. Der berühmten Köchin rollen über die geröteten Wangen ein paar große dicke Tränen . Die harte Tarub ist jetzt ganz weich . Safur blieb acht volle Wochen fort ... Das war eine lange lange Zeit . Jetzt aber soll Safur wiederkommen - er hats geschrieben - noch heute kommt er . Bei Allah - die Tarub freut sich . Sie löst sich vor Rührung fast auf . Sie wäscht sich schon zum fünften Mal Hände und Gesicht , obwohl sie eigentlich den ganzen Tag nichts tat . Und sie trocknet sich ab mit einem Handtuch , in das sie einst ein paar Verse hineinstickte - Verse , die ihr lieber Safur ganz besonders für sie gedichtet hatte . Auf dem Handtuch steht : » So hell und rein wie Gold und Wein So ganz voll Glanz Muß Küche , Herd und alles sein . « Die Tarub liest das wieder - sehr andächtig , blickt dann in der Küche rum und sieht , ob alles in Ordnung . Sie schmunzelt - alles ist gut . In den Kruken und Töpfen stecken duftende dunkelrote Rosen . An die hundert dunkelrote Rosen hat die Tarub in ihrer Küche verteilt . Die Messingkessel funkeln . Der rote Ziegelboden blitzt beinah - so sauber ist er gescheuert . In den kupfernen Eiskübeln taut das Eis - tropfend . Der Pumpenschwengel ist mit frischem Lorbeer bekränzt . Und es will Abend werden . Tarub dreht sich langsam um und sieht - ihren Dichter endlich wieder . Stürmisch fällt sie ihm um den Hals - und weint . Sie weinen Beide zusammen . Zwischen den Beiden scheint wieder alles - so gut zu sein - so gut ! Jetzt merkt ihnen Keiner an , daß sie sich mal zankten - daß sie ihn mal kränkte mit Milch und er mal ihre Liebe verschmähen wollte . Dichter und Köchin sind wieder ganz ein Herz und eine Seele - - - Wies dunkel geworden , zündet die Tarub acht kleine Öllämpchen an - zur Erinnerung an die acht Wochen der Trennung . Na - Safur ist auch gerührt - Sie essen Beide . Sie trinken Beide . Wies ihnen schmeckt - nein - das ist kaum zu sagen - fast zu schön . Beide wieder - ein Herz und eine Seele . Nun gehts ans Erzählen . Er erzählt ihr Alles . Und er schildert ihr das Fastenfest . Die Tarub schauert zusammen - was Fürchterlicheres als » hungern « kennt sie nicht . Wie Jemand freiwillig hungern kann , vermag sie nicht zu verstehen . Und als nun Safur von dem großen Oberpriester Tschirsabâl erzählt , wird sein Ton immer heftiger . » Denk Dir , Tarub « , ruft er zornbebend , » weißt Du , wie mich der Esel nannte ? « » Nein , ich weiß nicht ! « erwidert die Tarub . Doch gleich darauf schreit der Dichter : » Esel hat er mich genannt - Esel ! « Die Erregung der Beiden ist anitzo nicht von Pappe . Safur vermag sich garnicht über den frechen Kerl zu beruhigen , der es wagte , den feinsten Kopf von ganz Bagdad , den geistreichsten Dichter der Araber , einen Esel zu schelten . » Hätt ich nur meinen alten Dolch gehabt ! « sagt leiser der kluge Safur , » ich hätte ihm schon bewiesen , wie man in Bagdad frechen Hunden zu begegnen weiß . Aber der Kerl war ja zwei Köpfe größer als ich . Mit bloßen Händen konnt ich doch nichts gegen ihn machen . « » Siehst Du ! « versetzt da so recht ernst die Tarub , » warum trinkst Du immer soviel ? hättest Du nicht soviel getrunken , so hättest Du damals nicht den Dolch versetzt und hättest Dir das von diesem alten Priester nicht gefallen lassen brauchen ! « Diese Bemerkung beruhigt den Safur grade nicht - Ermahnungen sind ihm sehr sehr lästig . Er zieht daher verächtlich lächelnd seinen neuen Dolch hervor , der noch schöner und noch länger ist als der alte . Den neuen Dolch hat ihm der Battany geschenkt . Safur schimpft dann auf die Priester im Allgemeinen , während die Tarub den Dolch bewundert . Er nennt das Fastenfest einen lächerlichen Schwindel , eine große Albernheit , eine Narretei , hinter der nichts - garnichts dahinter sei . Er ist wütend über das Wichtigtun der ssabischen Priester - über ihre albernen Geheimnisse , in denen alles , was unklar und verschwommen ist , eine Heimstätte fand . Dem aufgeklärten Bagdader Dichter ist die Religion eigentlich in jeder Form verhaßt . Er hat eine Abneigung gegen alles Halbverstandene und Verschwommene im Gefühlsleben . Er will das Gefühlsleben immer ganz klar durchschauen - jede Schwelgerei im Unklaren ist ihm unangenehm . Er lehnt sich in längeren Reden gegen die Unklarheit und gegen das Verwaschene auf - sodaß der Tarub , die natürlich nichts von alledem versteht , die Geschichte schon langweilig zu werden beginnt - was sie ihm denn auch gleich ein bißchen zu verstehen gibt . Na - das gefällt ihm wieder nicht - nein - das verwundet ihn sogar - er ist verletzt und verstummt - Eine ganze Masse von Empfindungen stürmt auf ihn ein - sodaß er garnicht weiß , was alles erregend auf ihn einwirkt . Er hat eine aus sehr vielen Empfindungen zusammengesetzte Stimmung , die er nicht klar durchschauen kann . Daß er trotz seiner langen Rede über das Ungebildete im Unklaren wieder mal selber nicht klar sehen kann und sich demnach auch ungebildet vorkommt - das ärgert ihn noch mehr . Er merkt , daß er sich mit der Verdammung der verschwommenen und verwaschenen Empfindungen eigentlich selber ins Fleisch schnitt . » Eigentlich « , sagt er daher still zu sich , » ist es ein bißchen unsinnig , die Empfindungen , die wir nicht gleich ganz scharf zu durchschauen und zu zergliedern vermögen , zu verdammen . Bei den Priestern zu Hauran spielen sicherlich