, dazwischen knisterte leise die schwere Seide der Kirchenfahnen , im Hintergrunde aber flammte der Hochaltar , von hundertfachem Kerzenglanze umstrahlt , von Weihrauchwolken umzogen , überragt von dem Bilde des Gekreuzigten und umgeben von der Priesterschaar , ein unnahbares , gottgeweihtes Heiligthum . Auf seinen Stufen stehend vollzog der Prälat die heilige Handlung . Und wahrlich , hier war der Ort , wo seine Erscheinung zur vollsten Geltung kam , es lag etwas Erhabenes in der stolzen feierlichen Würde , mit der er die vorgeschriebenen Ceremonien verrichtete . Jetzt hob er die Monstranz , und auf die Kniee nieder stürzte Hoch und Niedrig und beugte demuthsvoll das Haupt zur Erde , nur die Priester standen aufrecht da und blickten nieder auf die knieende Menge , die sich vor dem Allerheiligsten beugte , es sah fast aus , als beugte sie sich jenen allein . Unmittelbar an der Seite des Prälaten befand sich Benedict ; auch er trug heut ’ nicht das schwarze Ordensgewand , sondern war , wie alle Uebrigen , im vollen priesterlichen Ornate . Die kostbaren , reichgestickten und golddurchwirkten Gewänder hoben seine Erscheinung mächtig und wirkungsvoll , und sie verlor nichts durch die Blässe der Züge , die unter dem dunkeln Lockenhaar hervorleuchtete ; manches Auge aus den Reihen der Andächtigen hing an dem jungen Priester , mancher Blick heftete sich bewundernd auf ihn , er aber sah kalt und unbewegt auf die Menge , die Ceremonie , bei der auch er betheiligt war , schien ihn allein zu beschäftigen . Und doch waren seine Gedanken weit weg von dem Hochamt und dem geweihten Raume , sie suchten fern eine stille Waldeseinsamkeit ; lauter rauschte die Musik vom Chore hernieder , dichter stieg der Weihrauch vom Altare empor , aber mitten in den jubelnden Tönen klang das leise träumerische Rieseln einer Quelle , aus den Weihrauchwolken hervor dämmerte ein rosiges Kinderantlitz mit langen braunen Locken , und ein Paar große blaue Augen blickten ihn bestürzt und thränenvoll an – die Lippen des Priesters zuckten , er rang sich gewaltsam los von diesen Bildern , die ihn Tag und Nacht umdrängten , die ihm selbst hier am Altar keine Ruhe mehr ließen , er war ja ein Mönch , und jene Bilder waren ein Verbrechen ! Die übrigen Geistlichen schienen es weniger gewissenhaft mit der Heiligkeit des Ortes und der Stunde zu nehmen , die lange Gewohnheit hatte sie abgestumpft dagegen . Zwar bewahrten auch sie die volle äußere Würde , aber als die Musik nun wieder mit vollster Macht einsetzend all die leiseren Töne verschlang , und die jetzt folgenden Ceremonien ihre Aufmerksamkeit nicht mehr so ausschließlich in Anspruch nahmen , da bewegte sich [ 90 ] manche Lippe , und leise , fast unhörbar flog Rede und Gegenrede zum Nachbar hinüber und wieder herüber , die hochwürdigen Herren waren längst an diese Art der Unterhaltung gewöhnt , von der man freilich in der Kirche nichts bemerkte . „ Der Benedict sieht heute prachtvoll aus ! “ flüsterte Pater Eusebius dem Prior zu , der an seiner Seite stand „ Im einfachen schwarzen Talar sollte man nicht glauben , daß er sich so ausnehmen könnte . Das ist eine Erscheinung , die unserm ganzen Stifte Ehre macht ! “ „ Einer Uniform würde er noch mehr Ehre machen ! “ gab der Prior boshaft , aber ebenso leise zurück , während sein Blick nach dem Betstuhl der Rhaneck ’ schen Familie hinüberflog , wo neben den Epauletten des Grafen die seines Sohnes glänzten . „ Warum nicht gar ! “ murmelte Eusebius . „ Und sieh nur , wie Graf Rhaneck zu ihm hinüberblickt ; mir scheint , er sieht von der ganzen hochwürdigen Assistenz nur den Einen ! Aber seltsam ernst und finster ist heute das Gesicht des Grafen , findest Du nicht ? “ Das widrige Lächeln zuckte wieder um den Mund des Priors , während er zugleich in vorgeschriebener Weise den Kopf tief herabbeugte und die Hände ineinander legte . „ Seine gräfliche Gnaden zögen es vielleicht vor , Pater Benedict als Majoratserben an seiner Rechten zu haben , und dafür den Grafen Ottfried am Altare zu sehen . Wer weiß es ! “ „ Thorheit ! “ flüsterte Eusebius , die Bewegung des Priors nachahmend , „ glaubst Du etwa auch gewissen dunklen Gerüchten ? “ „ Ich glaube nur meinen eignen Augen und die sehen ziemlich scharf . Hüte Dich übrigens , daß jene Gerüchte Benedict nicht zu Ohren kommen , er ist schon hochmüthig genug , und wenn – “ Die laute volltönende Stimme des Prälaten unterbrach ihn , er sprach die Worte des Segens , die beiden Priester schwiegen , Todtenstille legte sich über die ganze Versammlung . Das Hochamt war zu Ende , die Menge drängte nach den Kirchthüren und auch die vornehmeren Zuhörer erhoben sich aus ihren Stühlen , während der Prälat mit seiner Geistlichkeit sich zurückzog . In der gleichfalls leeren Sacristei lehnte Benedict am Fenster , er trug noch die kirchlichen Gewänder und schien gar nicht daran zu denken , daß er sie ablegen mußte . Den Kopf in die Hand gestützt , blickte er hinaus in die sonnige Welt da draußen , nach den Bergen hinüber , die in voller Majestät dort in der Ferne aufstiegen ; da ward eine der Seitenthüren geöffnet und der Prior trat ein . „ Wie , Pater Benedict , noch im vollen Ornate ? “ fragte er scharf . „ Die Messe ist längst vorüber , warum legen Sie die Gewänder nicht ab ? “ „ Ich hatte es vergessen . Ich werde sogleich – “ Benedict wollte sich entfernen , doch der Prior hielt ihn zurück . „ Sie haben vorhin den Herrn Prälaten um eine Unterredung ersucht ? “ „ Ja ! “ „ Und das gerade heut an diesem vielbeschäftigten Tage ? Ihr Anliegen scheint sehr dringender Art zu sein . “ „ Interessirt Sie das , Hochwürden ? “ fragte der junge Priester ruhig