er ja manches vor sich gebracht habe . Die Prinzessin aber winkte ihm ab und rief ungeduldig , mit ihren muntern Augen von einem zum andern blickend : » Nicht stören , weiter , weiter ! Sehr interessant alles dieses ! Handel , Industrie – Industrie ist Trumpf , sagt mein Bruder , der Herzog . Ich bin begeistert , in Ihnen , Herr von Debberitz , einen Vertreter jener Kreise kennenzulernen . « Theodor Debberitz schmunzelte . Das Wörtlein » von « gefiel in so naher Verbindung mit seinem Namen seinen Ohren allzu wohl . Fritz aber sagte : » Hoheit fühlen mit Recht , daß ein Mann , der im Begriff steht , seiner engern Heimat von unermeßlichem Nutzen zu werden und durch ein neues riesiges Unternehmen diese Gegend zu ungeahnter Blüte zu bringen , ihr sozusagen die Goldströme des internationalen Verkehrs zuzuführen , in erster Linie den Adel verdient und sicher auch in nicht allzuferner Zeit von seinem Fürsten für seine immensen Verdienste damit belohnt werden wird . « » O , « rief die Prinzessin , » immense Verdienste ! Gewiß wird mein Bruder , der Herzog , nicht verfehlen ... wenn ich auch selbst natürlich wenig Einfluß habe . « Es geschah Herrn Debberitz , daß er errötete wie ein junger Bursche , während der Regen von Fritzens Lobeserhebungen sich über sein Haupt ergoß . Noch vor wenigen Minuten würde er diese reklamehaften Anpreisungen als ein plumpes Geschäftsmanöver einfach verlacht haben . Er erkannte sie auch jetzt als ein solches , aber sie eröffneten ihm zugleich neue Ausblicke , die ihm mit einem Male einen ganz neuen Weg für seine Ziele zeigten . Durch die neckische Art , in der Fritz mit der Prinzessin verkehrte , hatte Debberitz ja erst einen Einblick gewonnen , wie es eigentlich unter diesen Leuten herging , wie nahe sie zusammenhingen , wie fest und sicher das Band geschlungen war , das diesen Kreis verband . Nein , nicht indem er die Familie von Kosegarten aus ihrem Besitz vertrieb und sich an ihre Stelle setzte , würde es ihm gelingen , Einlaß in den heiligen Zirkel zu finden , sondern im Gegenteil , im Anschluß an sie , von ihr geschoben und geführt , mit ihr durch tausend Interessen verknüpft und , wer weiß – am Ende gar durch Familienbande verbunden . Alle diese Erwägungen zogen , wenn auch nicht ganz klar formuliert , blitzschnell an seinem Geist vorüber . Und so geschah es , daß er Fritzens Vorschläge in einem andern Licht erblickte und mit einigen Möglichkeiten zu rechnen begann , die ihm bisher noch nicht aufgegangen waren . Die bei Herrn Debberitz stattfindende innere Veränderung in der Betrachtungsweise von Fritzens Vorschlägen wurde äußerlich von ebendiesem durch eine verlockende , mit den heitersten Farben geschmückte Ausmalung des neuen Weltbades Rauschenrode-Hirschburg-Nassenstein begleitet . Die Prinzessin zeigte sich begeistert von dem Bilde , das er ihr im Stil eines amerikanischen Reporters entwarf . Sie klatschte in die Hände wie im Theater und tief mehrfach : » Bravo , bravo , bravissimo ! Das wird ein anderes Leben hier werden , da werden wir uns amüsieren können . O , man wird Toiletten hier sehen – nicht nur die gehäkelten Tücher der Sommerfrischenmütter . Wir werden doch Kurkonzerte haben , nicht wahr ? Könnten Sie nicht eine Rulette aufstellen lassen ? Ach , bitte , bitte ! Das wär so nett ! « » Wer weiß , was alles im Schoß der Zukunft verborgen ruht , « orakelte Fritz munter drauflos . Debberitz aber sagte ernst und gewichtig : » Hoheit , die Chose ist noch nicht spruchreif . Solche Gründung will überlegt werden . Der Deubel auch ! Dabei handelt sich ' s nicht um einen Pappenstiel . « » O , Herr von Debberitz , « rief die Prinzessin bittend und die Lippen aufwerfend wie ein schmollendes Kind , » überlegen Sie nicht zu lange ! Es wäre süperb , wenn wir nächsten Sommer schon die Kurkonzerte hätten – und ein kleines Jeuchen ! « Sie beugte sich vor , blickte ihn mit einem ihrer koketten Schelmenblicke in die Augen und tippte ihn aufmunternd mit dem Fächer auf den Arm . Obwohl Prinzessin Karoline dem fünfzigsten Jahre näher stand als dem vierzigsten , rann Theodor Debberitz dennoch bei dieser leichten Berührung ein Schauer der Wonne durch die Glieder . Er bemühte sich , gnädig gewährend und zugleich dankbar beglückt zu lächeln , und sagte mit einem tiefen Atemzuge : » Hoheit können versichert sein , daß Theodor Debberitz alles tun wird , was in seinen Kräften steht , um Hoheits Wünsche zu erfüllen ! « Die Prinzessin schlug mit einem kleinen jugendlichen Jauchzer in die Hände und rief : » Das wird schrecklich ... Nun wird man wieder niemals genug Geld haben ! « Sie wandte sich vertraulich zu Fritz : » Ach , Herr von Kosegarten , diese ewigen Geldkalamitäten ! Gar nicht nett , gar nicht nett für eine Prinzessin ! « » Begreife ich vollkommen ... Sollte auch niemals einer Dame , wie Hoheit sind , nahetreten . Aber es gibt da eine Abhilfe ... « Und sich zu der Prinzessin niederbeugend , flüsterte er ihr mit dem zärtlichsten Tonfall seiner liebenswürdigen Stimme ins Ohr : » Haben Hoheit schon einmal das Wort » Aktien « gehört ? « » Gewiß doch , « rief die Prinzessin stolz , » Aktionäre – Millionäre , ist das nicht etwas Ähnliches ? « » Nun , Hoheit , « sagte Fritz , während Debberitz in ein pruschendes Lachen verfiel , » zuweilen trifft beides zusammen , zuweilen weniger , zuweilen auch gar nicht ! Wer aber eine genügende Anzahl der Aktien des Elektrizitätswerkes Rauschengrund sowie des Weltbades Rauschenrode-Nassenstein erwirbt , der , Hoheit , das darf ich wohl mit der Überzeugung eines ehrlichen Mannes behaupten , dürfte dem Millionär um eine beträchtliche Stufe nähergerückt sein ! « Die Prinzessin griff nach Fritzens Arm und drückte ihn in der Freude