hin bot prächtige Bäume zum Nesterbau und der See die schönste Gelegenheit zum Fischen . Nun scheint es , waren die Kormorans insonderheit auch Feinschmecker , und statt sich mit all und jedem zu begnügen , was ihnen in den Wurf kam , richtete sich ihr Begehr vor allem auf die Muräne . Sie fischten nach ganz eigentümlichen Prinzipien , und betrieben den Raub nicht als einzelne Freibeuter , etwa wie Fischreiher und ähnliche auf niedrigster Stufe der Kriegskunst stehende Tiere , sondern das Geheimnis taktischen Zusammenwirkens hatte sich ihnen in seiner ganzen Bedeutung erschlossen . Sie manövrierten in Reih und Glied und mit Hilfe ihrer Taucherkünste den See auch in seinen verschiedenen Tiefen , sozusagen in all seinen Etagen beherrschend , glückte es ihnen , überall da , wo sie Stand nahmen , ein lebendiges Netz durch den See zu ziehen : jede Masche ein geöffneter Kormoranschnabel . 78 Die Fischer mühten sich umsonst , sie zu vertreiben . Es gab damals Kormorans am Werbellin , wie Fliegen in einer Bauernstube , und ein paar hundert mehr oder weniger machte keinen Unterschied . Auch der Forst litt , denn in manchem Baume hatten die Kormorans zehn Nester und es schien nicht möglich , ihrer Herr zu werden . Da ward endlich ein Vernichtungskrieg beschlossen . Alle Förster aus den benachbarten Revieren wurden herangezogen , das Gardejägerbataillon in Potsdam schickte seine besten Schützen und so rückte man ins Feld . Zuletzt waren Pulver und Blei stärker als die Kormorans , und sie blieben entweder auf dem Platze oder setzten ihren Zug in friedlichere Gegenden fort . Sind auch nicht wieder gekommen . Aber die Muränen auch nicht . Die Muränen sind hin wie die Schlösser , die den » Werbellin « umstanden , nur der See selber ist in seiner alten Schönheit verblieben . Bei Altenhof , unmittelbar an dem gelben Kiesufer , liegen ein paar Tannenstämme aufgeschichtet und bilden eine hohe Bank zum Überblick . Und dort nehmen wir Platz . Kleine Wellen schäumen ans Ufer vor uns , die breite Wasserfläche liegt noch im Licht , während sich nach Norden hin bläuliche Schatten über Wald und See breiten . Dorthin liegen auch die Trümmer des alten , halb Sage gewordenen Grimnitzschlosses . Und wenn jetzt ein goldenes Schiff den See herunterkäme , und auf dem Deck des Schiffes , unter flatterndem Zeltdach , säße Markgraf Otto mit Heilwig von Holstein , scherzend und lachend über dem Schachspiel , wir ließen es vorübergleiten , vielleicht weniger verwundert über das goldene Schiff mit Segel und Zeltdach , als über das ärmliche Schifferboot , das eben jetzt mit Netz und Reuse des Weges kommt . Es ist ein Märchenplatz , auf dem wir sitzen , denn wir sitzen am Ufer des » Werbellin « . Das Pfulen-Land Schulzendorf Schulzendorf Schulzendorf , eine halbe Meile von Wriezen , kam bald nach 1450 in Pfuelschen Besitz . Es blieb lange bei der Familie . Erst 1837 ist es in andere Hände übergegangen . Die alte Feldsteinkirche enthält außer einem weißgetünchten Schnitzaltar , der das Würfeln der Kriegsknechte um Christi Mantel darstellt , ein großes , sehr interessantes Bild , das , zu Ehren eines Quilitzer Pfuel gemalt , ursprünglich auch der Quilitzer Kirche zugehörte . Nachdem indes diesem Zweige der Familie das letztgenannte Dorf verlorengegangen und nur Schulzendorf noch geblieben war , hatten die späteren Repräsentanten der Quilitzer Linie den Wunsch , das Ehrenbild ihres Ahnherrn nicht mehr in einer ihnen fremd gewordenen Kirche zu sehen . Sie kauften daher das Bild und stellten es in der Schulzendorfer Kirche auf . Es ist sehr groß , wenigstens sechs Fuß zu vier , und stellt eine Kreuzigung Christi dar . Zu Füßen des Kreuzes kniet in blanker Rüstung der alte Pfuel , dem zu Ehren das Bild gestiftet wurde , und blickt betend zu dem Gekreuzigten auf . Weiter unterhalb die Donatoren : vier weibliche und zwei männliche Figuren . Dies wäre das Herkömmliche . Wodurch sich aber das Bild von ähnlichen unterscheidet , ist das , daß die Gestalten des Heilands und des in blanker Rüstung knienden Pfuel nicht gemalt , sondern basreliefartig in Holz geschnitten und nun erst an der ihnen zukommenden Stelle auf dem Bild befestigt sind . Es ist dies das erste und einzige Vorkommnis der Art , dem ich begegnet bin . Mehr eigentümlich , als schön . Man könnte es praktisch nennen , indem es die Aufmerksamkeit des Beschauers auf die beiden Gestalten hinzwingt , auf die es ankommt : auf den Gekreuzigten und den betenden Pfuel . Die blanke Rüstung des letzteren ist – ganz wie es sich für eine kleine Relieffigur geziemt – nicht durch Auftragen von Farbe , sondern durch Belegen mit Silberschaum hergestellt . Das Bild hat drei Inschriften : eine erste , die von dem » alten Pfuel « selber , eine zweite , die von dem Donator in Quilitz , und eine dritte , die von der Übersiedelung des Bildes nach Schulzendorf spricht . Die erste Inschrift am obersten Rande des Bildes ist unleserlich geworden . Zweite Inschrift : » Dies Epitaphium ist von dem edlen und ehrenvesten Jürgen Pfulenn seinem seligen Vater zum Gedächtniß gesetzet worden . Welchen auch ( den ehrenvesten Jürgen Pfuel ) der Allmächtige Gott in wahrer Erkenntniß seines allerliebsten Sohnes Jesu Christi bis an sein Ende erhalten wolle . Amen . « Dritte Inschrift : » Aus schuldiger Hochachtung vor dem Stammvater der anitzo im Segen lebenden dreien Gebrüder , als Heine Friedrich Wilhelm , Georg Ludwig Ditloff und Carl Christoph August von Pfuhll , Königlich Preußischer Lieutenants , ist dies Epitaphium von ihnen aus der Quilitzschen Kirche erkaufet und allhier zum beständigen Andenken aufgerichtet worden den 20. September 1747 . « Garzin Garzin Garzin war bis vor kurzem noch reich an Erinnerungsstücken aus der Pfuelschen Zeit . Die Mehrzahl dieser Gegenstände hat indessen der gegenwärtige Besitzer von Jahnsfelde , ältester Sohn des 1846 verstorbenen Generalleutnants von Pfuel , käuflich an sich gebracht und sie seiner höchst