plötzlicher Gedanke zu überkommen . Er nahm den Brief in beide Hände , las und rief dann aus : » Ich habe es ! Wie leicht , und wie aber auch so gräßlich ! « » Nun , wer ist ' s ? « fragte ich gespannt . » Lies selbst ! Lies den Namen rückwärts ! So leicht ! Wie konnten wir nicht hierauf kommen ! « Er wollte mir das Schreiben geben ; ich nahm es aber gar nicht , denn man brauchte die geschriebenen Worte nicht zu sehen , um zu wissen , daß der Name Rafadsch Azrim , wenn man ihn rückwärts liest , Dschafar Mirza lautet . Da sahen wir uns alle drei nicht nur erstaunt , sondern höchst betroffen an . » Das ist doch nicht etwa Mirza Dschafar , mein Bekannter ? « fragte ich . » Doch ! « versicherte der Ustad . » Aber dieser war ja nicht Prinz ! « » Er war es . Aber er setzte während seiner großen , mehrjährigen Studienreise den Mirza nicht hinter , sondern vor seinen Namen . Er glaubte , Grund zu haben , jedes Aufsehen zu vermeiden . Er reiste im Namen des Schah-in-Schah , und das sollte niemand wissen . « » Was ist er jetzt ? « » Er hat kein besonderes Amt . Er verzichtet auf alle Ehren und Würden . Er will sich nicht unter Die reihen lassen , welche angeben , die Diener des Beherrschers zu sein , und in Wirklichkeit nur seine Gegner sind . Aber er hat ihm sein ganzes Leben und seine ganze Kraft geweiht , und wo es gilt , das Volk von der Güte und von der Gerechtigkeit seines Herrn zu überzeugen , da ist er stets vorhanden . « » So muß ihn Ahriman Mirza hassen , wenn er ihn kennt ! « » Ob er ihn kennt ! Sie stehen einander gegenüber wie Feuer und Eis , wie Licht und Finsternis , wie Liebe und Haß , wie Tugend und Verbrechen . « » Wo ist Dschafar Mirza jetzt ? « » Ich weiß es nicht . Kürzlich war er in Teheran beim Schah , der sich jetzt in Isphahan befindet . Vielleicht ist er auch dort . Ich will dir nur sagen : Er ist mein Freund ! Das ist genug ! Ich muß ihn warnen ! Sofort warnen ! « Da legte ich ihm die Hand auf den Arm und sagte : » Nein ! Du wirst ihn nicht warnen ! « » Höre ich recht ? Verlange von mir alles , nur das nicht ! « » Ich verlange es ! « Da trat er von mir zurück , sah mir mit ungewissen , fast zornigen Augen in das Gesicht und fragte : » Soll ich irr werden an dir , Effendi ? « » Werde irr ! Doch sei nicht unbedachtsam ! « » Unbedachtsam ? Es giebt hier nur eine einzige Bedachtsamkeit , einen einzigen Gedanken , einen einzigen Entschluß und eine einzige Pflicht für mich : meinen Freund zu retten ! « » Das sollst du auch ! « » Ohne ihn zu warnen ? « » Ja . Denn wenn du ihn warnst , so ist er zwar für jetzt zu retten , für später aber wahrscheinlich verloren ! « » Beweise es ! « Da schüttelte ich bedauernd den Kopf und sagte : » Ich hörte aus deinem eigenen Munde , daß du mich liebest , daß du dich Eins mit mir fühlest . Das war , als ich mich in Todesgefahr befand . Da sagte ich dir , daß , wenn Geister sich küssen , es für sie fortan nur noch einen vereinten Pulsschlag gebe . Und nun ? Jetzt ? Ist es wirklich Liebe gewesen ? Ein Kuß der Geister ? Kaum eine Stunde später tritt schon eine andere Gestalt zwischen dich und mich ! Die Einheit schwindet , und des Lebens Zwiespalt schiebt uns auseinander ! Du willst Beweise ! Kannst du nicht vertrauen ? Soeben noch gingst du an meiner Hand spazieren . Ich zeigte dir , daß ich viel besser und viel weiter sah als du . Da kommt ein Bild aus vergangenen Tagen . Es steigt aus deiner Gruft zu uns empor . Es ist der Schatten , der dich einst regierte . Kannst du ihn bannen ? Ja ? Versuche es ! « Er stand gesenkten Hauptes vor mir und sagte nichts . Da ließ der Pedehr seine begütigende Stimme hören : » Zürne nicht , Effendi ! Wir vertrauen dir ! Wenn du willst , daß Dschafar Mirza nicht gewarnt werden solle , so wird er nicht gewarnt . Du hast deine Gründe ! « » Ja ; ich habe sie und will sie euch nun sagen . Wann ist der Tag des Wettrennens , Pedehr ? « » Es ist der fünfte des Schaban , « antwortete er . » Wann soll Dschafar Mirza ermordet werden ? « » Am fünften des Monats Scha - - - « Er kam nur bis zu dieser Silbe , denn da fiel der Ustad schnell und verwundert ein : » Maschallah ! An - - an ganz demselben Tage ! « » Merkst du etwas , Ustad ? « fragte ich ihn . » Nein ! « gestand er . » Noch nichts ? Sein Blut wird hier bei euch vergossen werden sollen ! « » Effendi ! « fuhr er auf . » Effendi ! « rief vor Schreck auch der Pedehr . » Ich bitte euch , nicht zu erschrecken ! « fuhr ich fort . » Es war das anders wohl vorherbestimmt . Als der Aemir-i-Sillan befahl , daß Dschafar Mirza am fünften Tage des Monates Schaban sterben solle , wußte er noch nicht , daß er diesen Tag hier bei euch verbringen werde . « » Hier bei uns - - hier bei uns ? « fragten beide wie mit einer Stimme