kam ihr Ernst zu Hilfe . » Komm , Lisbeth , da drüben im Gartenhause sind die jungen Kätzchen mit ihrer Mutter , mit denen sollst du spielen . – Es bleibt dabei , gnädige Frau , ich lasse sofort den neuen Pachtvertrag aufsetzen und bringe ihn dann selbst nach Gernsbach . Arnold , du mußt mich einstweilen hier vertreten , ich habe noch Geschäftliches zu erledigen . « Damit nahm er die Kleine an die Hand und führte sie nach dem Gartenhäuschen , wo die Katzenfamilie sofort ihre ganze Aufmerksamkeit fesselte . Arnold sandte seinem Freunde einen dankbaren Blick nach und widmete sich dann mit vollem Eifer der » Vertretung « . Er schien auch Glück damit zu haben . Ernst Raimar stand inzwischen am Fenster seines Wohnzimmers , das im oberen Stock lag , und blickte mit verschränkten Armen hinab in den Garten . Er hörte das Lachen des Kindes das sich mit den Kätzchen herumjagte , hinter dem Rosengebüsch schimmerte das helle Kleid der jungen Frau , und daneben war die Gestalt Hartmuts sichtbar . Ernst wandte sich jetzt plötzlich mit einer jähen Bewegung ab . Er nahm den Brief nach Berlin , der zum Abgehen fertig lag , von seinem Schreibtisch , um ihn fortzusenden , aber um seine Lippen zuckte es dabei wie mühsam verhaltene Qual . Er hatte ja auch geträumt , einen kurzen Frühlingstraum von wenigen Tagen , dann war ein bitteres Erwachen gekommen . Freilich ein Erwachen zum Kampf , zum Leben , aber das Glück – das ging doch in Trümmer dabei ! Hexengold ! Ein seltsamer Titel ! Man hatte die Flugschrift mit Kopfschütteln zur Hand genommen , aber schon auf der ersten Seite wurde die Aufmerksamkeit gefesselt , denn da war ein Name genannt , den jeder kannte . Felix Ronald , dessen Glück fast sprichwörtlich geworden war , der alles , was er berührte , in Gold zu verwandeln schien . Wie ein Meteor war er aus dem Dunkel emporgestiegen und von Erfolg zu Erfolg geschritten , hatte alles , was ihm anfangs noch feindlich oder mißtrauisch gegenüberstand , in seinen Bannkreis gezogen und übte jetzt eine unbestrittene Herrschaft in diesem Kreise aus . Die Steinfelder Industriewerke , sein erstes großes Unternehmen , das jetzt in die Hände der Aktiengesellschaft übergehen sollte , galt für eines der glänzendsten und gewinnreichsten , und das rechtfertigte die riesigen Summen , die dafür gefordert und bewilligt wurden . Die Ausgabe der Aktien deckte ja das alles und war mehr als gesichert . Man fand es begreiflich , daß Ronald von der Leitung zurücktrat . Der Mann erlag ja fast unter der Last all seiner Unternehmungen , er mußte sich wenigstens zum Teil davon frei machen , wenn er sich , wie es den Anschein hatte , jetzt den Aufgaben der hohen Finanz zuwenden wollte . Man wußte , daß er beim Abschluß der neuen Anleihe eine hervorragende Rolle gespielt hatte , und munkelte von einer besonderen Auszeichnung , die ihm zugedacht sei . Und nun kam auf einmal diese Flugschrift mit ihren Enthüllungen , die wie ein Blitz niederfuhren in das ahnungslose Publikum . Nun wurden auf den Steinfelder Werken Verhältnisse aufgedeckt und Dinge an das Licht gezogen , die ganz unglaublich schienen . Die glänzenden Jahresabschlüsse sollten Trug und Schwindel sein und die Werke schon seit Jahren mit Verlust arbeiten . Das Schweigen aller , die durch ihre Stellungen einen Einblick in die Sache haben mußten , sei erkauft , die anderen seien mit unlauteren Mitteln eingeschüchtert , und gegen die Arbeiter werde ein Ausbeutungs- und Bedrückungssystem ohnegleichen geübt . In einem Gebäude , das so sicher und festgegründet zu stehen schien , wurden jetzt Thüren und Fenster aufgerissen , und nun sah man die klaffenden Risse und Spalten in den Mauern , die wankenden Pfeiler – das brach ja rettungslos zusammen ! Wer aber war dieser Warner , der da so urplötzlich aufstand und den gefürchteten Ronald so kühn angriff ? Er nannte sich nicht , aber er wies auf die Thatsachen in Steinfeld selbst hin . Man solle sich dort die Beweise holen , man solle die Beamten , die Arbeiter , die bisher nicht zu sprechen wagten , zum Reden bringen , und in dem Schlußworte wurde dem Publikum zugerufen : Das ist eine der Schöpfungen des unheilvollen Mannes ! Seht euch die anderen an , sie tragen alle den Zusammenbruch in sich ! Dies » Hexengold « war in einem geradezu glänzenden Stile geschrieben und es wirkte beim Lesen wie eine flammende , hinreißende Rede von der Tribüne aus . Man riet bald auf einen Journalisten , bald auf einen Abgeordneten , bekannte und berühmte Namen wurden genannt und die Betreffenden direkt und indirekt ausgeforscht . Sie lehnten alle mit der größten Entschiedenheit die Autorschaft ab , und das steigerte noch das allgemeine fieberhafte Interesse . Ronald antwortete später , als man erwartete , er ließ eine volle Woche verstreichen , dann aber kam die Antwort mit gewohnter Energie . Er erklärte , ohne sich auf Einzelheiten einzulassen , alles für Verleumdung , für eine erbärmliche Intrigue , um die in der Bildung begriffene Aktiengesellschaft unmöglich zu machen , und dann wandte er sich gegen den » feigen Verleumder « , der die Ehre und die Stellung anderer zu untergraben suche und nicht einmal den Mut habe , sich zu nennen . Mit einem Namenlosen lasse er sich überhaupt nicht ein , der Angriff sei dadurch allein schon gerichtet . Der Sturm , der da eben in Berlin losbrach , hatte auch das stille Gernsbach in Mitleidenschaft gezogen . Frau von Maiendorf wußte ja von der Verlobung , die in ihrem Hause geschlossen , im übrigen aber ein Geheimnis geblieben war . In einigen Wochen , im Laufe des Oktober , sollte die Standeserhöhung Ronalds und zugleich die öffentliche Ankündigung der Verlobung erfolgen , und nun kam dieser Schlag . Wilma , die durch die Zeitungen von der Sache erfuhr , hatte sofort an Edith geschrieben