ist jetzt Anfang Oktober . Bis spätestens Ende Oktober stoßen die preußischen und französischen Heere auf einander ; irgendwo im Herzen von Deutschland , geht es nach den Feuerköpfen hier , so weit wie möglich nach dem Rheine zu . Nun bitte ich Sie , wie viel Truppen kann der wackere Buxhövden bis dahin disponibel machen , bis dahin durch Kurland , Lithauen , Preußen , Pommern , Brandenburg , durch unwegsame Sandsteppen , aufgewühlte Wege , dem Gros der Preußen nachschicken ? Ich will das Höchste annehmen , daß dreißigtausend Mann in forcirten Märschen bis zum Entscheidungstage die Preußen erreichen , daß sie dieselben noch nicht geschlagen finden : würden diese dreißigtausend abgematteten Krieger , aus Complaisance auf die Schlachtbank geführt , das Schicksal ändern ? Sie würden mit den Preußen aufgerollt , vernichtet . Und gesetzt , die Preußen siegten , wie viel Brosamen Ehre würden die Bramarbasse dem russischen Succurs zukommen lassen ? - Rußland wäre noch einmal moralisch geschlagen , ohne geschlagen zu haben . - Nein , erlauchte Frau , ich versetze mich ganz in die Seele Ihrer klugen Staatsmänner , und spreche zugleich im Stolz eines Franzosen , wenn ich sie sagen lasse : Rußland ist es sich selbst schuldig , nicht mehr durch Echantillons seiner Macht gegen den Giganten zu kämpfen , es darf nicht mehr das Schwert ziehen gelegentlich für Andere , es ist Pflicht seiner Ehre , Gehorsam gegen seine Machtstellung , seine ganze Macht zusammenzuhalten , um sie für sich auf den furchtbaren Rivalen loszuwälzen , wenn - die Zeit kam . « » Nachdem die preußische Armee vernichtet ist ! « - » Die wird es ohnedies . In ihrem Dünkel wollen es die Herren , die den König zum Kriege zwingen , auf einen Schlag ankommen lassen . Durch einen Effektstreich soll wieder gut gemacht werden , was so lange Jahre durch versäumt ist . Sind sie besiegt , so ist Preußen zertrümmert , das Land liegt vor uns , eine offene Beute . « - » Und Rußland , das zusieht ? « - » Behält die Kraft , auf einen Feind sich zu stürzen , der zwar Sieger ist , aber blutet . Denn auf einen verzweifelten Widerstand dieser zweimalhunderttausend Preußen sind wir gefasst . Was dann weiter , steht im Rath der Götter , aber ich meine , daß Kaiser Alexander , an der Spitze seines Reiches , soutenirt von seiner Grenze , ein Wort darin mitsprechen wird , das nicht verhallen kann . Wo zwei Gleiche sich gegenüberstehen , ist aber Zeit zum Verhandeln . « » Ich könnte es eine Gnade Gottes nennen , daß Preußen keine Staatsmänner hat , wie Herrn von Laforest . « » Und ich Rußland Glück wünschen , daß sein Czar eine Freundin hat , deren hellerem Blick er traut . Unter uns , Napoleon hat keine solche Freundin , er glaubt nicht an das wunderbare den Frauen geschenkte Ahnungsvermögen . Er traut nur auf sich . Das ist - ein Unglück , denn über aller menschlichen Weisheit schwebt doch ein Etwas - was wir mit dem Verstande nicht ergründen . - Gleichviel nun , ob Sie Buxhövden die Regimenter , die er zusammentreibt , marschiren lassen , oder ihn freundlich warnen , daß er die Dinge sich vorher ansieht , daß er mehr an Rußlands Ansehen denke , als an die momentane Freundschaftsaufwallung Alexanders für Friedrich Wilhelm - das , theuerste Frau , sind Bagatellen - so oder so , ein höherer Wille lenkt dennoch Alles , und - ich denke , unser Abschied ist nicht auf lange , wir sehen uns bald unter andern Verhältnissen wieder . « - An der Thür war der Gesandte noch einmal umgekehrt , und zog ein gedrucktes Blatt aus der Brusttasche : » A propos , Prinzessin , Sie kennen vermuthlich das noch nicht . Ein Korrekturabzug , durch Zufall mir in die Hände gerathen , ein Avantcoureur des kommenden Manifestes , in die Erfurter Zeitung gestreut . Bemerken Sie den Passus ! « Die Fürstin überflog das Blatt : » Nicht blos Preußen , die deutsche Nation sollte , ihrer Selbstständigkeit beraubt , aus der Reihe unabhängiger Völker gestoßen , einer fremden Souverainetät untergeordnet werden . Diesem Schlage , dem schrecklichsten , der Deutschland noch treffen könnte , zu begegnen , ehe es zu spät ist , dieses ist , nach glaubwürdigen Nachrichten , der einzige Zweck von Preußens gegenwärtiger Rüstung . « » Qu ' en dites-vous , Madame ? Preußen rüstet nicht für sich , sondern für die deutsche Nation ! Wenn es nicht so entsetzlich naiv wäre , könnten Andere als wir vor den Konsequenzen erschrecken . Aber ich hoffe , man wird weder in der Hofburg zu Wien blaß werden , noch in Sanct Petersburg roth , noch wird mein Kaiser fragen : wer in aller Welt gab denn Preußen die Vollmacht für die deutsche Nation ? Denn in Wien , Petersburg und Paris weiß man , daß Phrasen tönender Wind sind . Nicht wahr ? Aber ein wenig Achtung giebt man doch , wenn die Kinder in Phrasen zu sprechen anfangen , die sie freilich gelernt haben , aber man fragt doch : von wem ? « Der französische Gesandte , Herr von Laforest , war längst in seinem Wagen fortgerollt . » Und doch betrügt er mich nur ! « war das Ende eines langen Selbstgespräches , aus dem die Fürstin bei diesen Worten zu erwachen schien . » Aber man lässt sich zuweilen gern betrügen . « Sie setzte sich an ihren Sekretär , und schrieb hastig . Das Billet auf Rosenpapier mit der Aufschrift : » An den Legationsrath , Herrn von Wandel , « ward einem Diener übergeben , mit dem Befehl , auf der Stelle dahin zu fliegen und Antwort zu bringen . Die Antwort ließ doch eine Stunde auf sich warten , welche für die Prinzessin in sichtlicher Spannung verging . Mehrmals hatte sie sich wieder zum Schreiben