jener Mademoiselle vor uns zu nennen . Pfui ! « » Daß Einem die Galle überläuft ist kein Wunder , « fuhr der alte Herr Erichsen fort ; » kommt nicht einmal mehr zu Tisch , der saubere Herr ! Also da keine Ruhe , weil man sich ärgern muß , und nachher wieder keine , « dabei schielte er mit schmerzlichem Gesichtsausdrucke nach dem unberührten Kaffee . » Ja , es ist eine Schande , « fügte er nach einer Pause bei , als Niemand sprach , » für einen jungen Menschen von Talent , der etwas Rechtes gelernt hat . « » Da liegt eben der Fehler , « entgegnete etwas lebhafter die Kommerzienräthin : » Hättest du ihn was Rechtes lernen lassen , so hätte er kein Künstler zu werden gebraucht , und wäre vielleicht mit - dergleichen Volk nie in Berührung gekommen . « » Aber was will er denn eigentlich ? « fragte Marianne , die sich für ihren Bruder lebhaft interessirte . » Nun , er will sie hei - « erwiderte der Kommerzienrath ; doch ließ ihn ein wahrhaft furchtbarer Blick seiner Gemahlin dies Wort nicht beendigen . Sie hustete heftig und bedeutsam und sagte : » Dergleichen soll vor meinen Ohren nicht genannt werden . So etwas will ich nicht hören ; wenn man über diese - Geschichte sprechen will , so soll man sich passender Ausdrücke bedienen . « » Aber , Mama , Sie sind in der That komisch , « bemerkte Alfons . » Er denkt sehr stark an eine Heirath , wie ich gehört . « » Ich bin nie komisch , Herr Schwiegersohn , « entgegnete die Räthin , » am allerwenigsten in einem Falle wie der vorliegende . Und von einem Zusammenlaufen meines Sohnes mit jener Person kann durchaus keine Rede sein . « » Sie scheinen Arthur nicht zu kennen , denn was er sich einmal vorgesetzt hat , das thut er , « meinte Alfons . » Was in dem Falle Herr Arthur zu thun gesonnen ist , kann mir gleichgiltig sein ; von meinem Sohne ist alsdann nicht mehr die Rede . « Dies sprach die Räthin und machte dazu eine entschiedene horizontale Bewegung mit der Hand , worauf sie ihre Finger wieder auf den Tisch niederfallen ließ und einen wahren Siegesmarsch trommelte , als wollte sie damit anzeigen , daß die Regeln des Anstandes über jedes andere Gefühl den Sieg davon getragen haben . Der Kommerzienrath wagte es , leicht mit dem Kopfe zu schütteln , ja sogar einen mißbilligenden Blick seiner Ehehälfte zuzusenden . Doch bemerkte diese es nicht , denn sie schaute gerade vor sich hin und sagte unter einzelnen bedeutsamen Schlägen auf den Tisch : » Die Scheidung , von der wir vorhin sprachen , wird , ich sehe das wohl ein , nicht wohl zu hindern sein . Mein Herr Schwiegersohn hat Recht , wenn er meint , es könne das einen Makel auf die Familie werfen , und daher kommt mir eben die andere Geschichte , ich möchte fast sagen , erwünscht . Man muß der Welt zeigen , welche - Opfer man bringt , um den Namen des Hauses fleckenlos zu erhalten ; man muß ihr zeigen , daß man ungerathene Glieder der Familie wegwirft ; man muß der Welt deutlich zu verstehen geben : ich habe so gewollt und gethan . Dann werden die Menschen vielleicht so gerecht sein und , jene Scheidung betreffend , sagen : eine Frau , die den einen ihrer ungerathenen Söhne verstieß , würde auch den andern nicht geschont haben , wenn sie in seinem Thun und Lassen etwas Unrechtes entdeckt hätte . - Und so wird es auch geschehen ; lieber will ich allein und verlassen , aber mit Ehren , sterben , als von Kindern umgeben , deren guter Name befleckt ist . « Nach diesen Worten zog sie ihr Taschentuch hervor , hielt es vor den Mund und hustete leise hinein . Auch schaute sie ihre beiden Kinder an und als sie den traurigen Blick Eduards bemerkte , sowie daß die Augen ihrer Tochter voll Thränen standen , zuckte es ein klein wenig in ihrem harten , finstern Gesicht , wie ein leuchtender Blitz , der bei Nacht durch eine Ruine fährt . In diesem Augenblicke hörte man Tritte auf dem Gange , die Thüre öffnete sich und Arthur trat herein . Wenn er in gewöhnlicher Gemüthsverfassung gewesen wäre , so hätte er wohl gemerkt , daß man soeben von ihm gesprochen , und würde sich , unbefangen und freimüthig wie er war , darnach erkundigt haben . So aber schien er das plötzliche und auffallende Verstummen des Gesprächs , sowie die seltsamen Blicke , welche der Vater , seine Geschwister und sein Schwager zusammen wechselten , nicht zu verstehen . Er ging gegen seine sonstige Gewohnheit gebückt und schwankend , seine Züge waren bleich und zerstört , und überhaupt war sein Benehmen vollkommen räthselhaft ; er grüßte kaum die Anwesenden , er entschuldigte sich nicht einmal , daß er nicht zu Tische gekommen , er setzte sich ohne Aufforderung neben seine Mutter hin , die mit einem strengen , fragenden Blick etwas von ihm wegrückte ; ja , er nahm , was selten vorkam , fast mit Gewalt die eine Hand seiner Mutter und drückte sie an seine Lippen . Die Räthin schien das Alles für Bitten anzusehen , und es schauerte sie leicht . Sie hob ihren Kopf noch höher , sie war im Begriff , ihre Hand kräftig zurückzuziehen , als der Ausdruck ihres Gesichts mit einem Mal an seiner Härte verlor , ja ihre Züge augenscheinlich milder wurden , worauf sie ihr Haupt ein wenig zu ihrem Sohne neigte und ihn mit einem fast mütterlichen Tone fragte : » Was hast du , mein Kind ? « Wir wollen dem geneigten Leser nicht vorenthalten , daß die Räthin auf ihrer kalten Hand , als Arthur dieselbe geküßt , heiße Tropfen fühlte , Thränen