meinem Zimmer , wo ich meine heimlichen Experimente machte . Bei Tag und selbst bei Nacht war mir die Ruhe verleidet , und sooft ich die Äpfelkammer besuchte , fühlte ich mich von Susannen zu neuer Goldmacherei angestachelt . Zum Überfluß erschien unter den Gästen des Wirtshauses ein Mensch , so peinliche Erinnerungen , auch düstere Ahnungen künftigen Unheils wachrief ; nämlich der Doktor Giacomini . Greise zwar an Haar und Bart , war er derselbe geblieben an Habgier und Tücke . Versteckt suchte er mich nach meiner Goldmacherei auszuforschen , trug freilich eine kalte und harte Abweisung davon , worauf er mich einen Prahlhansen schalt . Unerwartet , wie ich in die Äpfelkammer gelangt war , kam ich auch wieder heraus , so daß ich mit Staunen jene labyrinthischen Verschlingungen und launischen Abweichungen betrachte auf denen das Schicksal den Menschen führt . Der letzte Abend , den ich im gewohnten Wirtshause verlebte , war von verdrossenen Grübeleien erfüllt . An einem Ecktische saß ich zu später Stunde einsam , die Wange auf die Hand gestützt , und starrte auf das Spiel der Schatten , die ein Schwarm lebhafter Gäste im Scheine der Tischlaterne an meine Wand warf . Zuweilen unterschied ich im Schattengewirr eine Hand , ein verzerrt Haupt und erhobene Becher , derweilen Geschwätz und Lachen , Johlen , Gläserklirren und Würfelklappern sich vermischten . Die Luft war schwer und schwül , erfüllt vom Rauche jenes Tobakkrautes , das Mode zu werden begann und aus niederländischen Tonpfeifen qualmte . Trübsinn drückte mich nieder , heimliche Reue nagte am Herzen . Auf einmal war es mir , als täte mich mein Vater vorwurfsvoll anschauen , traurig sprechend : » Junge , Junge , du hier ? « - Verstört richtete ich mich auf und sah umher . Da war das Gesicht verschwunden , und zu mir trat ein Studiosus , so in der Äpfelkammer verkehrte und mit mir Brüderschaft getrunken hatte , wir hießen ihn mit seinem Spitznamen das Roß . » Warum so einsam , Johannes ? « lallte er . » Willst du nicht an unserm Tische mit uns knöcheln ? Magst nicht ? Nun , so laß uns beide mitsammen um die Zeche spielen . Soll ich für dich zahlen , oder willst du für mich zahlen , he ? Das laß uns jetzo durch Hund und Hase entscheiden . « In die Tasche griff das Roß und klimperte mit einer Handvoll Münzen , legte sie auf den Tisch und setzte sich neben mich . Ich stutzte , denn » Hund und Hase « war ja jene Art zu losen , durch die Susanne entschieden hatte , ob ich zum Schmirsel oder zum Waldhäuser gehen solle . Ein Weilchen ohne Neigung , des Rosses Vorschlag anzunehmen , ging ich schließlich darauf ein und erklärte , ich wolle der Hund sein . Hierauf zählte der Studiosus die Geldstücke auf , indem er sagte : » Hund verliert , Hase gewinnt , Hund verliert , Hase gewinnt . « Natürlich kam bei solchem Abzählen heraus , daß ich jeden Falles die Zeche bezahlen mußte . Doch brachte dieser Verlust mir den Gewinn , daß meine finstere Torheit auf einmal von einem Lichtstrahl erhellt ward . Ich erkannte , wie das Spiel » Hund und Hase « nichts war als possenhafter Betrug , einen unbesonnenen Menschen zu übertölpeln . Und solch einen unsauberen Kniff hatte Susanne für ein Gottesurtel ausgegeben , ohne sich ein Gewissen daraus zu machen , daß ihre Leichtfertigkeit über mein Geschick entscheide , da ich doch ähnlich wie Herkules am Scheidewege gestanden . Susanne kam mir auf einmal gänzlich anders für , als sie bisher erschienen . Es war , als sei eine schöne Blume welk und blaß worden , oder als stelle sich heraus , daß eines Angesichtes prangende Farben nichts sind als heuchelnde Malerei . Außerstande , der Jungfer freundlich ins Gesicht zu schauen , begab ich mich heim und fand stundenlang keinen Schlaf vor Enttäuschung und Gram . Andern Tages wollte ich Susannen zur Rede stellen , wie sie es habe übers Herz bringen können , ein Spiel mit meinem Leben zu treiben , ohne wenigstens hinterher einzugestehen , daß sie sich vom Mutwillen habe fortreißen lassen . Um unter vier Augen mit ihr zu reden , ging ich bereits am Nachmittag in die Äpfelkammer . Ohne besondere Absicht nahm ich diesmal in dem hinten gelegenen Gewölbe Platz . Gleich darauf hörte ich jemand in die Gaststube eintreten , es war Schmirsel , der seinen gewohnten Platz einnahm . Hinter ihm kam die Jungfer , setzte sich zu ihm und begann zu reden , ohne zu wissen , daß ich zuhöre . » Ei , welch ein schön Balsambüchslein ! « Hierauf er : » Es ist nicht schön , als bis die Jungfer es in Ihren schönen Händen hält . Sie behalte es , und mein Herze dazu . « - » Ich werde Ihn nicht in solchen Schaden bringen . « - » Schaden ? Mitnichten ! Ich bin Ihr Leibeigener , und ist es gleich , ob meine Sachen bei mir oder bei Ihr in Verwahrung liegen . « - » Das ist gar edel von Ihm gedacht ; doch ich bitte , nehm Er das Balsambüchslein lieber zurück , es ist ja von Golde . Was würden die Leute sprechen ! « » Mögen sie sprechen , was sie wollen , uns beiden kann davon nicht Übles geschehen . Was aber die Köstlichkeit des Balsambüchsgens betrifft , so ist die lange nicht groß genung ; meine holde Jungfer wäre gar eines Büchsgens von Demant wert . « » Er ist ein Schmeichler , aber ein lieber . Um Ihn nicht zu kränken , will ich sein Angebinde nehmen und mit meinem allerschönsten Dank nicht zurückhalten . « - » O süßes Kind , wenn das Gold dieses Büchsgens wird blaß werden , nicht eher werde ich aufhören , Ihr aufzuwarten . « Um die Ecke spähend , sah