. Und doch war er letzten Grades höchst unvorsichtig und galoppierte dummerweise gerade vor der größten Gefahr , meiner schußbereiten Büchse , blindlings vorbei . Aber ich schoß nicht . Ein guter Jäger muß Wild sein können . Hier stand ich mitten in einem Farnwalde , in einem reichen Gekräusel grüner Fasern , und solange ich nicht losdrückte , unterschied mich nichts von einem Jäger der Tertiärzeit . Mein ganzes System war bis zum äußersten gespannt , noch auf zwei Schritte Distanz hätte ich gegenüber diesem krummbeinigen , schwarzfelligen Kater meine Kaltblütigkeit bewahrt . Es fiel mir ein , daß ich und diese Katze im Augenblicke vieles gemeinsam hatten , gleichsam eine einzige Lebensstufe in ihren polaren Gegensätzen darstellten . Denn nach Katzenart war auch ich als Jäger nicht nur Futterbeamter , sondern Beobachter . Ich experimentierte mit meinem Opfer , bevor ich meinen endgültigeren Wünschen freien Lauf ließ . Es fehlte nur noch , daß auch diese stämmige Katze mit Selbstkontrolle ausgerüstet war - auf jeden Fall benahm sie sich höchst zweideutig und interessant . Statt einen der Treiber anzugreifen und sich einen Weg durch die entstehende Lücke zu bahnen , rannte sie in buckligen Sprüngen die Kreuz und die Quer und flitzte lange Furchen in das hochaufgeschossene Kraut . Sie war zu träge zur Aktion , war nicht in Stimmung , stand vielleicht im Augenblicke auf einem höheren philosophischen Standpunkte und empfand solche unbegründete Lebhaftigkeit der Mitwelt als abgeschmackt . Als aber der Kreis sich verengerte , hatte sie ihre Nerven vollständig verloren , es wurde ihr flau zumute , sie blieb vor mir stehen , zwinkerte mit den Augen und flaggte mit den Bartspitzen , weinte schließlich aus ihren Schlitzen und kotzte ein kleines Frühstück aus . Zugleich verbreitete sie Gase wie eine chemische Werkstatt in voller Arbeit . Ich war ungeheuer entrüstet , aber da ich sah , daß sie noch immer nicht den Rest ihres Daseins meinte , zögerte ich am Druckbolzen . Sie hielt es noch immer bloß für ein unerwünschtes Erlebnis . Zudem war stets etwas Unerklärliches an ihr , etwas schnurrig Behagliches , eine Art wilder Wonne , und ich erinnerte mich pietätvoll an die Zustände der Kindheit , wenn ich versteckt auf die verfolgenden Kameraden harrte und der nächste Augenblick über » Leben und Tod « sozusagen entscheiden konnte . Dieser schwarze Buckel auf den vier krummen Beinen , mit dem flachen Kopfe , hatte etwas entschieden Abenteuerliches . Die Geschichte entwickelte sich weiter . Da streiften Pfeile ins Kraut und begrüßten meinen Kater . Ich sah etwas wie ein böses , gefälteltes Lächeln auf seiner Oberlippe , und nun änderte sich das Bild . Ein Pfeil traf ihn in die Lunge und zitterte nach . Eine fessellose Angst bemächtigte sich seiner . Er drehte sein Hinterteil vollständig nach außen , streckte den Kopf hoch in den blitzendblauen Himmel und riß die Kiefer aufkreischend zu einem flachen Kreissegment auseinander . Dieser Schrei klang mystisch wie die Explosion sämtlicher Töne , die in einer Flöte stecken , und war so schrecklich , daß mir übel davon wurde . Es war ein vollständig neuerfundener Vokal , der sich hier , wie ein Fetzen Fleisch , heiß aus den drahtstiftdünnen Fängen loslöste . Langsam trat Blut zwischen den Zähnen hervor . Alles Fleisch , alle Haut war schmerzlich zur Nase zurückgezogen , zwischen den beiden weitgetrennten Fängen zitterte ein Speichelfaden wie eine silberne Saite , und die Silhouette des Schädels war gewaltsam dünn wie eine Mondsichel . Die Augen waren krampfhaft geschlossene Spalten . Ein , zwei , drei Sekunden sah ich ihm zu , er ergötzte mich , er inspirierte mich , dann fiel mir etwas ein , ich schämte mich und schoß , indem ich alle sechs Mauserplomben hintereinander aus dem aufzuckenden Gewehr auf seinen Körper losspringen ließ : ich schoß aus den Händen von der Hüfte aus und traf ihn schlecht . Er purzelte zusammen und riß die Farnwurzeln aus . Die Indianer liefen vorsichtig herbei und standen würdig an seinen Seiten . Der langgefiederte Pfeil ragte , während das Tier am Rücken verendete , lotrecht in die Luft . Dann kamen die Weiber und zerrten und traten ihm das letzte Lebensrestchen aus dem Leib , bis man ihnen den schwarzen Balg abjagte . Und ich sah ihnen zu , sah , wie ihre Hände und Füße gierig zugriffen , und in mir brüllte die Sehnsucht aus der Tiefe meiner Eingeweide wie ein leidender , lebensfroher Puma . Ich spürte meine Kaumuskeln steinhart werden vor Energie , von einem Lebenswillen , der mir das Zwerchfell zu einem glücklichen Seufzer reizte und mir mit herausfordernden Kräften in die Muskeln an Schulter und Oberarm stieg . Das Blut strömte zu meinen Händen , sie entwickelten ein von mir unabhängiges Verlangen zu greifen , ihr Fleisch spannte sich und hing sich schwer an meine Ellenbogen . Als ich sie van den Dusen auf die Schulter legte , hätte ich ihn ohne böse Absicht beinahe umgeworfen . So mußte ein Panther seine Pranken fühlen , wenn sie nach Fleisch lechzen . XII Aber man kann nicht immer im Farndickicht jagen . Eine Katastrophe der Langeweile breitete sich vor . Oder war es Sehnsucht ? Meine Hände waren matt , feucht und klebrig . Ich wollte bemerken , daß in dieser Zeit meine Fingernägel ein beschleunigtes Wachstum zeigten . Ich war lasterhaft , und darum begann ich sie abzureißen . Mit dem Pantherspielen war es nun ja doch vorbei ; ein paar hunderttausend Jahre kam es zu spät ; es war jetzt wohl eine bloße belanglose Gewohnheit meiner Sinnlichkeit , mich mit Krallen zu versehen . Seit mein Geschlecht die wilde Kraft seiner Lust verlassen hatte , wurde es genäschig , wie alle Krallentiere , denen man den Raubtieraplomb geschlechterweise abgezogen hat . Und nun sah ich auch zum ersten Male , daß ich Gefährten hatte . Bei Zana hockten ein Äffchen und ein Papagei nebeneinander auf einem morschen Gabelsystem von Ästen und fraßen einander mit