die kleine Tafelrunde von Anfang an in drei Gruppen , von denen eine , wiewohl nicht absolut schweigsam , doch vorwiegend als Tafelornament wirkte . Dies war die Gruppe Woldemar-Triglaff . Und das konnte nicht wohl anders sein . Die Triglaff , wie sich das bei Kakadugesichtern so häufig findet , verband in sich den Ausdruck höchster Tiefsinnigkeit mit ganz ungewöhnlicher Umnachtung , und ein letzter Rest von Helle , der ihr vielleicht geblieben sein mochte , war ihr durch eine stupende Triglaffvorstellung schließlich doch auch noch abhanden gekommen . Eine direkte Deszendenz von dem gleichnamigen Wendengotte , etwa wie Czako von Czako , war freilich nicht nachzuweisen , aber doch auch nicht ausgeschlossen , und wenn dergleichen überhaupt vorkommen oder nach stiller Übereinkunft auch nur allgemein angenommen werden konnte , so war nicht abzusehen , warum gerade sie leer ausgehen oder auf solche Möglichkeit verzichten sollte . Dieser hochgespannten , ganz im Speziellen sich bewegenden Adelsvorstellung entsprach denn auch das gereizte Gefühl , das sie gegen den Zweig des Hauses Thadden unterhielt , der sich , nach seinem pommerschen Gute Triglaff , Thadden-Triglaff nannte - eine Zubenennung , die ihr , der einzig wirklichen Triglaff , einfach als ein Übergriff oder doch mindestens als eine Beeinträchtigung erschien . Woldemar , der dies alles kannte , war dagegen gefeit und wußte seinerseits seit lange , wie zu verfahren sei , wenn ihm die Triglaff als Tischnachbarin zufiel . Er hatte sich für diesen Fall , der übrigens öfter eintrat , als ihm lieb war , die Namen aller Konventualinnen auswendig gelernt , die während seiner Kinderzeit im Kloster Wutz gelebt hatten und von denen er recht gut wußte , daß sie seit lange tot waren . Er begann aber trotzdem regelmäßig seine Fragen so zu stellen , als ob das Dasein dieser längst Abgeschiedenen immer noch einer Möglichkeit unterläge . » Da war ja hier früher , mein gnädigstes Fräulein , eine Drachenhausen , Aurelie von Drachenhausen , und übersiedelte dann , wenn ich nicht irre , nach Kloster Zehdenick . Es würde mich lebhaft interessieren , in Erfahrung zu bringen , ob sie noch lebt oder ob sie vielleicht schon tot ist . « Die Triglaff nickte . Czako , dieses Nicken beobachtend , sprach sich später gegen Rex dahin aus , daß das alles mit der Abstammung der Triglaff ganz natürlich zusammenhänge . » Götzen nicken bloß . « Um vieles lebendiger waren Rede und Gegenrede zwischen Tante Adelheid und dem Ministerialassessor , und das Gespräch beider , das nur sittliche Hebungsfragen berührte , hätte durchaus den Charakter einer gemütlichen , aber doch durch Ernst geweihten Synodalplauderei gehabt , wenn sich nicht die Gestalt des Rentmeisters Fix beständig eingedrängt hätte , dieses Dominaprotegés , von dem Rex , unter Zurückhaltung seiner wahren Meinung , immer aufs neue versicherte , » daß in diesem klösterlichen Beamten eine seltene Verquickung von Prinzipienstrenge mit Geschäftsgenie vorzuliegen scheine « . Das waren die zwei Paare , die den linken Flügel beziehungsweise die Mitte des Tisches bildeten . Die beiden Hauptfiguren waren aber doch Czako und die Schmargendorf , die ganz nach rechts hin saßen , in Nähe der dicken Fenstergardinen aus Wollstoff , in deren Falten denn auch vieles glücklicherweise verklang . An die Suppe hatte sich ein Fisch und an diesen ein Linsenpüree mit gebackenem Schinken gereiht , und nun wurden gespickte Rebhuhnflügel in einer pikanten Sauce , die zugleich Küchengeheimnis der Domina war , herumgereicht . Czako , trotzdem er schon dem gebackenen Schinken erheblich zugesprochen hatte , nahm ein zweites Mal auch noch von dem Rebhuhngericht und fühlte das Bedürfnis , dies zu motivieren . » Eine gesegnete Gegend , Ihre Grafschaft hier « , begann er . » Aber freilich heuer auch eine gesegnete Jahreszeit . Gestern abend bei Dubslav von Stechlin Krammetsvögelbrüste , heute bei Adelheid von Stechlin Rebhuhnflügel . « » Und was ziehen Sie vor ? « fragte die Schmargendorf . » Im allgemeinen , mein gnädigstes Fräulein , ist die Frage wohl zugunsten ersterer entschieden . Aber hier und speziell für mich ist doch wohl der Ausnahmefall gegeben . « » Warum ein Ausnahmefall ? « » Sie haben recht , eine solche Frage zu stellen . Und ich antworte , so gut ich kann . Nun denn , in Brust und Flügel ... « » Hihi . « » In Brust und Flügel schlummert , wie mir scheinen will , ein großartiger Gegensatz von hüben und drüben ; es gibt nichts Diesseitigeres als Brust , und es gibt nichts Jenseitigeres als Flügel . Der Flügel trägt uns , erhebt uns . Und deshalb , trotz aller nach der andern Seite hin liegenden Verlockung , möchte ich alles , was Flügel heißt , doch höher stellen . « Er hatte dies in einem möglichst gedämpften Tone gesprochen . Aber es war nicht nötig , weil einerseits die links ihm zunächst sitzende Triglaff aus purem Hochgefühl ihr Ohr gegen alles , was gesprochen wurde , verschloß , während andrerseits die Domina , nachdem der Diener allerlei kleine Spitzgläser herumgereicht hatte , ganz ersichtlich mit einer Ansprache beschäftigt war . » Lassen Sie mich Ihnen noch einmal aussprechen « , sagte sie , während sie sich halb erhob , » wie glücklich es mich macht , Sie in meinem Kloster begrüßen zu können . Herr von Rex , Herr von Czako , Ihr Wohl . « Man stieß an . Rex dankte unmittelbar und sprach , als man sich wieder gesetzt hatte , seine Bewunderung über den schönen Wein aus . » Ich vermute Montefiascone . « » Vornehmer , Herr von Rex « , sagte Adelheid in guter Stimmung , » eine Rangstufe höher . Nicht Montefiascone , den wir allerdings unter meiner Amtsvorgängerin auch hier im Keller hatten , sondern Lacrimae Christi . Mein Bruder , der alles bemängelt , meinte freilich , als ich ihm vor einiger Zeit davon vorsetzte , das passe nicht , das sei Begräbniswein , höchstens Wein für Einsegnungen