, aber sie weist ihn konsequent ab . ” “ — So — so — da werden doch auch andere Dinge geredet . Eine zeitlang war sie ganz auffällig von der Bühne verschwunden — es ist übrigens schon lange her . ” “ Ja — damals hatte sie ein Halsleiden . ” “ Ach — die Halsleiden der Schauspielerinnen . . . . ” “ Im übrigen hat er im letzten Sommer der Professor Wallis in Norderney rasend die Cour gemacht . . . . ” “ Lieber Gott , was will denn das besagen ? ” Solche Redensarten bereiteten Agathe ein unerträgliches Weh . Wie konnten die Leute nur über ihn reden wie über einen beliebigen jungen Mann ? Inzwischen wurde die Begegnung mit ihm , die das Mädchen sich zu jeder Stunde fieberhaft wünschte , Eugenie zu teil . Sie erzählte ihrer Schwägerin davon , ein spöttisches Lächeln huschte um ihren Mund . “ Ich habe heute Deinen Lutz gesprochen . ” “ Du — ? Wo ? ” fragte Agathe atemlos . “ Höchst komisch war ' s. Ich hole mir bei dem Musikschmidt neue Noten . . . . Außerdem habe ich noch zwei Pakete , Muff — Schirm . Dazu mein Kleid aufzunehmen . Ich versuchte , das alles mit meinen zwei einzigen Händen festzuhalten . Wer kommt , als ich die Stufen runtersteige ? Lutz ! — bemerkt meine Bemühungen — lächelt . Er hat übrigens ein entzückendes Lächeln . Und denke Dir — ich Gans ! Lasse meine Notenblätter unter dem Arm hervorrutschen — ihm gerade zu Füßen — alle auseinander geflattert . Er bückte sich natürlich und wir haben sie dann ganz artig vom Schnee wieder aufgesucht . — Ich dankte ihm für seine Mühe und er antwortete : “ O — bitte sehr ! ” — Wenn er dieses “ bitte sehr ” zu Dir gesagt hätte — was Agathe ? ” Sie brach in Thränen aus . “ Mein Gott — geht ' s Dir denn so tief ? ” rief Eugenie erschrocken . “ — Ich habe ihn mir um Deinetwillen ziemlich genau angesehen , ” begann sie verständig . “ Es ist einer von den Gefährlichen — das ist keine Frage . Aber Kind — glaubst Du denn , daß Du auch nur einen Gedanken mit dem Manne gemein hast ? ” “ Ich hab ' ihn lieb , ” murmelte Agathe leise . Eugenie seufzte . Sie schnippte zierlich mit den Fingern ein Brosämlein von ihrer neuen Tischdecke und ihre Bewegung deutete an , sie lege nicht viel mehr Wert auf das Gefühl , von dem Agathe bewegt wurde , als auf diesen spärlichen Überrest eines genossenen und abgetragenen Mahles . Gegen Ende des Winters veranstaltete die Gesellschaft von M. , hauptsächlich auf Frau Eugenies Betreiben , einen großartigen Kostümball . Man wollte zugleich wohlthätig sein , die Einnahmen einer Roulette sollten den unter der harten Kälte leidenden Armen zu Gute kommen . Durch Fräulein von Hennings Vermittelung gab Lutz Skizzen und Radierungen zu diesem Zwecke und erteilte aus der Ferne guten Rat . Eine Aufforderung , dem Komitee beizutreten , lehnte er schaudernd ab . Durch ein hohes Eintrittsgeld war dafür gesorgt , daß die Öffentlichkeit des Festes nicht mißbraucht werde und unerwünschte Elemente fern blieben . Menschengewoge füllte das größte Balllokal der Stadt , man fand das Arrangement , das den Kostümfesten der Malerstädte nachgebildet war , ungeheuer originell . Agathe tanzte mit dem Assessor Raikendorf . Aus der sich stoßenden und schiebenden Menge retteten sie sich bald und zogen es vor , nahe der Eingangsthür des Saales plaudernd nebeneinander zu stehen . Agathe hatte die Technik ihres Berufes als junge Dame der Gesellschaft endlich , wenn auch schwerer als ihre Freundinnen , beherrschen gelernt . Es kam zwar immer noch vor , daß sie sich im Ton vergriff — sie gab in offenbarer Verachtung ihres Partners zu wenig , warf ihm gleichsam nur leere Nußschalen zu , oder in belebter angeregter Stimmung enthüllte sie zu viel Persönliches , und setzte die jungen Referendare und Lieutenants , die nur auf konventionelle Antworten gefaßt waren , in peinliche Verlegenheit . Sie war nun einmal keine von den einfachen Mädchen , deren inneres Wesen genau in die Schablone der frischen Tänzerin paßt , und die sich ungescheut geben können , wie sie sind , ohne Erstaunen oder Mißfallen zu erregen . Das hatte der gewiegte Frauenkenner , der Assessor Raikendorf , zufällig entdeckt . Nun reizte es ihn . Man wußte schon , daß er sich gern mit Fräulein Heidling unterhielt . Diese heimlich-leidenschaftliche Opposition gegen ihre ganze Umgebung , von der das Mädchen selber noch nicht einmal die Tiefe , die Ausdehnung und die Gefahr kannte — das war sehr amüsant . In Agathe war noch ein gehöriges Teil von der Abneigung , welche sie auf ihrem ersten Ball gegen ihn gefaßt hatte , zurückgeblieben . Der zornige Haß machte sie gewandt und scharf . Weil ihre Eltern fortwährend klagten , sie brauche zu viel für ihre Toilette , hatte sie bei einer alten Verwandten ein florentinisches Kostüm geborgt , das schon in den dreißiger Jahren von Italien nach Deutschland gebracht worden war . Verblaßt in den Farben , hatte es sich doch sauber und vollständig erhalten : der dunkle Tuchrock , die rote Jacke , das aus Metall gebogene , mit vergilbter Seide überzogene Brustmieder , das volle Spitzentuch um Hals und Schultern — der silberne Haarpfeil und der eigentümliche , des Mädchens Antlitz mit zarten , weißen Schleiern umrahmende Kopfputz — sie ahnte nicht , wie ausgezeichnet der Anzug zu ihr paßte , wie sie so mit ihren schönen Zügen und den tiefen braunen Augen das norditalienische Modell einer vergangenen , historisch gewordenen Kunstrichtung darstellte . Fremd und vornehm stand sie unter den schreiend bunten mit Gold und Silber überladenen Masken . Vor einer Weile hatte sie im Vorzimmer Lutz und Fräulein Daniel bemerkt , die sich von einigen Schauspielern verabschiedeten . Fräulein Daniel