinne ließ ihn Nichts achten und hören , als deren glühende Befriedigung ; Brust an Brust , Lippe auf Lippe sanken sie in die Kissen . Er verwünschte das Dunkel der Nacht , das ihn hinderte , die leuchtenden Augen , die süßen Züge zu sehen , aber er wußte , daß sie jung und schön war , denn nur Jugend und Schönheit tragen den Hauch und Duft der Liebe . Voll glühender Zärtlichkeit umschlangen ihn ihre Arme und dennoch fühlte er , wie er sie in den seinen hielt , daß sie zitterte in Schaam und Angst . So vergingen die Stunden - wie Minuten flogen sie ihm dahin . Zwei Mal im Laufe der Nacht hörte er , wie draußen an der Thür Schritte trippelten , Stimmen flüsterten ; erst leise , dann erregt und zornig , dann wieder beruhigt und sich verloren im geheimnißvollen Schweigen der Nacht , und jedes Mal fühlte er , wie das Weib in seinem Arme heftiger zu zittern begann , wie ihre Brust sich in ängstlicheren Athemzügen hob und sie das Gesicht furchtsam an seiner Brust verbarg , ihn umschlingend , gleich , als wolle und könne sie nicht von ihm und ihn einer Anderen lassen . ' Mit Schmeichelworten suchte er sie zu beruhigen , und als ihr Mund in türkischer Sprache ihm zuflüsterte , daß sie ihn liebe , daß diese Nacht ihr höchstes Glück sei , daß sie seiner gedenken werde immer und ewig , so lange sie lebe , da war es ihm , als wehten ihn bekannte Klänge an , als öffne sich ein lange verschlossener Schrein in seinem Herzen , als sei ihm diese Liebe und Wonne , die , wie die Rose sich entfaltet im wollüstigen Hauch der warmen Abendsonne , entsprossen war aus dem Sturm der Sinne , aus den unsichtbaren , mystischen Reizen der dunklen Nacht , - etwas längst Vertrautes und Bekanntes und Empfundenes . Die Stimme des Weibes in seinem Arm war leise und zagend , aber süß und wohllautend , und ihre Worte zeigten von tiefem natürlichen Gefühl und einem Denken und Empfinden , das gewöhnlich den jeder Bildung des Herzens und Geistes ermangelnden , in launenleerem Geplauder sich ergehenden türkischen Frauen fehlt . » Wer bist Du , seltsames Wesen , « fragte der Deutsche in diesem seligen Rausch , » Du , die mir Liebe so zärtlich betheuert , und mir dennoch erst vor wenigen Stunden zum ersten Mal begegnet ist im Leben , die mein Auge nicht ein Mal unterschieden hat im Kreise ihrer Gefährtinnen , die ich nicht wieder kennen würde , wenn der Morgenstrahl mir nicht Deine Züge verriethe , und die dennoch ein Gefühl in mir weckt , wie es der ruhige , verständige Mann , über die Jahre der Leidenschaft hinaus , noch nie empfunden ? « » Sage mir , « flüsterte die Stimme , » bist Du glücklich , o Franke , an meinem Herzen ? « » Ich bin es - aber .... « » Forschest Du dem milden Hauch der Abendluft nach , der Dein Gesicht kühlt ? Kannst Du den Duft schauen , der Deine Sinne erfreut ? « » Und dennoch sehne ich mich , Dir in ' s Auge zu sehen , Deine Züge in mein Herz zu prägen für immer . Ich werde