! Sie können mir einen Gefallen thun ! ... Sie kennen den Mönch - Sebastus ? Ihren ehemaligen Verlobten , Doctor Klingsohr ... Lucinde hatte diese Wendung nicht erwartet . Sie brach erblassend ab und wollte gehen ... Es war ihr Fluch , daß ihr überall die gespenstische Vergangenheit entgegentreten mußte ... Nück vertrat ihr aber den Weg , streckte die Arme aus und hauchte leise , wie zerflossen von Inbrunst und Leidenschaft : Mädchen ! Was fliehst du ! Ich kenne ja dein ganzes Leben ! Lucinde blickte ihn finster und von der Seite an , indem sie die Thür zu Treudchen ' s Zimmer fest in der Hand hielt ... Sie bot ein Bild des Schreckens , der Entrüstung und - jener Schönheit , die dem Charakter eigen ist ... Rolle deine gewitternden Augen nicht ! Lache nicht über mich - mich , den Narren im grauen Haar - ! Pater Sebastus ... Ja , ganz recht ! Dem geht es schlecht ! ... Was wünschen Sie , Fräulein Schwarz , daß ich für ihn thue ? So sprang er in einen ganz gewöhnlichen Ton der Artigkeit zurück , hielt diesen Ton aber nicht fest , sondern rief sogleich hinterher : Angebetete ! Lucinde hatte sich in ihre Lage gefunden und fing an sich zu beherrschen . Warten Sie nur , sagte sie , nun weiß ich etwas , was eine Dame , die fortwährend über Hitze klagt , endlich einmal abkühlen wird ! ... Sie sagte das so voll Uebermuth , daß Nück neue Hoffnung schöpfte . Mit elegischem Blick hauchte er : O , das war grausam ! Sein Blick dabei gen Himmel wollte ein ganzes verfehltes Leben malen ... Lucinden graute vor diesem Blick ... Es war gar kein menschlicher ... Was kann ich für den Mönch thun ? fragte Nück sich sammelnd ... Kann man ihm nicht die Freiheit geben ? Die Rückkehr in sein Kloster ? Lucinde stockte ... Sie wollte sagen : Gerade das am wenigsten ! Sie sind an ewige Gelübde nicht gewöhnt ! sprach er . Es wird ihm besser sein bei Pater Ivo und Bruder Hubertus ... Oder ... Ja ! Ganz recht , Sie wollen ihn nicht gern in der Gegend von Witoborn . Nicht bei Schloß Westerhof , wohin Sie Ihre ganze Sehnsucht zieht ! ... Wallen Sie doch nicht auf , Fräulein ... Gut ! Erst erfahren wir , ob er entfliehen will ? Will er wieder Protestant werden ? Nein ? Oder was ? Weltpriester ? Er hat die Weihen nicht ! Halt ! Das ginge ! Das würde ihn aus Ihren Bahnen schaffen ! ... Ha ! Blitzt es schon wieder ? Wie schön steht Ihnen dieser Zorn ! ... Mädchen - Gut , nach Belgien schicken wir ihn , wie ich manchen dahin schicke , Alte und Junge ! Sie verstehen ? Er darf sein Ordenskleid wechseln , falls er - Jesuit werden will ! Lassen Sie ihn nach Lüttich gehen ! Dann sind Sie ihn los ... Aber so bleiben Sie doch ! Warum zürnen Sie denn ? ... Hm ! Ich besorge alles ! Empfehlungen , Wagen , Pferde ... Nach Lüttich ! Nicht wahr ? Nicht nach dem Düsternbrook , wo Sie ihn zum ersten mal sahen ? ... O , o ! ... So bleiben Sie doch ! Lucinde folgte allen diesen Reden in der höchsten Aufregung . Bald stand sie auf der Flucht , bald wieder wie gebannt von dem dämonischen Manne , der ihr ganzes Leben kannte und so tief in ihrer Seele las ... Nück fuhr fort : Allerdings ! Dieser Mann könnte sich größer bewähren , als durch Betteln ! Soll ich ihn nach Rom schicken ? Es gibt auch da eiserne Gitter - denn das muß er ! Büßen muß er bitter für eine solche Flucht ! Das ist die Stufenfolge - auf seinem Kalvarienberge des Lebens ! Ein lebhafter Briefwechsel hin und her , lange Läuterung , lange Prüfung ; aber besser , er setzt sich die viereckte Mütze auf und predigt ; besser , als bei den Barfüßern zu verkümmern ... Fragen Sie ihn , ob er zu den Jesuiten will ? Ich besorge alles ... Lucinde sprach sinnend und des Mannes staunend : Ich werde - Ihnen schreiben - Schreiben ! In Zeiten , wie die jetzige , schreibt man nicht . So schick ' ich - zu Ihnen ... Schicken ! In Zeiten , wie die jetzige , kommt man selbst ... Lucinde fuhr zurück ; denn Nück trat mit einer Keckheit auf sie zu , daß sie jetzt fast alles hätte abbrechen müssen ... Darum beherrschte er sich und flüsterte : Mädchen ! Mädchen , höre mich jetzt ! Du hast in der Welt nichts unversucht lassen wollen ! Versuche noch eines ! Die Liebe solcher Männer , zu denen ich gehöre ! Wir zählen einundfünfzig Jahre , aber unsere Leidenschaft zählt neunzehn ! Wir geben nur , wir opfern nur ; wir markten nicht mehr , wir lieben nicht mehr um unserer Eitelkeit willen , wie Oskar Binder liebte ! Ha ! Sei doch klug , Mädchen , und erschrick nicht ewig - vor dir selbst ! Sei , was du bist ! Das Bedürfniß der Hingebung ist am Manne nie reiner , nie aufrichtiger , nie selbstloser , als wenn schon alle Hoffnungen und Illusionen hinter ihm liegen ! Lucinde ! Ich baue dem Glück , das Sie mir gewähren , ein goldenes Haus ! Niemand soll es sehen ... in Lüften soll es schweben , wie die Hütte von Loretto ! Wollen Sie anderes ? Befehlen Sie ! Ich breche mit allem , was Sie stört , thue alles , was Sie bedingen ! Reisen wir ? Nach Paris ? Nach Rom ? Nach Mekka ! Ich bete Sonne und Mond an , wenn du es verlangst , Mädchen ! Lucinde hatte die Thür in der Hand , die sie öffnete und wollte entfliehen ... Bleibe