Summen , die die Schwiegersöhne baar in die Hand bekommen , und so viel weiß ich doch auch , daß der Credit jede baare Summe im Geschäftsverkehr verdoppelt . Ganz Recht ! Machte nur Melanie endlich Anstalten ! rief Schlurck halb zufrieden , halb ärgerlich und sah dabei auf einige alte Papiere , die er unter den Zeitungen neben sich liegen hatte ... Sie hat heute in aller Frühe schon geschrieben ; antwortete die Mutter und legte die Papiere so , daß ihr alterthümliches Aussehen nicht die schöne Symmetrie und die Wäsche ihres Frühstückstisches störte ; um fünf Uhr war sie auf und hier in den Zimmern . Um sechs schon mußte Johann einen Brief forttragen . Sie sagte mir nicht an wen ? Aber Johann zeigte mir die Adresse : An Lasally . An Lasally ! Hm ! Ich glaube fast , daß sie sich entschließt , dem wirklich treuen Bewerber nun zuzusagen . Zwar in Hohenberg , wo sie sich einbildete , den Prinzen erobert zu haben , hat sie ihn kalt , fast zurückstoßend behandelt , allein Das ist noch kein Beweis . Die Parthie hatte nie deinen Beifall ... Schlurck zog die Achseln . Ein junger Mann , sagte er ; von sehr reichen Ältern , zurückgekommen , aber im Reichthum erzogen , mismüthig , verstimmt , verlebt , halb bankerutt , ein Israelit ... ich muß gestehen , etwas Seltsameres konnte uns nicht begegnen . Aber aus dem ganzen Leben weiß ' ich , nichts kommt so wunderbar wie ein Schwiegersohn . Man träumt von einem Gelehrten und es ist ein Soldat , von einem Pfarrer und es ist ein Schauspieler . Das menschliche Herz ! Die Mutter suchte mancherlei Günstiges für Lasally vorzubringen . Er wäre längst getauft , wäre gutmüthig , gefällig , oft edel denkend , nur etwas verwildert und ohne Erziehung . Auch sie begreife nicht , wie ihnen Das geschehen mußte , ihr schönes , gefeiertes , liebenswürdiges Kind gerade zu solcher Parthie hergeben zu sollen , aber ein nachdrücklicher Bewerber stellte sich sonderbarer Weise ja nicht ein . Was wäre da zu thun ? Man würde Lasally ' s Finanzen verbessern und dann vielleicht die Gewißheit haben , daß gerade Melanie in dem lebhaften Treiben seines Berufes sich gefallen würde ... Schlurck schüttelte ungläubig , verdrießlich den Kopf . Sonderbar , sagte er , ich liebe Vieles , was gefährlich ist , nur nicht die Öffentlichkeit , und auch du bist bescheiden und zurückhaltend und dies unser Kind nimmt den Lasally vielleicht nur , um immer gesehen zu werden , immer von Männern umringt zu sein , sich auffallend tragen zu können , auf allen Parthieen und Corsos in der ersten Reihe zu stehen , zu Wagen , zu Pferde , wie eine Komödiantin ... ich begreife nicht , welche Geheimnisse in der Natur liegen und manchmal glaub ' ich doch , daß es mit den Sternen etwas Eigenes auf sich hat . Wer weiß z.B. , ob ich nicht da etwas in der Hand habe , was uns doch von der Nothwendigkeit , aus Melanien die Frau Stallmeisterin Lasally zu machen , vielleicht befreit ? In der Hand ? Diese alten Papiere ? Die Sterne bringen mich drauf . Es gibt mondhelle Nächte , Hannchen , in denen die Geister geschäftiger sind als sonst . So könnt ' ich fast den Wallenstein parodirend sagen . Du hast mir von der Verwechselung des Prinzen mit einem jungen , hübschen Manne , Namens Dankmar Wildungen , gesprochen ; Bartusch erzählte mir Wunderdinge über Melanie ' s Gefallen an diesem Fremden ... So lange sie ihn für den Prinzen hielt ... ergänzte die Mutter mit achselzuckender Bitterkeit . Es wäre möglich , daß dieser junge Mann in die Lage kommen könnte , mit dem Prinzen Hohenberg nicht zu tauschen . Wie ? fragte die Justizräthin erstaunt ... In seltsamer Aufregung war Schlurck aufgestanden , die alten vergilbten Papiere in der Hand , die er als die wichtigsten Dokumente aus dem im untern Studirzimmer befindlichen Schrein mit dem Kreuze zu sich hinauf genommen hatte ... Eben wollte er sich anschicken , seiner Frau eine interessante Auseinandersetzung zu machen , als ein Wagen an sein Haus rollte und er durch ' s Fenster blickte . Was ? rief er . Das ist ja Drommeldey ' s Wagen . Er steigt aus . Was will denn Drommeldey bei uns so früh ? Ist Jemand im Hause krank ? Die Justizräthin errieth , daß der Sanitätsrath eben kam , um Neumann ' s ihm gemeldeten Zustand zu untersuchen . Einen nahegelegenen , gewöhnlichen Wundarzt hatte man schon in der Nacht gerufen ... Sie verwünschte den unangenehmen Zufall , daß ihr Mann nun doch etwas erfuhr , was man ihm verschweigen wollte . Da er aber diese Absicht sogleich merkte , drang er auf Wahrheit und ängstigte sich schon , es möchte Melanien selbst etwas begegnet sein , da sie zu lange ausbliebe . Nun mußte ihm seine Frau erzählen , was die Nacht geschehen war . Es berührte ihn das Alles höchst unangenehm . Die Nothwendigkeit , einen andern Diener für seine Pferde zu dingen , wenn auch nur für einige Zeit , ja auch einen Kranken im Hause zu haben , das Alles , sagte er , griffe seine Nerven an . Auch von moralischer Seite zeigte er sich heute empfindlicher als sonst . Er fand dies heimliche Auslaufen auf Bälle und auf nächtliche Vergnügungen abscheulich und als gar auf Hackert die Rede kam und die Mutter sagte : Neumann wäre eigentlich Recht geschehen , da es wieder Hackerten hätte gelten sollen ! brach er in heftige Verwünschungen gegen alle Welt und die Seinigen insbesondere aus und polterte sich in diese Stimmung so hinein , daß Madame Schlurck bedacht war , sie rasch auf Hackert allein zu lenken und sagte : Bartusch ist auch unverrichteter Sache aus der Brandgasse wiedergekommen . Fritz will Lasally ' s Prozeß abwarten und nicht von hier fort gehen