für immer entkleide . Darüber habe ich ihn oft , die Faust auf die Stirne gedrückt , grübeln und brüten sehen . Eines Morgens trat er mit triumphierendem Angesicht aus seiner Kammer – er glaubte das Rätsel gelöst . Es war am Tage der Himmelfahrt unseres Herrn , daß Herr Heinrich vor die Versammlung seiner Barone trat und ihnen vorstellte , sein weit verästetes Reich bedürfe eines zweiten Hauptes und er würde sich , die Krone mit seinem Erstgebornen teilend , Last und Sorge erleichtern . Die Herren willigten in guten oder bösen Gedanken und Absichten ein , daß Prinz Heinrich neben seinem Vater gekrönt werde , und es krönte und salbte den Jüngling der normännische Bischof von York . Darauf folgte ein der Gelegenheit würdiges Festmahl und dabei begab es sich , wie ich hier vor einem Jahre Euern Brüdern , den Herren im Stift , vorgemacht und nach Wahrheit beteuert habe , daß mein Herr dem Jungkönige Heinz bei Tische diente und ihm eigenhändig die Speise vorlegte . › Heute bin ich einer schweren Bürde ledig geworden ! ‹ rief er und vergoß Tränen der Freude . Ist Euch die List der Sache klar , Herr ? Erkennet Ihr , welche Last mein König abzuwerfen wähnte ? Ihr schüttelt das Haupt ? Wohlan , hier habt Ihr den Schlüssel dazu . Das große Privilegium , der unvergleichliche Edelstein der bischöflichen Mütze von Canterbury war die Krönung der englischen Könige . Dadurch , daß sie ein anderer Bischof vollzog , wurde die Primaswürde vernichtet und Herr Thomas heruntergerückt . So rechnete mein König und ergriff das Mittel , den eiteln Heinz an seine Seite auf den Thron zu heben ; denn er meinte , sein Erstgeborner werde sich damit begnügen , das schimmernde Krönlein auf seinem Haupte im Spiegel zu betrachten und es auf Gewand und Pferdedecke sticken zu lassen . War der Plan nicht fein und staatsklug wie weiland die Ratschläge des jetzt der Schlauheit der Welt abgestorbenen Kanzlers ? Es war ein böses Fündlein , wie Herr Heinrich kein schlimmeres hätte tun können ! Wenige Wochen später zeigte es sich . Zwei Unheilskunden langten an dem gleichen Tage in Windsor an . Die eine erzählte , Jungkönig Heinrich sei , den wetterwendischen Herrn Gottfried mit sich ziehend , nach Paris geritten unter dem Vorwande eines Turniers , in Wahrheit aber , um die jenseits der Meeresenge gelegenen Länder des Normannenreiches unnötiger und schmählicherweise von dem Kapetinger zu Lehen zu nehmen . Die andere lautete , der verborgene Herr Thomas sei in einer französischen Stadt zu Pfingsten an den Tag getreten und habe unter dröhnendem Glockenschlage die brennenden Kerzen auf dem Hauptaltare des Doms mit dem Hauche seines Mundes gelöscht , den Bischof von York , der in die Rechte des Stuhles von Canterbury gegriffen , mit dem Banne schlagend . Wie der alte König , denn diesen unlieben Namen mußte mein Herr seit der Krönung seines Sohnes tragen , diese zwei Botschaften erhielt , gebärdete er sich wie ein wahnsinniger Mann . Er tobte , entgürtete sich vor seinen Knechten , warf sich stöhnend auf sein Lager , zerfetzte die seidenen Decken , riß mit den Zähnen die Wolle aus den Polstern und zerschlug sich die Brust mit verzweifelten Fäusten . › Löset mir den verruchten Vampir vom Herzen ! ‹ heulte er , den Schaum vor dem Munde und meinte Herrn Thomas , › er zernagt mir Leib und Seele ! ‹ « Herr Burkhard hörte diese Mär mit Unlust , denn er war ein reichstreuer Waiblinger und darum auch in den Händeln anderer Nationen ein königlich gesinnter Mann . Es konnte ihm nicht gefallen , einen großen und tapfern Fürsten in solcher Erniedrigung seiner selbst zu erblicken . Er machte seinem Mißbehagen mit einem Stiche gegen den gehärteten Armbruster Luft . » Die zwei Hiobsposten an demselben Tage ? . . . Hans , du träumst ! – Liegt doch ein volles Jahr dazwischen , wenn die Zahlen auf den Rändern meiner Chronik nicht lügen ! . . . « » Bleibt mir vom Leib mit nichtigen Zahlen ! « grollte der Armbruster . » Ein anderes ist es « , fügte er , seines unwirschen Wortes sich sogleich bewußt , mildernd hinzu , » ob einer noch im Tagewerke und in der Zeit steht , oder ob der Tod sein Lebensbuch geschlossen hat . Ist einmal das letzte Sandkorn verrollt , so tritt der Mensch aus der Reihe der Tage und Stunden hinaus und steht als ein fertiges und deutliches Wesen vor dem Gerichte Gottes und der Menschen . Beide haben recht und unrecht , Eure Chronik und mein Gedächtnis , jene mit ihren auf Pergament gezeichneten Buchstaben , ich mit den Zeichen , die in mein Herz gegraben sind . Aber haltet mich nicht auf ! Mich verlangt zu enden , lieber Herr . Denn ich erblicke ein blutiges , totes Haupt vor mir und den gegeißelten Rücken meines Königs . XI XI Am Abende des Tages , da mein Herr und König durch sein blindes Wüten sich selbst geschändet und vor seinen Knechten erniedrigt hatte , saß ich niedergeschlagen und einsam , voll Scham und Trauer um meinen Herrn , auf einem Mäuerchen bei den Stallungen . Da erhielte ich unversehens einen Schlag auf die Schulter und Herr Richard , der nach seinen Hengsten geschaut , schwang sich , leutselig , wie er mit den Knechten war , rittlings neben mich auf die Mauer . › Hans ‹ , sagte er ohne Umschweif , › deine Augen haben gesehen , wie sinnlos und unritterlich der Vater sich heute gebärdete ! Versänke dieser Tag in ewige Finsternis ! . . . Eine reißende Bestie ! . . . Jammer und Schande ! . . . ‹ Zwei kindliche Zornestränen rannen über seine Wangen . – › Gut noch , daß die Aufrührer , der Heinz und der Gottfried , solches Ding nicht geschaut haben ; sie würden den elenden Mann am französischen Hofe