der Baron und Hanna . Endlich ging man zur Ruhe , nachdem nochmals Dankesworte nach allen Richtungen hin und her geflogen waren . Der andere Tag verfloß in Stille und Gemütlichkeit . Morgens gingen wir zur Kirche , und nachher gab es allerlei zu besorgen für den zweiten Festtag , wo man zum ersten Male nach langer Zeit große Gesellschaft auf Schloß Bendeleben empfangen wollte . Die zahlreichen Einladungen waren sämtlich zustimmend beantwortet worden . Wir freuten uns wohl , aber doch nicht so , wie es früher der Fall gewesen . Fast glaubte ich , Hanna teilte meinen Geschmack und wäre lieber mit ihrem Bergen en famille geblieben . Meinen Vorsatz , heute Kathrin zu besuchen , brachte ich nicht zur Ausführung – die Wahrheit zu gestehen : ich hatte Angst , sie würde mich wegen des unvermuteten Erscheinens Eberhardts aufs Gewissen fragen . Sie hatte ihn zu durchdringend angesehen , auch heute wieder in der Kirche , und ich war ihr nach dem Gottesdienst sozusagen unter den Fingern entschlüpft , obgleich ich ihr ansah , daß sie mich gern gesprochen hätte . Ich nahm mir vor , sie morgen vor dem Beginn des Festes zu besuchen . Wie gern verschiebt man Unangenehmes . Als ob Kathrin Ruhe gehabt hätte ! Sie wartete den ganzen Tag , und als ich nicht gekommen war , da machte sie sich den folgenden Tag auf den Weg und kam zu mir aufs Schloß , zum zweiten Male aus Angst um mich ! Das alte , treue Herz trieb sie zu dem geliebten Pflegekinde . Es dunkelte bereits , die Vorbereitungen zu dem am Abend stattfindenden Feste waren beendet . Der Gärtner , der den Tanzsaal mit Orangenbäumen geschmückt hatte , war belobt worden . Das Silber auf dem Büfett blitzte in tadellosem Glanz , die Tafel im Speisesaal schimmerte im reichsten Schmuck , und nur die Diener gingen noch leise ab und zu . Es war endlich Ruhe eingetreten und man konnte noch ein paar Stunden ungestört verplaudern . Als ich die Treppe hinaufging , um in unser Turmstübchen zu gelangen , und eben überlegte , ob ich bei dem schlechten Wetter , das sich seit Mittag eingestellt hatte , es wagen dürfte , in das Dorf hinabzugehen – da stand in einer Fensternische Eberhardt , als hatte er mich erwartet . » Ich bitte um den ersten Tanz heute abend « , sagte er leise , nachdem er sich vorsichtig nach allen Seiten umgesehen hatte , und hielt mir ein Paar frischer , wunderschöner Rosen hin . » Aber nicht vergessen , mein Lieb « – dann schritt er rasch weiter , mir im Umwenden noch einen Kuß zuwerfend . Ich nickte ihm freundlich zu , da fühlte ich mich plötzlich am Arme ergriffen : » Gretchen , ich dachte mir ' s doch ! « Ich wandte mich um und starrte in Kathrins schmerzlich verzogenes Gesicht . » Es ist zu spät « , fuhr sie fort , » es hilft nichts mehr , ich kann nur wieder gehen . « Sie drehte sich um und schritt zurück . » Kathrin , so hör mich doch , geh nicht fort , du sollst ja alles wissen ! « rief ich , hinterher eilend und sie am Tuche haltend . » Ich brauche nichts mehr zu wissen « , schalt sie und zog heftig ihr Tuch aus meinen Händen . » Vorgestern abend mit dir in unserem Hause – jetzt die Rosen und der Kuß , den er dir zurückwarf , ob das noch nicht klar genug ist ! – Ach , meine Ahnung , meine Angst ! Warum hast du nicht geglaubt , was ich dir sagte ? « fragte sie schmerzlich bewegt und ging die Treppe hinunter . » Armes Kind ! « hörte ich sie noch murmeln . Unwillkürlich blieb ich stehen , ein Schauer durchzuckte mich und ließ mich fröstelnd zusammenfahren , dann trat ich ans Fenster , wo vorhin Eberhardt gestanden . Da ging sie eben die Allee entlang : der Sturm peitschte ihre Kleider , sie hatte Mühe vorwärts zu kommen . Ein gelblicher Schein beleuchtete die ganze Gegend , schwere , schwarze Wolken jagten dahin . Der Anhang war von den Bäumen verschwunden , der Sturm hatte ihn herabgeweht . Heulend und pfeifend fuhr er durch den Wald und schlug die kahlen Äste zusammen , und ich konnte mich eines bangen , unheimlichen Gefühls nicht erwehren , wenn ich an die alte , treue Kathrin dachte . » Schrecklicher Sturm heute ! « sagte Hannas Kammerjungfer , ein freundliches , stilles Mädchen . » Da kommen gewiß manche von den Gästen gar nicht . Hören Sie nur , Fräulein Gretchen , wie es heult in der Luft ! Gestern so schön und heute dieses Unwetter . « Ich nickte ihr zerstreut zu und ging in unser Zimmer . Der letzte falbe Abendschein fiel auf die weißen Kleider , die dort ausgebreitet lagen für unsere Balltoilette – wie häßlich sahen sie aus ! Die Rosen in meiner Hand zeigten ein gelbliches Rot – es war in diesem fahlen Zwielicht alles so unglaublich unheimlich . Kathrins Worte » armes Kind « kamen mir nicht aus den Ohren : ich hätte hinlaufen mögen und ihr sagen : » Kathrin , er liebt mich ja wirklich , sieh hier den Ring und schilt nicht mehr , freue dich mit mir ! « – » Ob ich es tue ? « fragte ich mich nach einer Weile , während es völlig dunkel geworden war . Schon erhob ich mich , um mein Tuch überzuwerfen , da fuhr ein Windstoß mit furchtbarer Heftigkeit an die alte Mauer , dem ein Krachen und Prasseln vom Dache folgte . » Herr Gott , Gretel , was ist das für ein Unwetter ! « rief Hanna , die eben zur Tür hereintrat . » Wir werden wohl heute abend unser Souper allein verzehren können , bei dem Sturm traut sich ja kein Mensch