blaue Augen – die Quälereien der wilden Jungen , bei denen Selldorf bereits zum Onkel avancirt war – – Auf dem Schlosse war sonst noch allerlei passirt in den vierzehn Tagen . Army hatte von einer flüchtigen Reise zu Tante Stontheim deren Einwilligung und außerdem eine allerliebste kleine Equipage für seine Braut heimgebracht , und ein freundliches Schreiben von Blanka ’ s Vater hatte die Verlobten gesegnet . Die junge Braut war wieder die Liebenswürdigkeit selber ; sie hatte aus freien Stücken erklärt , es thue ihr leid , an ihrem Verlobungsabend so heftig gewesen zu sein , aber ein Gewitter verstimme ihre Nerven stets so entsetzlich , und Army – nun , der war der glücklichste Bräutigam , den man sehen konnte ; so meinte wenigstens Lieschen . Er trat manchmal in das düstere Krankenzimmer , um die Schwester zu begrüßen , und dann leuchtete sein Gesicht immer so stolz und glücklich , wenn er sich zu ihr niederbeugte und ihr einen Gruß von seiner Braut brachte . Letztere war nur einmal an dem Lager der Cousine erschienen , aber die helle Gestalt mit der lang nachrauschenden Schleppe und dem goldflimmernden Haar hatte die Kranke mächtig aufgeregt , als sie so hastig gefragt hatte : wie es gehe ? ob sie nun bald wieder aufstehen könne ? und so weiter , und so lebhaft von den Spazierfahrten erzählt , die sie mache , und von den Plänen für ihre Heirath , daß das junge Mädchen in Thränen ausgebrochen war , als sie wieder hinausgerauscht war . „ Wenn sie nur nicht so bald wieder kommt . “ hatte sie gesagt , „ mir wird so schwül in ihrer Nähe , und das Parfüm , das sie gebraucht , macht mir Kopfweh . “ Von Lieschen hatte Blanka gar keine Notiz genommen , obgleich sie deren schlanke Gestalt hochaufgerichtet am Bette stehen sah ; die Großmama kam überhaupt nie in das Krankenzimmer , so lange sie Lieschen dort wußte , und Sanna murmelte Etwas von Eigensinn und daß sie ebenso gut pflegen könne , wie das einfältige Ding aus der Mühlen ; „ das solle nur so etwas heißen von der jungen Baronin . “ Endlich war die Krankheit überstanden , die dunklen Vorhänge in dem Krankenzimmer zurückgeschlagen , die Fenster geöffnet , und das junge Mädchen lag auf dem Sopha und athmete mit Behagen die reine Waldesluft , die so schmeichelnd in ’ s Zimmer drang und richtete ihre Augen dankbar auf Lieschen , die neben ihr saß und mit ihr plauderte . Es befand sich Niemand weiter bei ihnen , denn es war noch Besuch gekommen : Blanka ’ s Vater , wie Nelly flüsternd berichtete , der mit Großmama und Army im Auftrage der Tante Stontheim zu sprechen habe . „ Ich bin ordentlich froh , Lieschen , “ fügte sie hinzu , „ daß ich nicht dabei zu sein brauche , denn Großmama macht schon seit dem Moment , wo der Brief eintraf , der den Onkel anmeldete , so ein böses , böses Gesicht . Aber sage einmal , Lieschen , Du siehst so blaß aus ? “ fragte sie dann . „ Du hast Dich gewiß zu sehr angestrengt bei meiner Pflege . “ Das junge Mädchen wehrte erröthend ab . – Von draußen her schallten jetzt Stimmen und das Trappeln von Pferden herauf . „ Ah , sie werden vom Spazierritt wiederkehren , “ sagte Nelly , „ komm , Lieschen – wir müssen es sehen . “ Sie erhob sich etwas matt und trat an ’ s Fenster . Dort unten auf dem Platze war , wie es schien , die ganze Familie versammelt ; Blanka saß noch auf ihrem Pferde im schwarzen Reitkleide , das kecke Hütchen mit der langen schwarzen Feder auf dem üppigen Haar , das heute in mächtigen Puffen am Hinterkopfe aufgesteckt war , statt wie sonst aufgelöst über den Rücken herabzufallen . Das Pferd war unruhig , aber sie saß vollkommen sicher im Sattel und klopfte mit der kleinen behandschuhten Hand liebkosend den Hals des schönen Thieres . Army war bereits von seinem Goldfuchs gesprungen ; er stand vor seiner Braut , um ihr beim Absteigen behülflich zu sein , und sah zu seinem Schwiegervater hinüber , der eben langsam zwischen den beiden Baroninnen herankam . Letzterer war ein kleiner corpulenter Herr , wie Lischen bemerken konnte , und schien sehr eifrig eine Meinung zu vertreten , denn er gesticulirte heftig beim Sprechen . Die Blicke von Nelly ’ s Mutter streiften das Fenster , an dem die beiden jungen Mädchen standen ; sie nickte freundlich hinauf , und die Augen der mit ihr Gehenden folgten diesem Gruße . Die ältere Dame sah gleichgültig wieder hinweg , während der Oberst , stehend bleibend , seinen Hut abnahm und hinauflächelte : dann hörten sie , wie er nach Lieschen fragte ; was geantwortet wurde , konnten sie nicht mehr verstehen . Inzwischen war Blanka abgestiegen , und Lieschen führte ihre Freundin wieder nach dem Sopha zurück ; bald nachher verkündete lautes Sprechen im Nebenzimmer das Eintreten der Gesellschaft . Lieschen nahm ihr Buch wieder auf und wollte die unterbrochene Lectüre beginnen , als drinnen die Stühle gerückt wurden und plötzlich die Stimme des alten Herrn durch die hohe Flügelthür deutlich zu ihnen herüberdrangt : „ Es thut mir leid , meine Gnädige , daß die Sache so wenig nach Ihrem Geschmack zu sein scheint , indessen – “ „ Scheint sie desto mehr nach dem Ihrigen zu sein , Herr Oberst , “ unterbrach ihn die scharfe Stimme der alten Baronin . „ Pardon , ich komme nur als Abgesandter der Gräfin Stontheim und habe vorhin schon einmal betont , daß ich mich keineswegs in das Arrangement der Angelegenheiten machen werde ; ich will jedoch nicht leugnen , daß es mir so am vernünftigsten erscheint . “ Seine Stimme verrieth eine gewisse Gereiztheit . „ Ansichten , liebster Derenberg ! “ Allerdings , aber Sie müssen selbst zugeben