, wie er eben in Louisens Arme sank und sich schaudernd besann auf Das , was ihm eben geschehen war und noch geschah ... Alles kam näher ; Alles wollte fragen , die Pein war furchtbar für Louise und Hackert , der sich in diesem Aufzuge unter allen diesen Menschen und in seinem Zustande sah ... Glücklicherweise dauerte diese Folterqual für Hackert und Louise nur eine Sekunde . Denn im Nu erscholl ein gellender markdurchbohrender Pfiff . Man sah sich um . Die Polizei umringte eben jenen Mann , der Hackerten mit raschem Entschlusse das Licht aus der Hand gerissen hatte . Es war Dies ein gebeugter , älterer Mann , sehr fein gekleidet , mit dunkler Perrücke und einer großen schwarzen Binde über dem rechten aufstarrenden Auge . Auch ein junges , allgemein gekanntes Mädchen , Namens Auguste Ludmer , wurde mit ihm zugleich verhaftet . Die große , bildschöne , schlanke Figur war so reich gekleidet , so mit Gold und Edelsteinen geschmückt , daß Alle starrten . Der Grund dieses überraschenden Zwischenfalls konnte Niemandem auffallen . Der Mann mit der schwarzen Binde hatte auf Kümmerlein ' s einfache Frage : Sie sind Murray ? einfach geantwortet : Ich bin Murray . Ruhig hatte er sich in sein Schicksal ergeben , während Auguste Ludmer , genannt die Maler-Guste , sich wie verrückt gebehrdete , halb wüthete , halb lachte und Mullrich mit den Worten anredete : War Das ein Pfiff auf einem von deinen Hausschlüsseln ? Pechdraht du ! Diebsschlosser ! Das Sträuben des schönen , üppig geformten , an die Statüen der Griechinnen aus dem Zeitalter des Alexander erinnernden Mädchens half ihr aber nichts . Zwei Agenten , die Mullrich und Kümmerlein zu Hülfe gekommen waren , führten sie fort . Mullrich aber und Kümmerlein nahmen den Mann mit der schwarzen Binde , der sich Murray nannte , in die Mitte . Er ging ruhig lächelnd . Hackert schlich am Arme des armen Mädchens , Louise Eisold , die die entstandene Aufregung benutzte um Hackerten fortzuziehen . Sie ging still und unscheinbar . Sie hatte den seidnen rothen Mantel über dem Arm , die Maske in der Hand . Die Tänzer , die Flöten , die Geigen , die Posaunen folgten . Die Gaslichter erloschen . Der Fortunaball hatte ein Ende . Vierzehntes Capitel Eine Morgenstunde Es war sieben Uhr Morgens , als Justizrath Schlurck mit seinem » guten Hannchen « am Kaffeetische saß und das Frühstück verzehrte . Franz Schlurck war im seidenen , leichten Schlafrock , Johanna Schlurck in einer leichten Morgenrobe , über dem Haupte eine Dormeuse alten Geschmackes , jedoch neuester Mode . Die Spitzen lagen bis tief über die Stirn der klugen und besonnenen Frau , die heute den Kaffee lobte , weil - ihn Jeannette nicht gemacht hatte . Auch die Aufmerksamkeit des zweiten Mädchens , frische Blumen , die gestern Abend geschnitten , aber frisch benetzt heute früh schon um sechs Uhr auf dem Markte gekauft wurden , neben den Zwieback in einer Vase auf den Kaffeetisch zu stellen , lobte Hannchen Schlurck ausnehmend und stellte dadurch die Ruhe des Justizraths wieder her , die von der Nachricht , Melanie hätte eben der Mutter aus ihrem Schlafzimmer zugerufen , Jeannette wäre von ihr verabschiedet , etwas gestört schien . Auch die Mutter hatte diese Nachricht ungern vernommen . Sie haßte alles Gewaltsame , alles Extreme . Da aber Melanie einmal darauf bestand , mußte diese Anordnung so bleiben wie sie war . Auf des Justizraths Einrede , daß solch verletztes Volk viel Gift und Galle verspritze , viel klatsche und austrüge , erwiderte seine Gattin , die ebenso gedacht , daß man wol , wenn Melanie ' s Zorn vorüberwäre , Jeannetten diesen oder jenen Beweis freundlicher Gesinnung geben könne , was Schlurck um so natürlicher fand , als er sich auch noch damit trösten zu können glaubte , daß Neumann mit der Zeit doch wol die Jeannette heirathen würde . Jetzt wartete aber bereits eine andere unangenehme Nachricht . Man hatte Neumann , wie die Frau Justizräthin heute in aller Frühe schon erfahren , halbtodt von einem nächtlichen Balle heimgebracht und während noch die bedächtige Frau darüber nachsann , ob sie oder Bartusch dies neue unangenehme Ereigniß dem durch solche Bedrängnisse der nächsten Umgebung überaus leicht zu verstimmenden Gatten vortragen sollte , wollte dieser denn doch ein wenig genauer wissen , worüber die Jeannette nach dreijährigem Dienst so über Hals und Kopf aus dem Hause fort müsse ? Er hoffe , sagte er , daß sie noch auf ihrem Zimmer wäre und nur verboten erhalten hätte , zum Serviren des Frühstücks herunter zu kommen ... Sie ist boshaft , gefährlich und fügt sich nicht in Melaniens jetzt recht empfindlichen Charakter ! sagte die Mutter . Ja , ja , setzte Schlurck hinzu , Melanie ist seit kurzem wirblich und wunderlich geworden ! Ich glaube , daß es Zeit ist , sie entschließt sich zu irgend einer Partie . Diese Tändeleien und kleinen Romane stumpfen das Interesse für ein Mädchen ab . Man muß nicht zu lange gefallen wollen und Alle blenden . Das Auftauchen einer hübschen Erscheinung sei wie das kurze Leben eines Schmetterlings ! Weibliche Liebenswürdigkeit muß ein Ziel haben , die Ehe . Hernach kann sie sich ja noch einmal entpuppen und sehen , wie es sich in dieser Welt in anderer Form leben läßt . Die Ehe gibt ja erst die wahre Freiheit . Ich wünsche um so mehr ein Ende , als es Zeit ist , auch einmal über ihre Mitgift nachzudenken , die nicht groß sein wird . Nicht groß ? versetzte die Mutter etwas befremdet . Was verstehst du unter groß ? Ich habe Verluste gehabt , sagte Schlurck verdrüßlich , und werde deren noch mehr haben . Die Verwaltung der Hohenbergischen Güter ist in andere Hände übergegangen , die Administration der Johanniterhäuser wird mir auch noch genommen werden - In Folge des Prozesses ? So wie so ! Bei der Stadt bleiben