. Diese Worte hatte die eben eintretende Melanie gehört . Melanie war im weißen Morgenkleide mit einem langen Kragen , der von den reizenden Schultern fiel . Obschon sie ihr Haar bereits geordnet hatte , mußte doch etwas Überwachtes , Gestörtes an ihr auffallen . Sie schien sehr erschöpft , fast hinfällig , fast leidend . In aller Ruhe bot sie den Anwesenden einen guten Morgen und setzte sich zum Frühstück . Die Ältern waren erstaunt . War Das ihre heitre Melanie , die immer so sorgenlos hereinhüpfte ? War Das der Schalk , der dem Väterchen um den Hals fiel und ihn herzlich küßte ? Sprachlos sahen die Ältern auf diese feierliche Umwandlung und hörten mit seltsamem Befremden , daß Melanie , den Zwieback sich in ihren Milchkaffee brockend , ganz kurz äußerte : Lasally läßt den Prozeß fallen . Das wird ja nun abgemacht sein . Schlurck näherte sich auf diese Worte . Sein Unmuth war vorüber . Voll Zärtlichkeit setzte er sich an die Seite seiner Tochter , faßte ihren Arm , von dem die weißen seidenschnurbesetzten Oberärmel herabglitten und fragte : Mein Herzblättchen , was hast du denn nur ? Spracht Ihr nicht eben ... sagte sie stockend . Von Hackert , leider von dem ewigen Thema unsres Hauses , antwortete Schlurck . Eure Besorgnisse werden nicht mehr nöthig sein , fiel Melanie ruhig ein . Weiß der Himmel , es ist eine große Plage , die auf uns ruht ; aber sie wird ein Ende nehmen . Lasally wird nicht so boshaft sein , diesen Gegenstand öffentlich zu machen . Ich habe ihm geschrieben und ihm bei Allem , was ihn noch an uns bindet , gebeten , die Vergangenheit ruhen zu lassen ... Kind , du hast ihm doch keine Versprechungen gegeben ? fragte Schlurck besorgt . Warum ? Werden diese Dinge nicht damit enden müssen , daß ich mich unter einen sichern Schutz und in ein festes Schicksal flüchte ? Wessen Schuld ich so hart büßen muß , ... ich weiß nicht , ob es ganz die meine ist ! Diese Worte sprach Melanie mit großer schmerzlicher Bitterkeit . Du wirfst mir vor , daß wir Hackert schonen ? sagte Schlurck . Ich schone ihn , weil er gefährlich ist , Schlurck sprach Dies mit einer Miene , die es verrieth , daß er nicht im rechten Ernste sprach ; - ich schone ihn , weil er in meinem Geschäftsgange manches Durcheinander beobachtet hat . Melanie lachte höchst bitter auf . Du bist erregt , sagte die Mutter zu ihr , ungemein besorgt . Schweig , Franz , wir wollen nicht mehr davon sprechen ... Immer nicht sprechen , rief Melanie ; immer nicht die Wunde berühren ! Allmächtiger Gott , was bin ich doch unglücklich ! Damit stürzten ihr die Thränen aus den Augen ... Melanie weinte ... Sie , die die Thränen haßte , vergoß Thränen und ihre Ältern ... verstanden diese Thränen . Nach einer langen , ängstlichen Pause sagte der Justizrath : Die Schuld ist unser ! Ich nahm ein Kind aus dem Waisenhause , weil ich Kinder liebe - und keins hatte . Ich wählte ein Findelkind aus Mitleid und erzog es wie mein eignes . Da schenkt mir die Mutter dich ! Das Findelkind wird eine Stufe herabgesetzt . Ich erzieh ' es für mein Bureau . Es ist anschlägig , aber voll schlimmer Eigenschaften . Wir achten ihrer nicht , weil wir das Vergnügen lieben und das Leben genießen wollen . Melanie und Fritz wachsen auf wie Geschwister und sind es nicht . Was dann später gekommen sein mag , was der schlimme , leidenschaftliche Bursche gethan hat ... O ! Franz ! rief die Mutter vorwurfsvoll . Melanie sah in die Tasse und stützte das schöne Haupt auf den linken Arm ; der rechte spielte mit dem Löffel . Schlurck aber seufzte und sprach in sich hinein : Es ist unsre Schuld ... und unser Kind muß uns vergeben . Melanie war da gewiß nicht ohne Gefühl , wo es ihr nächstes eignes Empfinden berührte . Sie liebte ihren Vater , sie stürzte auf ihn zu , sie weinte und bedeckte ihn mit ihren Küssen . Von diesem Augenblicke an schwiegen alle drei und ließen die sonst so stolzen Fittiche hängen ... Endlich begann die Mutter : Du wolltest von jenen Papieren sprechen ? Schlurck sammelte sich . Er hätte gern ein Thema angeregt , das ihn oft beschäftigte , ob nicht eine bessere Entwickelung Hackert ' s eine Heirath zwischen ihm und Melanie möglich machte . Er wußte , daß er jedesmal mit Entrüstung abgewiesen wurde , er wußte , daß Melanie zitterte , wenn sie nur den Namen Hackert ' s nennen hörte . Er hatte vielfache Forschungen nach seinem wahren Ursprunge angestellt . Er hatte sogar einige Resultate , die er gern erzählte . Er zeigte gern den zerbrochenen Ring , der bei Hackert in dem Korbe , in dem man ihn am Waisenhause ausgesetzt hatte , gefunden worden war ... er schickte Bartusch oft in das Rathsarchiv , um in den hier gesammelten Registern der Gebornen und Getauften von der Stadt und der nächsten Umgegend zu suchen ... er hatte eine Vermuthung von einer heimlichen Geburt , die einmal unter sonderbaren Umständen einige Meilen weit von der Stadt vorgekommen war und betrieb längst unter dem Deckmantel der größten Behutsamkeit Nachforschungen aller Art , selbst in den höchsten Kreisen ; ... aber er kannte den Widerstand der Frauen , die einmal glaubten , ein Vorhang müßte diese Vergangenheit für immer bedecken . Er liebte Hackerten , weil er anschlägig , talentvoll und so bizarr war , wie er selbst zuweilen sein konnte . Selbst daß der unerzogne Knabe von Leidenschaft für das ihm sorglos zur Gespielin gegebene Mädchen entbrannt war , fand er menschlich und ganz in seinem Geschmack . Er hatte wohl , als er erfuhr , daß Hackert Melanie als Kind zu den wildesten Streichen , zu Männertrachten , zu