Regimenter stand , die zur Sicherung des neu aufgerichteten Königsthrones der Bourbonen und zur Eintreibung der Kriegs-Contribution in Frankreich zurückgelassen wurden , seine Versetzung zu einem der heimkehrenden Regimenter zu erlangen . Aber das Glück , dessen die Freiherren von Arten sich in früheren Zeiten sprüchwörtlich zu rühmen geliebt hatten , war während dieser Kriege auch dem jungen Freiherrn treu geblieben . Strahlend in Siegesfreude , durch die Anstrengungen des Krieges abgehärtet und gekräftigt , hatte Renatus inmitten der vereinigten Heere , an der Spitze seiner Compagnie an dem zweiten Einzuge der Verbündeten in Frankreichs Hauptstadt Theil genommen , und die Reize dieser anmuthsvollsten unter allen Städten , welche er zum ersten Male kennen lernte , hatten auf den jungen Hauptmann , der mit seinen vierundzwanzig Jahren noch ein Neuling in dem Leben einer solchen Weltstadt war und dem die Gelegenheit , sie zu genießen , auf jede Art geboten wurde , ihre bezaubernde Wirkung nicht verfehlt . Allerdings sah die große Menge der Franzosen widerwillig und mit schweigender Empörung auf die fremden Krieger hin , welche ihnen die unwillkommene Herrschaft der Bourbonen aufgezwungen und , was dem Volke vielleicht noch verhaßter war , auch die alten , ausgewanderten Adelsgeschlechter und das ganze Priesterregiment wieder in das Land zurückgeführt hatten . Aber dafür standen den deutschen , russischen und englischen Offizieren in dem neu belebten Faubourg Saint Germain , in welchem die alte französische Aristokratie die in ihren stillen Höfen und Gärten gelegenen Paläste wieder bezogen hatte , Thor und Thüre offen ; und das Hotel der Herzogin von Duras war eines der ersten , das gleich nach der ersten Rückkehr der Bourbonen die alte , gute Sitte regelmäßigen Empfanges wieder aufnahm , denn die Herzogin wollte sich in ihrem Greisenalter endlich für alle die mannigfachen Entbehrungen schadlos halten , denen sie durch lange Jahre unterworfen gewesen war . Wie sie eine der Ersten Frankreich verlassen hatte , so war sie nun als der Ersten eine mit der wiedereingesetzten Königsfamilie in die Hauptstadt zurückgekehrt , und die unbegrenzte Freigebigkeit , welche die Bourbonen von jeher ihren Anhängern angedeihen lassen , war natürlich der Herzogin , die sich seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts immer in der Nähe und im Dienste des Hofes befunden hatte , vor allen Anderen zugewendet worden . Die Wiedererlangung ihres durch seine Gastlichkeit früher so berühmten Schlosses Vaudricourt war nicht mehr ihr Wunsch gewesen . Man wird die Greisin nicht besuchen kommen , wie die junge Schloßherrin , hatte sie sich gesagt , und der König , der an dem Hofe seines Schwiegervaters ihrer Gesellschaft gewohnt geworden war , hatte dieselbe auch in der wiedergewonnenen Heimath nicht entbehren mögen . Die Herzogin war nicht mehr im Dienste , aber sie lebte im engsten Vertrauen des Hofes , und sie verstand den Einfluß , den sie besaß , eben so wohl zu nutzen , als die Unterordnung und die Zuvorkommenheit aller derjenigen Personen , welche durch Vermittlung der Herzogin von dem neuen Hofe Gewährung ihrer alten Ansprüche und Forderungen zu erlangen wünschten . Es war nur wenig Tage nach seiner Ankunft in Paris , als der junge Freiherr in einer der eben ausgegebenen Zeitungen in den Hofberichten die Mittheilung las , daß die Frau Herzogin von Duras am verwichenen Abende ein Fest gegeben habe , welches von dem Könige und der ganzen königlichen Familie mit ihrem Besuche beehrt worden sei . Sie ist also hier , sie ist in Paris ! rief Renatus unwillkürlich aus , und eben so plötzlich , als ihm diese Kunde geworden war , beschloß er , die alte Freundin seines Vaters aufzusuchen . Er dachte freilich daran , welch einen unheilvollen Einfluß die Herzogin Margarethe auf das Schicksal seiner Mutter ausgeübt hatte ; aber diese Vergangenheit lag weit hinter der Gegenwart zurück und er wußte auch wenig Bestimmtes über alle jene Vorgänge . Seine Neugier , die Herzogin wiederzusehen , deren Bild ihm auch nur schattenhaft in der Erinnerung geblieben war , trug daher ohne große Mühe über die flüchtigen Bedenken seiner Kindesliebe den Sieg davon , und er hatte obenein eine schwere , doppelte Versäumniß nachzuholen . Er hatte der Herzogin in der Unruhe seines damaligen Lebens den Tod seines Vaters nicht gemeldet . Er schuldete es ihr daher , sowohl wie dem Andenken seines Vaters , die Unterlassung gut zu machen , und gerades Weges aus dem Kaffeehause in sein Quartier zurückkehrend , schrieb er der Herzogin , daß sein Vater gestorben , daß er selber in Paris sei und daß er sie um die Erlaubniß bitte , sich ihr vorstellen zu dürfen . Noch an dem nämlichen Abende fand er , von einem Gange wiederkehrend , eine Antwort der Herzogin vor . » Sie sind in Paris , lieber René , « schrieb sie ihm , » und nicht in meinem Hause ? - Wie ist das möglich ? - Ein Sohn , der einen Vater wie den Freiherrn verloren hat , ist immer beklagenswerth und hat des Trostes nöthig , welches auch seine Aussichten im Leben sein mögen . Wenn Sie mich nicht wissen lassen , daß es mit Ihren Verhältnissen und Wünschen unvereinbar ist , mein Gast zu sein , so wird morgen Mittag mein Wagen vor Ihrer Thüre stehen , um Ihre Uebersiedlung in mein Haus zu bewerkstelligen . Kommen Sie , wenn es Ihre Dienstpflichten nicht unmöglich machen , mein junger Freund ! Bereiten Sie mir die Genugthuung , mit Ihnen von Ihrem Vater , meinem unvergeßlichen Freunde , zu reden und Ihnen einen geringen Theil der großen Dankesschuld zu entrichten , die nur seine Freundschaft mir leicht zu tragen machen konnte . Auch ich habe einen theuren Todten zu beklagen ; aber Sie sind jung , das Leben liegt vor Ihnen , und auch neben mir blüht ein junges Leben auf . Sie sollen von dem Trübsinne des Alters nicht bei mir zu leiden haben . Somit auf Wiedersehen , mein junger Freund ! « Es war die alte Anmuth , welche allen Briefen