unversehrt . Nur ein Teil der Haarwellen ist weggebrochen , aber was schadet das ? Ich halte die Seele hier , den Aufblick der Augen , der mir zu denken geben wird , so lange ich künstlerisch schaffe ... Übrigens lassen sich die Splitter wieder aneinanderfügen – die Risse wird man freilich sehen , es hat an Wert verloren ; aber um so eher darf ich mir es nun aneignen – es ist mein , ich gebe es nicht wieder aus der Hand . « Er legte die einzelnen Stücke behutsam zwischen das weiche Papier und schob sie in die Brusttasche . Lucile machte ein bitterböses Gesicht . » Mein Gott , was für ein Wesens um den dreizehnjährigen Backfisch ! « grollte sie . » Das fängt gut an ! – Wenn die kleine Bucklige mit ihren schwarzen Zigeuneraugen schon im Bilde so schrecklich dominiert und regiert , wie mag ' s da erst in Wirklichkeit sein ! ... Paß auf , Felix , das gibt schon in der ersten Stunde Zank und Streit , denn ich lasse mich nicht unterdrücken , keinenfalls ! – Oh , sie mag ' s probieren ! « – Sie machte halb drollig , halb böse so allerliebst und graziös die Gebärde des Augenauskratzens , daß der Freiherr in ein begeistertes » Famos ! « ausbrach und Felix die beweglichen rosigen , kleinen Hände erfing und sie in trunkener Zärtlichkeit gegen seine Brust zog . » Ich werde ja bei dir sein , Lucile , « sagte er innig . » Und Freund Lucian wird dem reizenden Puck da so wenig widerstehen wie sein Sohn , « lachte der Freiherr und seine feurigen Augen verschlangen förmlich die geschmeidige Mädchengestalt in den Armen des jungen Mannes . » Und nun , wann wird marschiert , Felix ? « » Am liebsten sofort ! « » Gut – dann tapfer hinaus , gleich morgen mittag ! Die nötigen Papiere besorgen wir früh , « bestimmte der alte Herr . » Die Zofe , die noch jammernd im Hotel sitzt , geht selbstverständlich mit . « » Und willst du Deutschland wirklich auf diese Weise verlassen , Felix ? « fragte Baron Schilling ernst . » Ohne die Mutter deiner Braut zu – « » Um Gottes willen , lieber Baron , was fällt Ihnen ein ? « unterbrach ihn Lucile ganz entsetzt . » Sie kennen die Mama nicht ! Wenn wir uns in Wien blicken lassen , so sind wir verloren , geschiedene Leute für immer , sag ' ich Ihnen ! – Mama schlägt sofort Lärm – sie bringt die ganze Polizei auf die Beine und ist imstande , Felix hinter Schloß und Riegel setzen zu lassen ... Sie gibt ihre Einwilligung nie – lieber steckt sie mich ins Kloster – puh ! Gräßlich ! – Felix , ich bitte dich fußfällig , lasse dich nicht irre machen ! Gelt , wir gehen direkt aufs Schiff ? – « » Ohne Aufenthalt . « bestätigte er fest und entschlossen . » Magst du mich verurteilen , Arnold . Es tut mir weh , aber ich muß es ertragen – mein Glück lasse ich mir nicht entschlüpfen ... Ich werde von drüben aus alles aufbieten , um zu versöhnen und gut zu machen – darauf verlasse dich . « – Er wandte sich unmutig ab , denn der mißbilligende Ausdruck in den ernsten Augen des Freundes milderte sich nicht . » Du kannst mich freilich nicht verstehen , du – « er wollte sagen , » du liebst nicht « – aber er verschluckte die Worte mit einem Blick nach der jungen Frau , die sich eben ziemlich geräuschvoll erhob , indem sie ihren Stuhl zurückstieß . Sie hatte während der ganzen letzten Erörterungen sehr erstaunt und entrüstet ausgesehen . Nun ging sie nach einer Art Ruhebank , die , mit seidenen Kissen belegt , dicht an der Wand stand . Dort ließ sie sich nieder und lehnte den Kopf an das Schnitzwerk der Wandfläche . Dabei löste sich einer der lockergesteckten Flechten am Hinterkopf und fiel ihr über die Brust – selbst das verschönte sie nicht . Einem blühenden Gesicht hätte man dies herrlich üppige Blond zugestanden : hier aber sah es aus wie geborgt , als gehöre es nicht zu der Frau ... So saß sie mit im Schoße gefalteten Händen , einen Zug schweigender Verachtung um den Mund , und die Augen halb geschlossen – der verkörperte Protest gegen die Mitgehörigkeit in den Kreis der Verhandelnden . Der Freiherr streifte sie mit einem halb belustigenden , halb ärgerlichen Seitenblick . » Ich bitte mir ' s aus , daß du den Kindern das Leben nicht schwer machst , Arnold ! « rief er in seiner leichtlebigen , jovialen Weise . » Felix ist ein famoser Kerl – hat kein Froschblut in den Adern ! Ich hätt ' s um kein Haar anders gemacht in meiner Brausezeit ! Ein Schwachmatikus , der da fackelt und das Glück nicht beim Schopfe nimmt , wenn ' s ihn anlacht ! ... Geh , schelle , mein Sohn – Adam soll Champagner bringen – « » Adam , Papa ? Du hast ihn ja heute nachmittag fortgeschickt . « Der alte Herr fuhr mit weit geöffneten , erstaunten Augen herum , als höre er nicht recht – dann schlug er sich erinnernd vor die Stirne . » Verfluchte Geschichte ! Ich kann den Kerl nicht entbehren ! « polterte er erbost . » Ist er im Ernste fortgelaufen , der dumme Mensch ? « » Ja , Vater – infolge deines ausdrücklichen Befehles , « sagte Baron Schilling . » Du hast ihm heute allzu schlimm mitgespielt . « » Bah – soll ich den Mosje mit Handschuhen anfassen , wenn er schlechte Streiche macht und seinen alten Herrn verrät ? « » Ich habe Adam gesprochen , « sagte Felix mit warmer Fürbitte , » er war ganz außer sich vor Schmerz ... Ich