es ihm versprochen , und ich will es halten und will Demut lernen . Ja , ich will um einen Platz an seinem Herde bitten und will seine Magd sein und will mich vor ihm niederwerfen . Aber « – und ihre Stimme zitterte – » wenn ich mich niedergeworfen habe , so soll er mich auch wieder aufrichten . Weh ihm und mir , wenn er mich am Boden liegenläßt . « Und bei der bloßen Vorstellung war es ihr , als drehe sich ihr alles im Kopf und als schwänden ihr die Sinne . Endlich hatte sie sich wiedergefunden und ging rascheren Schrittes weiter , abwechselnd in Furcht und Hoffnung , bis sie plötzlich , aus dem Walde heraustretend , der Dächer und Türme Tangermündens ansichtig wurde . Da ging alles in ihr in alter Lieb und Sehnsucht unter , und sie grüßte mit der Hand hinüber . Das war Sankt Stephan , und die hohen Linden daneben , das waren die Kirchhofslinden . Lebte Gigas noch ? Blühten noch die Rosen in seinem Garten ? Und sie legte die Hand auf ihre Brust und schluchzte und ward erst wieder ruhiger , als sie die Goldkapsel fühlte , das einzige , was ihr aus alten Tagen her geblieben war . Und sie öffnete sie und schloß sie wieder und preßte sie voll Inbrunst an ihre Lippen . 18. Kapitel . Grete bei Gerdt Achtzehntes Kapitel Grete bei Gerdt Unwillkürlich beschleunigte sich ihr Schritt , und binnen kurzem hatte sie die nur aus wenig Häusern bestehende Vorstadt erreicht . Eins dieser Häuser , das sich nach seinem bemalten und vergoldeten Schilde leicht als ein Herbergshaus erkennen ließ , lag in Nähe des Tores , und sie trat hier ein , um eine Weile zu ruhen und ein paar Fragen zu stellen . Die Leute zeigten sich ihr in allem zu Willen , und eh eine Stunde vergangen war , war sie fertig und stand gerüstet da : die Kleider ausgestäubt und geglättet und das während des langen Marsches wirr gewordene Haar wieder geordnet . Es schlug eben fünf , als sie , das Kind unterm Mantel , aus der Herbergstüre trat . Draußen im Sande scharrten die Hühner ruhig weiter , und nur der Hahn trat respektvoll beiseit und krähte dreimal , als sie vorüberging . Ihr Schritt war leicht , leichter als ihr Herz , und wer ihr ins Auge gesehen hätte , hätte sehen müssen , wie der Ausdruck darin beständig wechselte . So passierte sie das Tor , auch den Torplatz dahinter , und als sie jenseits desselben den inneren Bann der Stadt erreicht hatte , war es ihr , als wäre sie gefangen und könne nicht mehr heraus . Aber sie war nicht im Bann der Stadt , sondern nur im Bann ihrer selbst . Und nun ging sie die große Mittelstraße hinauf , an dem Rathause vorüber , hinter dessen durchbrochenen Giebelrosetten der Himmel wieder glühte , so rot und prächtig wie jenen Abend , wo Valtin sie die Treppe hinunter ins Freie getragen und von jähem Tod errettet hatte . Errettet ? Ach , daß sie damals zerdrückt und zertreten worden wäre . Nun zertrat sie diese Stunde ! Aber sie redete sich zu und schritt weiter in die Stadt hinein , bis sie dem Mindeschen Hause gegenüber hielt . Es war nichts da , was sie hätte stören oder überraschen können . In allem derselbe Anblick wie früher . Da waren noch die Nischen , auf deren Steinplatten sie , lang , lang eh Trud ins Haus kam , mit Valtin gesessen und geplaudert hatte , und dort oben die Giebelfenster , die jetzt aufstanden , um die Frische des Abends einzulassen , das waren ihre Fenster . Dahinter hatte sie geträumt , geträumt so vieles , so Wunderbares . Aber doch nicht das . In diesem Augenblicke ging drüben die Tür , und ein Knabe , drei- oder vierjährig , lief auf die Stelle zu , wo Grete stand . Sie sah wohl , wer es war , und wollt ihn bei der Hand nehmen ; aber er riß sich los und huschte bang und ängstlich in eines der Nachbarhäuser hinein . » So beginnt es « , sagte sie und schritt quer über den Damm und auf das Haus zu , dessen Tür offengeblieben war . In dem Flure , trotzdem es schon dämmerte , ließ sich alles deutlich erkennen : an den Wänden hin standen die braunen Schränke , dahinter die weißen , und nur die Schwalbennester , die links und rechts an dem großen Querbalken geklebt hatten , waren abgestoßen . Man sah nur noch die Rundung , wo sie vordem gesessen . Das erschreckte sie mehr als alles andre . » Die Schwalben sind nicht mehr heimisch hier « , sagte sie , » das Haus ist ungastlich geworden . « Und nun klopfte sie und trat ein . Ihr Auge glitt unwillkürlich über die Wände hin , an denen ein paar von den Familienbildern fehlten , die früher dagewesen waren , auch das ihrer Mutter ; aber der große Nußbaumtisch stand noch am alten Platz , und an der einen Schmalseite des Tisches , den Kopf zurück , die Füße weit vor , saß Gerdt und las . Es schien ein Aktenstück , dessen Durchsicht ihm in seiner Ratsherreneigenschaft obliegen mochte . Denn einer von den Mindes saß immer im Rate der Stadt . Das war so seit hundert Jahren oder mehr . Grete war an der Schwelle stehengeblieben , und erst als sie wahrnahm , daß Gerdt aufsah und die wenigen Bogen , die das Aktenstück bildeten , zur Seite legte , sagte sie : » Grüß dich Gott , Gerdt . Ich bin deine Schwester Grete . « » Ei , Grete « , sagte der Angeredete , » bist du da ! Wir haben uns lange nicht gesehen . Was machst du ? Was führt dich her ? « » Valtin ist tot