Folianten will ich , vor Ihren Augen , so viel Arsenikstaub entwickeln , um das ganze Kammergericht vom Präsidenten bis zum letzten Nuntius , damit zu vergeben . Da würden manche Leute triumphiren , die immer gesagt , daß in den Büchern Gift steckt ! - Au revoir ! « » Aber im Magen des Dieners stak positiv ein starker Arseniksatz . Wie erklären Sie das ? « Wandel verbeugte sich : » Gar nicht ; wo das Märchen anfängt , kriecht die Vernunft in ihr Schneckenhaus . Wenn der Märchendichter ein Motiv erfindet , warum die Lupinus ihren Hausknecht vergiften musste , um ihn los zu werden , wo es ganz einfach bei ihr stand , ihn fortzujagen , wenn er ihr nicht mehr gefiel , wird er auch ein Motiv dafür finden , warum sie dem Hausknecht bei einem Dejeuner Trüffelwürste servirte . Mein Verstand steht still , ich weiß aus dem Märchen keine andere Moral zu ziehen , als daß ein Hausknecht von einer Geheimräthin sich nicht mit Trüffelwürsten muß traktiren lassen . « Er hatte schon vorhin Hut und Stock genommen und drückte jetzt dem Rath die Hand . » Wohin so eilig ? « - » Zu meinem alten Geschäftsfreunde , dem unglücklichen van Asten . « - » Es kam ja noch nicht zum Aeußersten . Der Wein lagert in Stettin . Bis der Konkurs regulirt ist , finden sich doch vielleicht Abnehmer . « » Wer redet davon ! - Sein Sohn , sein einziger Sohn könnte ihn retten , wenn er das Mündel des Alten heirathet . Sechszigtausend - nein , mit den Zinsen müssen es jetzt achtzigtausend Thaler sein , und Demoiselle Schlarbaum ist ein hübsches , sittsames Mädchen , er hat nichts gegen sie einzuwenden , er bekäme eine vortreffliche Hausfrau , aber - der junge Mann denkt höher hinaus , sie ist ihm nicht ästhetisch genug , er hat dem Vater erklärt , betteln wolle er für ihn , nur könne er das Glück seines ganzen Lebens nicht tödten , das wäre Selbstmord an seiner Bestimmung , er gehöre nicht sich allein an , es gebe höhere Pflichten , und was der sentimentalen Redensarten mehr sind . Ich sah eine Thräne im Auge des Alten , als er es erzählte . Und um dieser Tiraden und Sentiments willen lässt der junge Herr , der als ein Muster von Tugend verschrieen ist , den würdigen alten Mann , seinen Vater - ruiniren . Und das loben noch Einige , er hat doch seinen Gefühlen gehorcht ! - O Menschen ! « Als der Legationsrath hinaus war sprach Herr von Fuchsius : » Sollte ich mich doch getäuscht haben ? « Aber der Legationsrath trat wieder ein , ohne anzuklopfen ; ja in seiner Aufregung vergaß er , den Hut abzuziehen . » Sie fanden ein Residuum von Arsenik im Magen des Menschen , des Bedienten oder Hausknechts ? « - » Unzweifelhaftes Arsenikpräparat « Wandel fuhr mit beiden Händen an die Stirn , der Hut flog ab , er selbst sank auf einen Stuhl , einige Minuten sprachlos : » Dann bin ich sein Mörder - ich verschulde indirekt seinen Tod - ich gab den Rathschlag . « - » Erklären Sie sich deutlicher , wenn ich bitten darf . Es ist vermuthlich nur eine Phantasie . « - » Nein , Wahrheit ! Der Mensch litt an einem perennirenden kalten Fieber . - Die Aerzte hatten es nicht erkannt , getäuscht durch zufällige Symptome . Heim macht jetzt Versuche , das Wechselfieber mit Arsenik zu kuriren . Er wendet es bei Unbemittelten an , seit die China durch den gehemmten ostindischen Handel so enorm aufschlug . Ich erzählte in einer Gesellschaft von der ersten glücklichen Kur . - Jetzt entsinne ich mich , die Lupinus hörte mit besonderer Aufmerksamkeit zu - dieser Blick , den ich damals nicht verstand ! - Ihre Wißbegierde , ihre unselige Lust , alles Gewagte zu versuchen - o arme Freundin , jetzt wird mir Alles klar , und ich - Dein Mörder ! Wollen Sie mich jetzt verhaften lassen ; Sie haben ja ein vollständiges Bekenntniß ! « sprach der Legationsrath aufstehend . Fuchsius hat ihn nicht verhaften lassen ; aber als er jetzt hinaus war , um nicht wiederzukehren , sagte der Regierungsrath : » So kann man sich in einem Menschen täuschen . Das ist der Fluch der vorgefassten Meinungen . « Achtzigstes Kapitel . Verschlungene Hände . Ob die Fürstin in der Hedwigskirche ihr Herz ausgeschüttet , wissen wir nicht , aber einige Stunden , nachdem wir sie verlassen , finden wir sie schon in vollständiger Morgentoilette , wie sie mit einiger Verwunderung die Meldung eines Besuches anhört . Der Besuch ward angenommen und der Gesandte , Herr von Laforest , erschien im Zimmer , um bald darauf im Fauteuil ihr gegenüber zu sitzen . Die Fürstin hatte diese - Aufmerksamkeit , wie sie sagte , nicht erwartet . » Die Scheidestunde ist so ernst , daß man über die gewöhnlichen Höflichkeitsformeln wegsieht , « setzte sie hinzu . » Warum ernster , Fürstin , als jede andere Trennung ? « - » Weil es eine auf immer ist . « - » Das Wort immer und ewig ist , dünkt mich , aus dem Lexikon der Diplomatie gestrichen . Nämlich aus dem zum Gebrauch der Adepten . In der Ausgabe , die ins Publikum kommt , ist es freilich dick unterstrichen ; wir schließen immer ewige Verträge . Die Formeln aber dürfen wir nicht aus dem Auge lassen , sie sind die ewigen Fäden , an denen ein zerrissenes Gewebe wieder zusammengeknüpft wird . Man muß auch mit dem Teufel höflich sein , weil man nie weiß , ob man nicht seine Allianz einmal braucht « - » Sie können unmöglich glauben , daß man auch jetzt noch einmal den Bruch kittet . « - » Mit Diesen hier ? Nein . Gott sei Dank , die Saat ist