, Sie bereits zu sehen , und wo ich Sie wieder zu begrüßen hoffe , wenn ich erst ganz dort leben werde , fügte sie mit einer Verneigung hinzu , die verbindlich , die versöhnend wirken sollte , während die stolze Siegesgewißheit abermals über ihre Mienen glitt . Und als wolle sie diese Unterhaltung nicht fortgesetzt sehen , wendete sie sich zu Renatus , um auch ihn für die Zukunft nach ihrem Schlosse einzuladen . Sie werde stolz und glücklich sein , sagte sie ihm , wenn er ihr Gast zu sein verspreche , nachdem ihr Vater durch so viele Jahre seines Hauses Gast gewesen sei . Dabei reichte sie ihm , nach Art ihrer englischen Landsleute , die Rechte hin , daß er einschlagen und ihr sein Versprechen geben solle , und ihm die Hand mit festem Drucke schüttelnd , während sie ihm frei und aufrecht in das Auge sah , rief sie : Wir wollen gute Freunde werden , nicht wahr , recht gute Freunde , Herr von Arten ! Renatus wußte sich nicht zu erklären , welcher Stimmung des schönen Mädchens er diese unerwartete und auffallende Gunstbezeigung zu verdanken habe , welche ihm sehr leicht die Abneigung der andern jungen Edelleute zuziehen konnte ; aber er fühlte sich deshalb nicht weniger von Eleonoren ' s sonnigem Auge erwärmt , er vermochte ihrer kräftigen und frischen Stimme den Zugang zu seinem Herzen nicht zu verschließen , und im Innersten seines Wesens geschmeichelt , sprach er : Sie eröffnen mir eine Aussicht , gnädige Gräfin , die mich hoch erhebt , und zeigen mir ein Ziel , nach dem zu streben mir um so mehr ein Glück sein wird , da ich die Freundschaft , die Sie mich hoffen lassen , zunächst doch nur meinem Vater zu verdanken habe . Wie er seinem Vater ähnlich sieht ! rief die Herzogin , sich an den alten Fürsten wendend , nicht wahr , mein Fürst ? Sie waren in Vaudricourt , als der Freiherr von Arten mich zum ersten Male besuchte , und Sie erinnern Sich des Freiherrn noch ! Aber der Fürst versicherte , daß er den Freiherrn nie gesehen habe , und die Herzogin wußte das eben so genau , als daß Renatus seinem Vater ganz und gar nicht glich . Sie hatte nur der Unterhaltung eine andere Richtung geben , nur Eleonoren ' s Launen in den Weg treten , einer unangenehmen Scene ein Ende machen wollen , und von allen Seiten war man sofort bereit , über die kleine Störung leicht hinweg zu gehen , um der Herzogin , über deren Absicht Niemand in Zweifel war , geschickten Beistand zu gewähren . Der Fürst rühmte die Reize von Haughton Castle , während die Herzogin das Klima des hoch gelegenen Ortes tadelte ; man sprach von der Jagd , die dort ergiebig sei , von dem Besuche , welchen der Prinz-Regent im vorigen Jahre , als die Herzogin es während der Sommermonate mit ihrer Nichte bewohnte , in dem Schlosse gemacht hatte , und Eleonore hörte der ganzen Unterhaltung schweigend zu . Als habe sie sich jetzt genug gethan , ließ sie ihre dunkeln Augen langsam von Einem zu dem Andern gleiten , und nur wenn ihr Blick auf den Fürsten oder auf die Herzogin fiel , meinte Renatus zu bemerken , daß ein spöttisches Lächeln um den Mund der jungen Schönen spiele und daß ein Gefühl des Triumphes ihre kräftigen Nasenflügel schwelle . Niemand machte ihn empfinden , daß er , wenn auch ohne sein Verschulden , den Anlaß zu der Kränkung geboten hatte , welche die Gräfin den Gästen und Freunden ihrer Tante zugefügt hatte . Renatus ließ es sich also doppelt angelegen sein , sich durch anspruchslose Freundlichkeit mit dem Menschenkreise , in den er eingetreten war , in ein günstiges Verhältniß zu setzen , und es gelang ihm dieses auch nach Wunsch ; denn als die Besucher sich empfahlen , weil die Stunde gekommen war , in welcher die Herzogin ihre tägliche Ausfahrt in das Gehölz von Boulogne zu machen pflegte , schied man in einer so heiteren Weise , als ob gar nichts Störendes vorgefallen wäre oder als ob überhaupt niemals etwas Störendes zwischen die Glieder dieses Kreises treten könnte . Fünftes Capitel Der Gartensaal der Herzogin lag , wie bei all den Schlössern , welche dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts ihre Entstehung verdanken , an einer mächtigen Terrasse . Am Abende des Tages , an welchem sie Renatus bei sich aufgenommen hatte , waren die Thüren des Gartensaales weit geöffnet . Das helle Licht der Kerzen mischte sich mit dem sanften Glanze des Mondes und ließ innen wie außen alle Gegenstände klar erkennen . Mitten im Saale saß die Herzogin mit ihrem Freunde , dem Prinzen , und noch zwei andern Personen beim Kartenspiele ; draußen ging Renatus an der Gräfin Seite auf und nieder , während ein Mann von reifem Alter und ein junger , schlanker Geistlicher , die am andern Ende des Zimmers Platz genommen hatten , in eifriger Unterhaltung begriffen zu sein schienen , obschon keiner von beiden die auf der Terrasse Lustwandelnden aus dem Auge verlor . Von Zeit zu Zeit warf auch die Gräfin ihre Blicke in den Saal , dann aber wendete sie sich gleich wieder dem Freiherrn zu , und obschon ihre Unterhaltung sich ausschließlich in jenen Fragen und Mittheilungen bewegte , mit denen man sich der äußerlichen Verhältnisse eines neuen Bekannten zu bemächtigen und ihn in der fremden Umgebung heimisch zu machen versucht , fühlte Renatus sich doch von einer Unruhe ergriffen , für welche er sich keine Ursache anzugeben wußte . Ohne es zu wollen , mußte er den Blicken Eleonorens folgen , ohne zu wissen , weßhalb , betrachtete er die Gesellschaft , die er in dem Zimmer vor sich sah , mit einer mißtrauischen Besorgniß . Er hörte achtsam auf alles , was Eleonore zu ihm sprach , und er fühlte sich trotzdem überzeugt , daß sie an etwas Anderes denke