seines Geschäftes , weil er etwas Besonderes vorstellen wollte . Dann harrte ich sieben Jahre , und da kam dein Vater ; das war eine andere Liebe , die ich zu dem hatte , denn ich ward ruhig durch ihn und stark . Er hat mir keine süßen Worte gegeben und mich nicht gerühmt ; aber seit ich seine Ehefrau bin , habe ich keine andre Sorge gehabt als die , welche Gott jedem Menschen auferlegt , nämlich um ihn in seinem Beruf , das ihm nicht ein Unglück geschieht , und um dich , mein geliebter Sohn , daß du gesund und gut aufwachsest ; und ein bös Wort habe ich nie von ihm gehört . Darum habe ich dir das erzählt , wiewohl es mir eine schwere Aufgabe war , weil diese dritte Versuchung die schwerste ist . Denke an meine Worte , wenn du vermeinst , daß du ein Mädchen getroffen habest , von der du nicht wieder lassen kannst . Vergiß nicht , daß erst das Weib den Mann zum Manne macht , deshalb darf der Mann kein Jüngling mehr sein , und deshalb soll er sein Weib auswählen , nicht bloß nach dem Gefühl der Liebe , wie es von den heutigen Dichtern beschrieben wird , sondern mit Ernst und Furcht . So sprach die Mutter zu Hans . An manchen Stellen ihrer Rede färbte die Scham ihre Wangen ; aber sie sprach ruhig und sicher , als eine Mutter zu ihrem Sohn . Und der Sohn ward bewegt in seinem Herzen und fühlte , wie er seine Mutter liebte , die stattlich und stolz vor ihm stand mit dem glatten und blonden Scheitel . Hans antwortete , daß er ihre Worte behalten wolle . Und er glaube , daß er keine großen Anfechtungen erleiden werde . Denn es ist wohl ein unchristliches Gefühl , das ich habe , aber ich glaube doch , daß meine Meinung richtig ist : ich denke nämlich , daß ich besser bin wie alle andern jungen Leute , die ich bis jetzt gesehen , und deshalb muß ich mich zusammennehmen , damit ich später auch etwas leisten kann , wenn ich ausgelernt habe . Und ich will mich auch hüten , daß ich nicht hochmütig werde , denn ich kann ja nicht so viel für mich , sondern das meiste habe ich von Natur , nämlich von euch . Nach diesem Gespräch war ein neues und andres Leben zwischen Hans und die Mutter gekommen ; er war freier gegen sie und offen , wiewohl er ihr auch früher nichts Besonderes verheimlicht hatte ; aber er hatte das Gefühl , daß er jetzt zu ihresgleichen herangewachsen sei , gleichwie er vor Jahren zu Dorrel herangewachsen und ihr gleich , bald dann auch ihr überlegen geworden war . So blieb jetzt nur noch der Vater über ihm . Gegen den Vater hatte er noch die alte kindliche Scheu ; gegen die Mutter aber hatte er eine neue Scheu bekommen , wie er sie etwa gegen seine Braut gehabt hätte , und eine neue Liebe seit jener Bewegung im Herzen , die mehr zärtlich war wie früher . Solches sind die Ringe unsrer wachsenden Seele ; und wenn unsre Seele in Gesundheit und Kraft zunimmt , so setzt sie solche Ringe einen nach dem andern an , und unser innerer Kern wird immer heimlicher und verborgener vor dem Ahnen der andern Menschen . Aber wie die Mutter mit Hans gesprochen hatte , da nahm ihn auch Dorrel mit sich auf ihr sauberes Dachkämmerchen , wo ihr hochaufgetürmtes Bett stand mit rot und weiß gewürfeltem Bezug , und ein blankgescheuerter hölzerner Stuhl , und ein großer Koffer , mit bunten Blumen bemalt . Den Koffer öffnete sie , zeigte ihm , was darinnen war , und sprach , daß er einst erben solle , was sie besitze , denn sie habe nur einen Bruder gehabt , der sei nach Amerika gegangen und habe dort eine Bauernstelle erworben , seit langen Jahren aber habe sie nichts mehr von ihm gehört und wisse gar nicht , ob er noch lebe und Kinder habe ; in fremde Hände aber solle ihr Gespartes nicht fallen . » Aber wenn du einmal heiratest , so schenke ich dir dieses Tischtuch und zwölf Servietten ; dazu habe ich den Flachs selbst gesät , gezogen , gebrochen , gehechelt und gesponnen , und vom Weber habe ich ihn mir weben lassen mit künstlichen Figuren von Bäumen und Tieren und einem Jäger . Jetzt ist das Leinen zwar noch hart und sieht grau aus , aber wenn es erst ein Jahr lang im Gebrauch gewesen ist , so wird es weich , weiß und glänzend . Nur hüte dich vor den faulen Wäscherinnen , die in der Apotheke fressende Gifte kaufen , die verderben dir deine gute Leinwand , und du hast am Ende nur Lumpen . « Danach zeigte sie ihm ihr Sterbehemd , das hatte sie auch selbst gesponnen und mit schönen Spitzen besetzt und wollte sie mit ins Grab nehmen ; ihre übrige Wäsche aber , die gebraucht ist , welche er nicht behalten wollte , sollte er verschenken , einem armen und ordentlichen jungen Dienstmädchen , das sich noch nichts hat anschaffen können , und dem damit geholfen ist ; » aber es muß ein ordentliches und fleißiges Mädchen sein , die meine Sachen trägt mir zu Ehre und sie sauber hält , nicht so ein faules Bettlergesindel , das in Lumpen umhergeht . « Am Ende zog Dorrel noch ihre besonderen Kostbarkeiten hervor , an denen ihr Herz am meisten hing . Da war erstlich ein gestickter Tabaksbeutel , den hatte ihre Mutter ihrem Vater einst als Braut geschenkt und hatte derzeit zwei Taler gekostet , war auch nie gebraucht von ihrem Vater , aus Ehrfurcht , weil er so teuer gewesen . Den hatte ihr Bruder damals mitnehmen wollen nach Amerika , aber sie hatte ihn nicht hergegeben , weil sie dachte , in Amerika