, indem er mit seiner verstümmelten Hand die Mütze von seinem Haupte entfernte , » der Schiffer glaubte , ich habe Geld und wolle es nur nicht herausgeben ; ich versichere dem Herrn aber , daß ich nichts , als dieses Stück Brod besitze , und warten konnte ich nicht länger , ich muß nach Hause , um nach meinem Jakob zu sehen . Jakob wird Hunger haben , und die Hälfte dieses Brodes ist für ihn bestimmt . « » So ist Jakob wohl Dein Bruder ? « fragte ich , mich langsam in Bewegung setzend . » Ach , wenn Jakob mein Bruder wäre ! « rief der Unglückliche mit vor Lachen röchelnder Stimme aus , » nein , mein Bruder ist nicht so gut , mein Bruder schlüge am liebsten zuerst mich und dann Jakob todt . Ich habe es ihm aber versprochen , thut er meinem Jakob etwas zu Leide , so lege ich Feuer an unser Haus ; mich mag er schlagen , so viel er will . Aber gehen der Herr nur schneller , sein Weg ist der meinige , und wenn es dem Herrn nicht zu gering ist und er es mir erlauben wollte , an seiner Seite zu gehen – ? « » Keineswegs ist es mir zu gering , « antwortete ich , meine Schritte beschleunigend , » ich liebe Gesellschaft , und wenn ich Dir armen Burschen eine Freude damit bereite , will ich meine Eile ganz nach Deiner Kraft bemessen . « » Wie gut der Herr ist , und wie ich ihm für feine Güte danke , « erwiderte der Krüppel , sich jetzt so schnell vorwärts bewegend , daß ich Mühe hatte , gleichen Schritt mit ihm zu halten , » ich höre nicht oft solch freundliche Worte , wenn ich sie aber einmal gehört habe , dann vergesse ich sie nie wieder . Ich heiße Anton . « » Anton ? ei , das ist ein hübscher Name . « » Viel zu hübsch für ein Geschöpf , welches dazu geschaffen ist , andern Menschen Abscheu einzuflößen , « lautete die mit Bitterkeit gegebene Antwort . » Nicht doch , Anton , Du mußt nicht ungerecht sein , Mitleid solltest Du sagen , Mitleid und Bedauern . « » Ja , ich will es sagen , dem lieben freundlichen Herrn zu Gefallen , aber ich weiß doch , warum die Leute mir aus dem Wege gehen und die Blicke abwenden , wenn ich sie um ein Almosen bitte . O , wenn ich nur arbeiten könnte ! Wie herrlich muß es sein , die Axt schwingen , den Spaten handhaben und die Pferde vor dem Pflug antreiben zu können . Doch der Anton ist dumm , und wer dumm ist , der ist auch schlecht , und wer schlecht ist , den treten die Menschen mit Füßen . « » Du hast mir noch nicht gesagt , wer Dein Jakob ist , jedenfalls ein braver Bursche , der Dir immer freundlich begegnet , « bemerkte ich , um des armen Menschen Gedanken von seiner eigenen bedauernswerthen Lage abzulenken . » Ein braver Bursche , « versetzte Anton und ein Ausdruck der Heiterkeit flog über sein Gesicht , » und wenn mein Jakob stirbt , will ich mit ihm sterben . « » Aber so sage doch , wer ist denn eigentlich der Jakob ? « » Jakob ist mein Kind , Jakob ist mein Freund und Spielgefährte , Jakob ist ein Rabe , so schön groß und schwarz , wie kein zweiter in der ganzen Welt zu finden ist . Und sprechen kann er , ich selbst habe es ihn gelehrt ; er spricht wie ein Buch , er lacht und schimpft die Menschen , die den dummen Anton nicht leiden mögen . Auch meinen Bruder schimpft er , und der verdient es , denn er schlägt mich und stiehlt Holz und stiehlt mir die Pfennige , welche mir die Leute geben ; und meine Mutter sieht zu und sagt : Anton verdient , mit einem Stein am Halse in den Rhein geworfen zu weiden . « » Du mußt das nicht so wörtlich nehmen , Anton , die Leute sprechen manchmal etwas im Zorn und meinen es dabei gar nicht so böse . Wo wohnt Deine Mutter ? « » Meine Mutter und mein Bruder wohnen in einer Seitenschlucht auf dem Wege nach der Löwenburg . Sie haben ein kleines Häuschen , einen Galten und zwei Ziegen . « » Das kann ja nicht weit von der Oberförstern sein ? « » Auf der Landstraße gebraucht man von uns bis zur Oberförsterei eine gute halbe Stunde , auf dem Waldpfade dagegen nur die Hälfte dieser Zeit . Mein Bruder haßt den Oberförster , weil er ihn nicht will Holz stehlen lassen . Ich aber nicht , ich hole mir dort manches Mittagbrod , habe den jungen Herrn auch schon mehrfach daselbst gesehen . « » Ich Dich aber noch nie . « » Weil ich immer heimlich komme und nicht will , daß mein Bruder es erfährt ; er denkt , ich will ihn verrathen und anzeigen . « » Bist Du in dieser Woche auf der Oberförstern gewesen ? « » In dieser Woche noch nicht , aber morgen gehe ich wieder hin ; es ist jetzt so schön dort , daß ich immer da bleiben möchte . « » War es denn sonst nicht ebenso schön auf der Oberförsterei ? « » Es war immer schön dort , denn der Herr Oberstlieutenant schenkte mir oft einen Groschen und die Frau Oberförsterin gab mir ein Butterbrod ; jetzt aber ist Jemand bei ihnen eingezogen , so gut und so schön , schöner noch als die Muttergottesbilder in der Kirche zu Königswinter . « » Ei , ei , mein lieber Anton , wer mag es denn wohl sein , der Dir so außerordentlich wohlgefällt ? « fragte ich , obwohl ich wußte , daß