hämmerte mit den Hufen , daß eine wehende Staubwolke um ihn herum war . Roß und Reiter wurden grau . Nur die wehende Schärpe behielt noch ihre Farbe und war hinter dem Reiter vom Luftzug des jagenden Rittes zu einem Halbreif ausgebogen , wie der goldene Henkel hinter einem silbernen Krug . Dann schlug auf der hochliegenden Straße der Wind um und wehte den aufgewirbelten Staub vor dem jagenden Rosse her . Lampert , ganz eingehüllt in dieses dampfende Grau , sah nimmer auf zehn Schotte weit . Ein Hornruf , den er plötzlich hörte , verriet ihm , wie weit er in der Stunde dieses hetzenden Rittes schon gekommen : bis zum Burgstall am Gwöhr , einem Innenwerke der Befestigungen , mit denen der Hallturm die Berchtesgadnische Grenze gegen Reichenhall und das Landshutische Bayern schützte . Den Pongauer parierend , schüttelte Lampen den Staub vom Gesicht und streifte ihn von den Augenlidern . Und als die graue Wolke davondampfte , stieg aus ihrem Schleier ein wundervolles Bild heraus . Keine Burg . Nur eine Mauthalle , ein kleiner Turm und ein schlechtes Haus hinter grob geschichtetem Gemäuer . Aber die Sonne vergoldete das alles , und hinter dem leuchtenden Schlößlein glänzte der Sammet hundertjähriger Wälder und die träumende Ferne der ins Blau gehobenen Berge . Ein paar Söldner , deren Waffen in der Sonne blitzten , guckten aus den Scharten des Turmes herunter und erkannten den jungen Someiner . Er schrie hinauf : » Sind acht von den unseren da vorbeigekommen ? « » Wohl , Herr , die sind über den Saurüssel aufgestiegen , ein Stündl mag ' s her sein . « » Die muß ich einholen ! « Noch eine kleine Strecke ging der Ritt auf der Straße hin . Nun klomm der Rappe über das steile Gehäng einer Wiesenschlucht hinunter und drüben wieder hinauf , er keuchte , immer steiler ging es bergan , auf groben Wegen , durch Bachschluchten und dichten Hochwald . Auf einer ebenen Höhe mußte Lambert den Gaul rasten lassen . Und der Reiter , dessen Blicke immer suchten , sah hoch drohen über dem Bergwald die acht Pfändleute auf steiler Windbruchfläche hinaufklettern gegen den Hängmooser Paß , zwei , die ihre Rosse führten , zwei unberittene Spießknechte und vier Troßbuben . Lampert tat einen Schrei , der ihm die Stimme zerriß . Die acht da droben hörten nicht , der Lärm ihres Marsches über das dürre Astwerk erstickte jeden Laut der Tiefe . Sie stiegen höher und hoher . Jetzt kamen sie zu dem grasigen Paßweg . Die beiden Reiter konnten wieder aufsitzen , und so zogen die acht in den von Sonnenlichtern durchfunkelten Wald hinein . Marimpfel , der die Wege seiner Heimat kannte , ritt voraus . Plötzlich verhielt er den Gaul , hob sich im Sattel und spähte in den Wald . Rannte da nicht ein Bauernbub ? » Halt ! « brüllte Marimpfel . Doch der Bub hetzte durch den Wald hinunter gegen die Hängmooser Schlucht und suchte Wege , wo kein Reiter ihm folgen konnte . Jetzt sah er einen grünen Fleck der Alm . Wie ein blinkender Erzwürfel lag die Hütte in der Mittagssonne . Taumelnd klammerte sich der Bub an einen Baum und schickte einen gellenden Schrei zur Hütte hinauf - und wieder einen - wieder einen . Dann rannte er in die Schlucht hinunter , dem Taubenseer Karrenweg entgegen . Von den Gratwänden kam ein vielfaches Echo der gellenden Schreie . Es klang , als säßen rings um die Alm herum die Hüterbuben dutzendweise , und als kreischte jeder von ihnen einen Jauchzer in die schöne , friedliche Sonne . Jula stand vor der Hütte . Noch immer war sie des Glaubens gewesen : Die Pfändleute kommen nicht , das ist Unrecht , und das dürfen sie nicht tun ! Nun hörte sie den Buben schreien . Und wie Trauer war es in ihrem Blick , als sie hinunterspähte gegen den Wald und dann hinübersah zu dem von Sonne glitzernden Sumpfgewässer und zu der kleinen , grünschopfigen Insel , von der sie einen Sattel auf sicheren Boden getragen hatte . » Komm « , sagte sie zum Jungknecht Heiner , den ihr der Vater am Morgen heraufgeschickt hatte , » wir treiben die Küh zum Käser her , daß sich das Unrecht nimmer plagen muß . « Sie zog die Schuhe an und knüpfte mit zitternden Händen die Riemen . Heiner fluchte und schalt . In seinem Zorn wider die Herren schlug er mit dem Stecken auch auf die Kühe los . » Tu nit so grob ! Das Vieh kann nit dafür , daß die Menschenleut nit anders sind . « Jetzt waren die siebzehn Kühe bei der Hütte und brüllten , weil sie die wunderliche Sache nicht verstanden . Heiner mußte springen , wehren und treiben , um die Tiere beisammen zu halten . Den Bruder hatte Jula schon früh am Vormittag hinübergeschickt zur Leite , auf der die zwiesömmerigen Kalben weideten . Zwischen der Leite und dem Käser lag ein Waldstreif von Erlen , Birken und hohen Krüppelföhren . Wer hinter diesen Stauden saß , konnte nimmer sehen , was bei der Hütte geschah . Drum war ' s ein guter Platz für den Jakob . Und sein totes Ohr , das noch nie einen Laut der Liebe vernommen hatte , konnte auch nicht die Stimmen des Unrechts hören , das da geschehen sollte . In der Hütte schlang Jula einen Riemen um die kleine Kupferschüssel , die neben dem Herdfeuer stand und das Mahl für den Bruder enthielt . Brot und Löffel gab sie in die Schürze , die sie am Bund ihres Rockes aufsteckte . Mit dem Eisenzagel schob sie auf dem Herd die halbverbrannten Scheite auseinander , die noch ein bißchen flackerten , und bedeckte die glühenden Strünke mit Asche . Solang es den Herren nicht gefiel , durfte von Stund an auf diesem siegelwidrigen Herde kein Feuer mehr brennen . Jula trat in die Sonne