des Ruhms ! Liebe und Ruhm ! die beiden höchsten Sterne , an denen der sehnsuchtsvolle Blick des Knaben schon gehangen ! Nun nicht mehr unerreichbar in unermeßlicher Höhe ! Als holde Genien niedergeschwebt zu ihm , die glänzenden Fittige um ihn breitend , die finstere Gruft zum lichten Wolkenbette wandelnd , auf dem er gehoben wurde aufwärts zum Olymp , fortan zu speisen mit den Seligen von Ambrosia und Nektar ! So flutete es in mächtigen Wogen durch seine Seele , während er mit unzähligen Menschen sprach , Herren und Damen , die er nicht kannte , die ihm auch völlig gleichgültig waren , und die er doch , wie sie sich um ihn drängten und ihm huldigten , mit geistreichen Worten und Erwiderungen zu bezaubern nicht verschmähte . Mein Gott , ein Alexander auf seinem Eroberungszug , er annektiert auch die dürren Provinzen , steht ein königliches Herz gleich nach Indien mit seinen Lotosblumen und Palmenwäldern ! Wie mein Herz nach dir , du Königin der Frauen ! nach dem Moment , wo wir uns wieder Aug ' in Auge blicken dürfen ! Er konnte sie nicht entdecken , so gierig seine Blicke auch in der wühlenden Menge nach ihr spähten . Aber das würde ja nicht lange mehr währen . Der Moment , wo man zu Tisch ging , mußte sie wieder vereinigen . Fräulein Stephanie hatte durch ihre Adjutanten herumsagen lassen , daß die » Künstler « auf dem Schauplatz ihrer Triumphe eine besondere Tafel bereit finden sollten . Sich von der erlauchten Runde auszuschließen , sei bei Strafe ihrer allerhöchsten Ungnade verboten . Albrecht wußte : Klotilde würde sich nicht ausschließen . Wie sie überzeugt war , daß er kommen würde . In einem der anderen Gemächer , von einer dichten Schar Herren in Uniform und Civil umgeben , war sie inzwischen der Gegenstand ausschweifender Huldigungen gewesen . Hundertmal hatte sie zu hören bekommen , daß sie großartig , superb , magnifique gespielt habe , von ihrer Erscheinung , der kein Ausdruck gerecht werden könne , zu schweigen . Die Bernhardt und die Duse ! Kunststück , wenn man jeden Abend , den Gott werden ließe , auf den Brettern stände ! Aber so - aus dem Stegreif - aus dem Handgelenk - es sei einfach stupend ! Lächerliche Übertreibung ! niemand wußte das besser als sie selbst , die beide große Künstlerinnen wiederholt gesehen und , nicht ohne ein starkes Gefühl des Neides , bewundert hatte . Aber sie war in der Stimmung , auch größeren Unsinn zu goutieren . Und dann fragte es sich noch sehr , ob die Theaterdamen auf dem Parkett des Salons das leisten könnten , was sie unter anderm heute abend fertig gebracht . Endlich einmal in der Welt , in der man sich langweilt , ein pikantes Abenteuer ! Und das sie sich ganz allein verdankte ! Der schüchterne Mensch ! Wie lange sie wohl hätte warten müssen , bis er sich den Mut faßte ! Und die Keckheit , mit der sie es ausgeführt ! Ein Stück Tapete , das bloß umzufallen brauchte , und sie hielt vor aller Welt den heimlich Geliebten in den Armen ! Es war unglaublich lächerlich ! Und Klotilde lachte und scherzte , tollte und neckte sich mit den jungen Herren und wünschte von Elimar , der eben herangetreten war , zu wissen , weshalb er unter all den fröhlichen Leuten ein so ernstes Gesicht mache wie der steinerne Gast im Don Juan ? Thue ich das ? sagte Elimar . Es wäre freilich das möglichst Unpassende von einem , der mit der großen Bitte kommt , Sie zu Tisch führen zu dürfen . Lieber Freund , da kommen Sie freilich zu spät , rief Klotilde . Ich habe meine arme Seele bereits unserm Dichter verschrieben ; besser verschreiben müssen - auf Stephanies Befehl . Das thut mir aufrichtig leid , sagte Elimar . Ich wäre für Sie ein gewiß weniger geistreicher , aber , ich glaube , weniger gefährlicher Nachbar gewesen . Sie waren so weit von den andern weggetreten , daß es als ein Gespräch unter vier Augen gelten konnte . Jetzt sich nichts merken lassen , sagte Klotilde bei sich und erwiderte lachend : Sehr freundschaftlich-ritterlich ! Aber ich gebe Ihnen mein Wort : der Professor ist der letzte , der mir gefährlich werden würde . Was ja nicht ausschließt , daß Sie es ihm bereits geworden sind . Das große Unglück ! Noch ist es , denke ich , keins . Aber aus einem kleinen Brande entwickelt sich leicht ein großer . Liebe Klotilde , ich will ohne Umschweif sprechen . Was mir aufgefallen ist , kann auch andern aufgefallen sein , die es aus diesem oder jenem Grunde weniger ruhig nehmen und entschuldbar finden als ich . Mir würde es leid , sehr leid thun , sollten Ihnen daraus Ungelegenheiten erwachsen . Es ist eine undankbare Rolle , den treuen Eckart zu spielen - ich weiß es wohl . Aber um jemandes willen , den man aufrichtig lieb hat , übernimmt man auch einmal eine solche Rolle . Sollte ich Sie heute abend nicht wiedersehen , leben Sie wohl ! Aber Sie müssen ja mit an den Künstlertisch . Meine Excellenz hat mir befohlen , wenn ich mich frei machen könnte , mich zu ihm zu setzen . Da ich nun frei bin - Auf Klotildens Lippen schwebte das Wort : Elimar , führen Sie mich ! Aber bereits hatte sich der Freund gewandt , und in demselben Augenblick kam Stephanie mit ihrer Schar , in der sich auch Albrecht befand , und rief : Klotilde , wir haben keinen Augenblick zu verlieren . Sonst kommen wir durch das Gedränge nicht mehr zu unsern Plätzen ! Fünfzehntes Kapitel Das rauschende Fest hatte bis zwei Uhr gewährt und war dann , programmmäßig pünktlich , wie es angefangen , beschlossen worden . Vor dem Portale hatte es , da Dutzende von Dienerstimmen zugleich nach den Equipagen ihrer Herrschaften riefen